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Der Neuaufbau 02.09.2010 08:23:40 --- 1 Jahr, 5 Monate her
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Rodewin sass in seiner Jurte und er schaute auf das Feuer in der Mitte des Raumes. Die Flammen wurden kleiner und das Feuer schien langsam, aber sicher zu erlischen.
Noch vor einigen Wochen war er guten Mutes und seine Bauern und Gefolgsleute hatten tatkräftig den Ausbau der Grafschaft voran getrieben. Die alten Siedlungen, die zugewuchert waren, wurden wieder gerodet und neu angelegt. Felder wurden neu gepflügt und neu eingesät. Die Bewässerung wurde wieder instandgesetzt und Händler machten in den Dörfern halt.
Alles schien sich gut zu entwickeln.
Doch jetzt, als Rodewin den Flammen des Lagerfeuers zuschaute, wurde ihm schwer ums Herz. War er nur bedrückt und machte sich etwas vor oder ging es seinem Volk, dass gerade erst wieder zu leben begann, so wie den Flammen, die langsam zu erlischen drohten.
"Was können wir nur tun, damit es weiter aufwärts geht und wir das werden, was wir uns geschworen hatten ?" dachte er betrübt.
Rodewin wachte aus seinen Gedanken auf: "es wird schon weitergehen, sei nicht so nachdenklich" sagte er zu sich selbst. Er stand auf, nahm noch einen kräftigen Schluck Met und ging hinaus in die Nacht.
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Re:Der Neuaufbau 03.09.2010 08:23:04 --- 1 Jahr, 5 Monate her
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Die Tage vergingen und Rodewin wurde immer bedrückter. Was könnte er tun, um etwas zu ändern. Er wollte die Flamme wieder auflodern sehen, die ihn so sehr zu neuen Taten angespornt hatte.
Um sich etwas abzulenken, nahm er eine Axt und wollte gerade beginnen, neues Feuerholz zu schlagen, als ein Bote direkt auf ihn zulief.
"Eine Nachricht" rief er noch im Lauf "eine Nachricht für Euch".
Rodewin nahm das Schreiben. Seine Königin hatte ihm mitteilen lassen, dass alsbald ein Freundschaftsturnier bei den benachbarten Uraliern stattfand und sie seine Anwesenheit dort gerne sehen würde.
"Endlich" rief er aus und schaute den Boten an, während er bereits in Richtung seiner Jurte ging. "Komm, hilf mir, meine Sachen zu packen, Du kommst mit mir".
Der Bote schaute Rodewin einen Moment ganz verdutzt an, dann legte sich ein Lächeln auf sein Gesicht und er tat, wie ihm befohlen wurde.
Einige Momente später waren beide bereit, den Weg zu den Uraliern anzutreten.
Schnellen Schrittes ging beide den Weg entlang Richtung Osten. Auf einem kleinen Hügel etwas ausserhalb der Siedlung schauten sie sich noch einmal um.
Das Dorf lag friedlich im Morgennebel und die ersten Bewohner begannen, ihrer Arbeit nachzugehen.
Rodewin schloss einen kurzen Moment die Augen, er wollte dieses friedliche Bild in seinen Gedanken mit auf die Reise nehmen.
Dann schlugen beide wieder den Weg ein und wanderten weiter.
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Re:Der Neuaufbau 04.09.2010 06:00:00 --- 1 Jahr, 5 Monate her
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Es waren wieder einige Tage vergangen und beide, Rodewin und der Bote, hatten inzwischen viele Meilen hinter sich gelassen. "Wie schön unser Land ist" sagte der Bote zu Rodewin.
"Ja, aber es ist noch sehr viel zu tun, bis wir die alte Grösse und Kraft wiedererlangt haben" antwortete Rodewin.
Kurze Zeit später näherten sie sich der Grenze und bald würden sie in fremdem und unbekanntem Gebiet unterwegs sein. Der Bote schaute zu Rodewin und wollte gerade anfangen, zu sprechen "Herr ...".
Doch Rodewin deutete ihm an, nicht weiterzusprechen "Nenn mich nicht so, ich bin nicht Dein Herr, auch wenn ich vielleicht den Titel trage. Ich habe die Verantwortung für die mir anvertrauten Menschen und Siedlungen, nicht mehr und nicht weniger. Aber ich bin niemandes Herr."
Der Bote schaute Rodewin ganz überrascht an. "Ro..." er stockte. "Nun sag schon meinen Namen, dass kann doch nicht so schwer sein"
"Rodewin !!".
"Na also, es geht doch. Und wie ist Dein Name ?" Erst jetzt merkte Rodewin, dass er seinen Weggefährten bislang nicht nach seinem Namen gefragt hatte. Es war ihm peinlich, aber er lies sich das nicht anmerken.
"Eneas" kam gleich die Antwort.
"Eneas ... gut, dann werden wir heute Abend auf unsere neue Freundschaft anstossen." Etwas später, als sie aus einem kleinen Waldstück heraus auf einen langen und geraden Weg kamen, sahen sie in der Ferne eine kleine Siedlung. Es begann bereits zu Dämmern und Rodewin deutete Eneas an, dass sie dort Rast machen werden.
In der Siedlung kamen einige Kinder aufgeregt auf die beiden zugelaufen und bestaunten und umringten sie. "Wo können wir hier rasten ?" fragte Rodewin die Kinder.
Die zeigten auf eine Hütte und machten sich ohne Grund einen Spass daraus. Offensichtlich waren lange keinen fremden Gesichter mehr in dieser Siedlung.
Rodewin und Eneas betraten die Hütte, wo ein älterer Mann sie willkommen hiess.
Nachdem der Alte den beiden einen Platz für die Nacht gezeigt hatte, stellte er etwas Met, gekochtes Fleisch und Brot auf den Tisch. "Danke für Deine Gastfreundschaft". Rodewin gab dem Alten einige Kupfermünzen und bat darum, ihn und Eneas nun alleine zu lassen.
"Morgen früh werden wir Barbarengebiet betreten, wir müssen also wachsam sein." Eneas nickte zustimmend. "Nun, wir sollten jetzt schlafen, es wird wieder ein langer Tag". Beide gingen zu ihren Schlafplätzen. Nach Tagen unter freiem Himmel waren sie froh, wieder ein trockenes und warmes Lager für die Nacht zu haben.
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Re:Der Neuaufbau 07.09.2010 00:52:41 --- 1 Jahr, 5 Monate her
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Rodewin und Eneas wanderten seit Tagen durch das Gebiet der Barbaren. Glücklicherweise gab es keine nennenswerten Zwischenfälle und sie kamen gut voran.
Plötzlich veränderte Eneas seinen Gesichtsaudruck und zeigte ganz aufgeregt auf eine Wegekreuzung.
"Dort sieh Rodewin, dort, wir sind endlich in der Provinz Jaroslavl. Wir haben endlich das Reich der Uralier erreicht."
Rodewin sah, dass an der Wegekreuzung ein Banner mit einem Berg als Standarte aufgepflanzt war.
"Du hast recht Eneas, das ist die Grenze zu den Uraliern. Nun sind wir in Sicherheit." Rodewin wirkte gleich entspannter. Nicht so wie die vergangenen Tage, als er Eneas zur Eile anhielt und immer wieder wachsam die Umgebung beobachtete.
Gerade, als sie den Weg nach Jaroslavl einschlugen, kam ihnen ein Pferdekarren entgegen.
Auf dem Bock vorne sass ein älterer, etwas heruntergekommen gekleideter Mann, der sich als ein etwas glückloser Händler zu erkennen gab.
"Ich grüsse Euch, ehrenvolle Krieger". Der Mann zog die Zügel stramm und hielt seinen Wagen an. "Wohin führt Euch euer Weg ?"
"Wir sind Rodewin und Eneas aus dem Land der Fenni und sind auf dem Weg zum grossen Turnier der Uralier."
"Ach, ihr also auch. Eine Tagesreise entfernt traf ich bereits auf eine Gruppe von Kriegern. Sie waren sicher auch auf dem Weg zu diesem Turnier."
Rodewin's Entspannung wandelte sich wieder in Wachsamkeit. Wer mochten diese Krieger sein, fragte er sich. Seine Königin und die anderen Fenni, die an dem Turnier teilnehmen wollten, mussten doch längst angekommen sein. Und wen sonst sollten sie in diesem Teil des uralischen Reiches auf diesem Weg vorfinden. Er zog Eneas beiseite. "Wir müssen schauen, dass wir weiterkommen. Ich bin misstrauisch wegen dieser Gruppe von fremden Kriegern."
"Ja, wir sollten schnellstens unseren Weg fortführen."
Rodewin und Eneas hoben die Hand zum Abschied. "Wir müssen weiter. Habt eine gute Reise." Noch bevor der Alte etwas erwidern konnte, waren Rodewin und Eneas schon einige Schritte entfernt.
"Wer mögen diese Krieger nur sein, ich muss das herausfinden" ging es Rodewin durch den Kopf.
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Letzte Änderung: 2010/09/07 00:54 von .
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Re:Der Neuaufbau 10.09.2010 09:29:04 --- 1 Jahr, 5 Monate her
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Rodewin und Eneas hatten ihre Wanderung zum Turnier fortgesetzt und beide hielten die Augen offen, um die Gruppe, von der der alte Händler erzählt hatte, zu erspähen.
Auf einer kleinen Waldlichtung etwas abseits des Weges sahen sie eine Bauernhütte und sie schien bewohnt zu sein, da vor der Hütte ein Lagerfeuer brannte.
"Wir sollten den Bauern fragen Rodewin, wenn müsste er die unbekannten Krieger gesehen haben."
"Ja, Du hast recht Eneas, das sollten wir."
Rodewin schickte Eneas zur Hütte, während er am Weg wartete und die Umgebung beobachtete, um nicht überrascht zu werden. Er sah Eneas mit dem Bauern sprechen und der zeigte in die Richtung, aus der sie gerade eben gekommen waren. Rodewin wurde nachdenklich und schaute zurück.
"Diese Krieger werden doch nicht umgekehrt haben" ging es ihm durch den Kopf.
Eneas kam zurück und berichtete, was der Bauer gesagt hatte. "Sie haben hier gestern gerastet und sind dann wieder zurück gegangen. Wohin sie wollten, konnte der Bauer nicht sagen. Aber er meinte, sie wären friedfertig gewesen und hätten keinerlei Agressionen gezeigt."
"Dann können wir wahrscheinlich ohne Sorge unsere Reise fortsetzen."
"Ja, das müssen wir, sonst kommen wir nicht mehr rechtzeitig zum Turnier und dürfen nur noch zuschauen und der ganze Weg war umsonst."
Ohne weitere Verzögerung und schnellen Schrittes gingen beide weiter den Weg entlang, der Ort des Turnieres war nicht mehr weit.
Doch als sie am nächsten Tag endlich ankamen, war das eingetreten, was Eneas befürchtet hatte. Die Spiele waren bereits im Gange. Rodewin und Eneas blieb nichts weiter übrig, als den Kämpfen zuzuschauen und sich zu ärgern.
Wenigstens waren seine Königin und die anderen Krieger der Fenni zur rechten Zeit eingetroffen und konnten beweisen, was es bedeutet, wenn Fenni's kämpfen.
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Re:Der Neuaufbau 20.09.2010 07:58:49 --- 1 Jahr, 4 Monate her
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Eneas machte sich Sorgen um seinen Weggefährten. Das Turnier war bereits beendet und mit Panthera, der grossen Regentin, waren alle anderen Krieger der Fenni bereits zurück nach Twer aufgebrochen. Wahrscheinlich waren sie sogar schon dort eingetroffen und wunderten sich, dass Rodewin sich so rar gemacht hatte.
Rodewin war seit geraumer Zeit verschwunden, war einfach mitten in der Nacht von seinem Nachtlager aufgebrochen und niemand wusste, wohin.
Eneas blieb, obwohl die Anderen bereits lange fort waren, und wartete auf Rodewin.
Dann, als Eneas bereits daran dachte, doch in die Heimat aufzubrechen, sah er Rodewin den Weg zum Lager heruntergehen.
"Was ist denn nur geschehen ?. Alle anderen sind schon vor Wochen in die Heimat aufgebrochen und niemand wusste, wo Du warst. Selbst mir hast Du nichts gesagt und bist einfach verschwunden."
"Eneas, hab keinen Groll gegen mich. Ich musste einfach fort, ich musste alleine sein. Du weisst, wie es mir ergangen ist, bevor ich nach Twer kam und von den Fenni's so freundlich aufgenommen wurde.
Auf meiner Flucht in den Osten, nachdem mein Dorf zerstört war, konnte ich das Erlebte nicht verarbeiten. Ständig auf der Hut blieb mir keine Zeit, mich innerlich von meiner Familie und meinen Freunden in meinem Herzen zu verabschieden. Alle Gedanken und Erinnerungen kamen plötzlich wieder zurück und ich bin lange umhergewandert und habe nachgedacht."
Eneas schaute Rodewin mitleidsvoll an, obwohl innerlich noch die Wut flackerte, weil er ohne ein Wort verschwunden war.
"Ich dachte, wir wären Freunde. Du hättest doch etwas sagen können. Aber ich verstehe Dich".
"Ich bin es nicht gewohnt, mich jemandem anzuvertrauen, weil ich zu lange auf mich selbst gestellt war.
Aber ich werde künftig an Dein Angebot denken und danke Dir, dass Du mich als Freund ansiehst.
Doch nun sollten wir unser Lager abbrechen und auf direktem Weg zurück nach Twer wandern."
Rodewin und Eneas bauten ihre kleinen Zelte ab, verstauten einige Vorräte und machten sich auf den Weg zurück in das Land der Fenni.
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Re:Der Neuaufbau 21.09.2010 08:39:32 --- 1 Jahr, 4 Monate her
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Rodewin und Eneas waren ein gutes Stück vorangekommen und hatten das Uralische Reich bereits hinter sich gelassen. Jetzt durchquerten sie wieder die Provinz Kinesma, eine barbarische Provinz, ohne Gesetze und ohne Führung. Eneas wusste inzwischen, dass Rodewin schnell die Grenze zum Reich der Fenni erreichen wollte und dementsprechend war ihr Marschtempo.
Rodewin war Eneas aufgrund seiner Körpergrösse und den längeren Schritten wieder einmal einige Meter voraus und sprach kein Wort. Aber Eneas bemerkte, wie nachdenklich Rodewin die ganze Zeit seit ihrem Abmarsch war.
Eneas holte zu Rodewin auf und legte ihm die Hand auf die Schulter. "Möchtest Du mir nicht erzählen, was damals vorgefallen ist und was Dich so nachdenklich und bedrückt macht?"
Rodewin blieb stehen und schaute Eneas mit einem stechenden Blick sehr eindringlich an.
"Fass mich niemals wieder von hinten an."
Eneas wich etwas zurück, denn er bemerkte, wie aufgebracht Rodewin war.
"Verzeih mir, ich werde künftig darauf achten".
Eine Weile sprachen beide nicht miteinander, dann jedoch ging Rodewin etwas vom Weg ab und zeigte auf eine kleine Waldlichtung. "Dort werden wir diese Nacht rasten."
Nachdem sie wortlos ihre Zelte aufgeschlagen hatten und das Lagerfeuer brannte, begann Eneas etwas zu Essen zu bereiten, obwohl es nicht gerade üppig oder sehr schmackhaft gewesen wäre.
"Sie haben meine ganze Familie umgebracht, meine Freunde, alle im Dorf."
Eneas schaute Rodewin einen Moment ganz überrascht an, dann jedoch lichtete sich sein Blick und er hörte Rodewin aufmerksam zu.
"Sie kamen in der Nacht, ohne Vorwarnung. Es war eine Bande von Meuchelmördern und Räubern und sie haben uns im Schlaf überrascht. Wir konnten nichts tun. Bevor wir auch nur an Gegenwehr denken konnten, war alles schon geschehen. Sie kamen in die Hütten und töteten die Männer noch auf dem Nachtlager und die, die es schafften, noch nach draussen zu kommen, wurden mit dem Bogen niedergemacht. Ich kroch auf allen Vieren durch eine kleine Öffnung unserer Hütte nach draussen, ohne dass sie mich bemerkten."
Rodewins Blick wurde traurig und bedrückt.
"Dann trieben sie die Frauen und Kinder zusammen und sperrten sie in die Dorfscheune. Als die Tat vollendet war und sie alles Wertvolle eingesammelt hatten, verschwanden diese Lumpen bis auf zwei von ihnen wieder in der Dunkelheit, aus der sie gekommen waren. Die beiden, die noch blieben, zündeten zwei Fackeln an und steckten die Dorfscheune in Brand."
Eneas Blick wich Entsetzen, er konnte kaum glauben, was er da hörte.
"Als die Flammen sich zum strohbedeckten Dach frassen, sah ich neben mir ein Messer, dass wohl irgendjemand beim Überfall verloren hatte. Ich nahm das Messer, sprang aus meiner Deckung hervor und griff diesen Abschaum an. Den einen konnte ich sofort zu Boden bringen. Ich schnitt im die Kehle durch, bevor er sich wehren konnte. Der andere jedoch schlug mich mit dem Ende seines Speeres nieder und ich ging zu Boden. Wie benommen sah ich, wie er mir die Spitze seines Speeres an die Kehle drückte. Ich konnte den Schaft des Speeres greifen und zog ihn auch zu Boden, noch bevor er zustossen konnte. Minutenlang rangen wir gegeneinander, bis ich ihm endlich das Messer in die Eingeweide rammen konnte. Ich versuchte, die Scheune zu öffnen und die Frauen und Kinder zu befreien, doch als ich gerade das kleine Tor öffnete, brach das Dach zusammen und begrub alle unter sich. Ich werde die Schreie niemals vergessen, niemals. Ich höre sie selbst heute noch."
Eneas hörte stumm zu und er begann zu verstehen, warum sein Weggefährte ständig so wachsam und doch wieder abwesend war.
"Ich habe alle begraben, so wie es in unserer Tradition stand, alle. Meinen Vater, meine Mutter und meine Schwester. Meine Freunde, die Alten." Rodewin schaute verbittert zu Eneas.
"Ich werde ihre Gesichter nicht vergessen, unschuldig ermordet."
"Wer war diese Bande ?"
"Ich weiss es nicht. Ich konnte sie auch nicht aufspüren oder verfolgen, weil ich einfach nicht mehr die Kraft dazu hatte. Ich war verwundet und das Feuer hatte auch seine Spuren an mir hinterlassen. Nachdem ich wusste, dass meine Sippe nun auf dem Weg zu den Ahnen war und ich alles für sie getan hatte, was ich noch tun konnte, wollte ich nur noch schlafen. Ich weiss nicht mehr, wie lange ich geschlafen hab, aber als ich endlich wieder bei Kräften war, hatte sich der Rauch des Feuers schon verzogen und ich sah nur noch die verkohlten Reste der Scheune und die leeren Hütten. Ich suchte mir noch einige Sachen zusammen und verlies mein Dorf für immer."
Eneas wollte etwas sagen, aber er wusste nicht was. Er schluckte bei dem Gedanken, was Rodewin erlebt hatte.
"Ich werde mich jetzt hinlegen, es war ein langer Tag und wir haben noch eine lange Reise vor uns. Ich will bald wieder in Twer sein. Danke, dass Du mir zugehört hast, Du bist der Erste, dem ich das erzählt habe."
Rodewin legte sich auf sein Nachtlager und drehte Eneas den Rücken zu.
Eneas hingegen konnte keinen Schlaf finden, zu sehr beschäftigte ihn das, was er da gehört hatte.
Er hielt Wache und lies das Feuer nicht ausgehen. Ab und an glaubte er Rodewin seufzen zu hören und das Rodewin etwas im Schlaf murmelte. Doch er verstand nicht was.
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Re:Der Neuaufbau 22.09.2010 07:25:32 --- 1 Jahr, 4 Monate her
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Der Morgen dämmerte und in der Nähe der Waldlichtung, auf der beide ihr Lager aufgeschlagen hatten, äste Wild. Das Land rundherum war eingehüllt in leichte Nebelschwaden und die Sonne brach langsam durch die Wolken. Mit diesem Bild in den Augen wachte Rodewin auf. Er genoss diese friedliche Stille und er hatte seit langem das erste Mal wieder einigermassen schlafen können.
Dann schaute er zu Eneas und er wusste sofort, dass Eneas die ganze Nacht Wache gehalten hatte, denn er schaute inzwischen sehr müde und ausgemergelt aus und sein Blick verriet, dass er sich nach etwas Schlaf sehnte.
"Leg Dich jetzt etwas hin, ich werde sehen, ob ich etwas jagen kann. Wir müssen unseren Vorrat auffüllen." . Eneas nickte kurz und kroch in sein Zelt.
Rodewin nahm seinen Bogen und machte sich auf, ein Stück Wild zu erlegen.
Nach einigen Stunden kehrte Rodewin zurück. Gebündelt in der Hand hatte er einige Hasen und ein Rebhuhn.
"Du warst erfolgreich, ich hab einen Bärenhunger." Eneas kroch aus seinem Zelt und reckte sich ausgiebig.
Eneas ging an einen nahen Bach und wusch sich mit dem kalten Wasser den Schlaf aus den Gliedern, während Rodewin zwei Hasen vorbereitete, um sie über dem Feuer zu braten.
"Ich danke Dir nochmal dafür, dass Du mir gestern zugehört hast Eneas. Ich hätte längst schon einmal mit jemande darüber reden müssen, aber ich konnte einfach nicht. Ich glaube, ich kann jetzt langsam anfangen, meinen Frieden mit der Vergangenheit zu machen."
"Ich weiss, dass es für einen Mann und gerade für einen Krieger fast unmöglich ist, über seine Gefühle zu sprechen. Aber bei dem, was Du erlebt hast, war es notwendig. Vielleicht wirst Du eines Tages auf die treffen, die das alles Dir und Deiner Sippe angetan haben. Man weiss nie, was die Götter und das Schicksal für jeden vorgesehen haben."
"Du hast sicher recht Eneas, aber nun lass uns im Moment nicht mehr darüber reden, sondern uns auf unseren Marsch konzentrieren. Eines verlange ich jedoch von Dir; zu niemanden ein Wort darüber, was ich Dir gestern sagte."
Eneas nickte und beide wendeten sich dem Braten zu, um sich vor dem Marsch noch zu stärken. Kurze Zeit später waren sie reisefertig und Rodewin löschte das Feuer. In wenigen Tagen würden sie die Grenze zum Reich der Fenni erreicht haben.
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Re:Der Neuaufbau 22.09.2010 07:42:31 --- 1 Jahr, 4 Monate her
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Sie waren einen Tag und eine Nacht durchmarschiert und gegen Morgen des nächsten Tages sahen sie schon von weitem die Standarte mit dem Rentiergeweih im leichten Wind flattern.
"Wir sind endlich wieder zu Hause". Rodewin's Blick lichtete sich, auch wenn ihm und auch Eneas der Marsch in den Knochen steckte.
"Wenn wir zurück in Twer sind, werde ich eine Woche schlafen, ohne Pause".
Rodewin lachte, "Du wirst doch nicht von diesem kleinen Spaziergang so müde sein."
Eneas schaute etwas ungehalten zu Rodewin, "ich hab ja auch nicht so lange Beine wie Du und renne Dir ständig hinterher."
"Du hast es bald hinter Dir, dann kannst Du wieder den ganzen Tag faulenzen und den Frauen in Deinem Dorf nachstellen."
Beide lachten und Rodewin schlug Eneas freundschaftlich auf die Schulter. "Und weil wir gerade so gut gelaunt sind, Du wirst in Zukunft in meinem Dorf wohnen und leben, ich brauche dort einen Verwalter, wenn ich nicht da bin und ich habe Dich dazu ausgewählt."
Eneas's blick wandelte sich schlagartig, denn er wusste, was da auf ihn zukommen würde.
"Aber ....".
"Es gibt kein Aber, das ist beschlossen und ich erwarte, dass Du mich in Zukunft beim Aufbau unterstützt. Sei doch froh, dann kommst Du endlich aus diesem Lotterleben raus, dass Du wahrscheinlich vorher geführt hast. Und die Eigenschaften zur Verwaltung eines Dorfes und eines Lehens hast Du ja.
Ich meine es nur gut mit Dir, schliesslich sind wir Freunde."
Eneas blieb nichts anderes übrig, als sich zu fügen. "Ein schöner Freund bist Du."
Irgendwie hatte Eneas trotzdem das Gefühl, dass endlich etwas in seinem Leben passieren würde und er endlich beweisen konnte, dass er zu Recht von Rodewin ausgewählt wurde.
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Letzte Änderung: 2010/09/22 07:44 von .
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Re:Der Neuaufbau 23.09.2010 06:51:01 --- 1 Jahr, 4 Monate her
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Es war bereits Mittag, als Rodewin und Eneas die Hauptstadt erreichten.
Der Wachtposten am östlichen Tor erspähte die beiden als Erster und begrüsste sie.
"Willkommen zu Hause, wir hatten schon geglaubt, Euch wäre etwas zugestossen. Was hat Euch solange aufgehalten. Hier in Twer ist einiges passiert, während ihr fort wart."
"Eneas, such bitte die Wache der Regentin auf und schau, ob sie da ist und mich empfängt."
"Ja, ich werde das sofort erledigen".
"Komm dann zu meiner Jurte in der Stadt und warte dort auf mich."
Eneas folgte Rodewin's Bitte und ging weiter durch das Tor in die Stadt.
"Was hast Du eben gesagt, was ist passiert ?" Rodewin wandte sich der Wache zu und hörte aufmerksam zu.
"Als die Regentin und die anderen Krieger zurückkehrten, wurden sie von der Regentin der Sueben begleitet. Es gab ein Fest zu Ehren unserer Gäste und es wurde ein Vertrag zwischen unseren Völkern ausgehandelt."
"Ein Vertrag ?" Rodewin wurde noch hellhöriger.
"Ja, die Abordnung der Sueben ist erst vor wenigen Tagen abgereist. Alle waren sehr freundlich zueinander und ich glaube, wir haben mit ihnen neue Freunde gefunden."
Rodewin nickte der Wache zu und dankte ihm für die Information. Zügig wandte er sich wieder der Stadt zu und ging auf direktem Weg zu seiner Jurte.
"Ich hoffe, die Regentin hat die Zeit, mich zu empfangen, ich muss über diesen Vertrag mehr erfahren und ich muss ihr erklären, warum ich soviel später eintreffe" dachte er.
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