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THEMA: Re:Die Tochter des Todes
 
Krig

Phrygier
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graphgraph
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Die Tochter des Todes      06.06.2011 16:36:43 --- 11 Monate, 2 Wochen her  
Sie sah sich um.
Insgeheim hatte sie es sich gewünscht, aber er war ihr nicht gefolgt.
Amazonen sind kein Volk, dem Männer nachstellten.
Schon gar nicht in fast mondlosen Nächten, wie dieser.

Langsam glitt sie baren Fußes über den tiefen, warmen Sand.
Die sengende Sonne des Tages brannte noch auf ihrer Haut.
Weder das geschmeidig machende Mandelöl noch der kühle Wüstenwind, der zur Nacht aufgekommen war, halfen dagegen. Trotz ihrer Abstammung hatte sie inzwischen eine fast bronzene Haut, die sich -auch in nicht so sonnenreichen Zeiten und Gebieten- über Monate hielt. Die Sonne hatte Phrygien verwöhnt und Reisen hatten sie kaum in kühlere Regionen geführt.
Umso seltsamer schien ihr der Umstand, dass sie sich scheinbar einen Sonnenbrand zugezogen hatte.

Ihre Füße sanken in den sehr feinen und noch warmen Sand, während sie leicht fröstelte und mit ihren Händen über ihren Körper fuhr. Ihre Haut schien unter ihren Händen zu glühen und doch überzog sie eine leichte Gänsehaut.

Morrigan genoss dieses Gefühl.
Ihr Körper war trainiert, zu ausbalanciert und kontrolliert, um sich von äußeren Einflüssen zu sehr stimulieren zu lassen. Doch manchmal gab es Dinge, die auch ein hohes Maß an Körperkontrolle überrollten. Der Sprung in kaltes Wasser, der Kuss der Flammen oder Waffen, die zuweilen die Haut aufritzten – ein Gefühl übernahm für kurze Zeit die Kontrolle, machte sie unaufmerksam und band ihre Sinne. Sie genoss diese Gefühle sehr, gab sich ihnen aber nie länger als ein paar Minuten hin.

Die Sonne des Tages in ihrer Haut hatte sie kurz abgelenkt …
Sie fasste sich und hielt kurz Inne, um die Umgebung wieder voll wahrzunehmen.
Ihre Sinne spürten den sanften Wind, das leichte Rascheln aus den bepflanzten Anlagen der Oase, die Bewegung der Palmenwedel und das ferne Murmeln der Bergkrieger.
Kein Mensch schien ihr nahe und doch wartete sie einige Augenblicke und ließ den Dingen ihren Lauf.
Ein leichter Geruch nach Oliven lag in der Luft, vielleicht vom Fleisch auf den fernen Feuern, vielleicht aber auch nicht …

Sie atmete einige Male tief durch, sprintete ein gutes Stück durch den Sand und blieb unvermittelt stehen.
Trotzdem es ihr schwer fiel, hielt sie die Luft an und horchte.
Ein dumpfes Geräusch und ein Rascheln waren zu hören, dann war es wieder still. Aber nur einen Augenblick, dann hörte sie kurz ein leichtes Keuchen.
War er ihr doch gefolgt?
Und wenn, warum verbarg er sich vor ihr?
Sie hatte ihm zwar vor den anderen nicht offen, aber doch eindeutig signalisiert, dass sie ihn gewählt hatte.

Freiwillig oder nicht, sie würde ihn sich nehmen.
Sie hatte bereits über 500 Mondzyklen auf dem Buckel und keine würdige Nachfahrin.
Ein Lächeln legte sich auf ihr Gesicht und sie sank in einer gleitenden Bewegung dem Boden entgegen.
Einen Lederriemen in der Linken, das Opfermesser in der Rechten bewegte sie nahe des Bodens auf die Stelle zu, von der sie das leichte Keuchen vermutet hatte. Wie eine Katze, die jeden Augenblick sprungbereit mit unbändiger Kraft ihre Zähne in ein nahes Opfer rammen würde, bewegte sie sich in Phasen vorwärts, erstarrte ab und an kurz und bewegte sich dann zielsicher weiter. Ihr geschmeidiger Schatten lag unter ihrer bronzenen Haut verborgen, die auf dem Wüstensand kaum wahrzunehmen war und das Fehlen des Mondes tat das übrige.

Er suchte sie mit seinen Augen.
Nervös bewegte er den Kopf hin und her, um sicher zu gehen, dass sie sich nicht anschlich, während hinter ihm ein Schatten vom Boden empor stieg.
Ihre Hand wartete, bis der Sand vom Lederband hinab gerieselt war.
Sie wartete auf einen günstigen Augenblick.
Wie eine Peitsche rollte die schnelle Bewegung das Leder um seinen Hals, ihr Arm wurde zu einem Schraubstock und zog den Körper ihres Opfers an sich. Das Messer bewegte sich schnell und präzise auf seinen Hals zu und die tödliche Spitze der äußerst scharfen Klinge stoppte nur Millimeter vor seiner Schlagader.
Sie schmiegte sich von hinten an ihn und ließ ihn das Messer spüren, bevor sie ihren Kopf langsam zu seinem Gesicht drehte und ihn ansah.
Er rang unsicher nach Luft, aber sie ließ dem Lederriemen kaum Spiel.
Das Messer und vielleicht auch ihr warmer und geschmeidiger Körper veranlassten ihn, sich nicht all zu sehr zu wehren.

Er sah ihre Augen und sie sah seine Angst.
Langsam und ohne ihren Griff auch nur geringfügig zu lösen, bewegten sich ihre Lippen an sein Ohr.
„Du bist es nicht, den ich will!“, die Worte waren leise, fast gehaucht und ihre Stimme klang rau.
Ein spielerisches Lächeln legte sich um ihre Augen.
Die Angst verließ seinen Blick und machte etwas anderem Platz.
Für den Bruchteil einer Sekunde hielt sie inne und spürte etwas in sich.

Dann stieß das Messer zu und noch bevor sich der Riemen um seinen Hals lockerte und damit das Blut aus der Wunde seinen Körper verließ, hatte sie sich von ihm belöst.

Als sie sicher war, dass er so dumm gewesen war ihr allein zu folgen, huschte sie zwischen den Büschen davon..

Um ihn Macha zu opfern, war sein Kampf zu schwach gewesen.
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Krig

Phrygier
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Re:Die Tochter des Todes      07.06.2011 14:48:37 --- 11 Monate, 2 Wochen her  
Das Feuer zu ihren Füßen knisterte behaglich.
Die Kälte der Nacht fiel auf die Wüste herab und der sanfte, warme Wind vom fernen Meer war bereits vor Stunden eingeschlafen. Trotzdem lag zuweilen ein Lächeln auf ihrem Gesicht. Ihr ging in diesen Tagen viel im Kopf herum. Der Satrap eines nahen Gebietes der Thraker, mit dem sie gestern einen Zweikampf hatte, war ihr nur knapp unterlegen gewesen, weil sie nicht mit Blut, sondern mit Vorsicht im Herzen gekämpft hatte. Sie war nicht bei der Sache. Einerseits machte ihr das Sorgen, andererseits hatte sie immerhin gewonnen – er war weit größer als sie und hatte augenscheinlich einiges an Kampferfahrung gehabt, obwohl er nicht viel älter als sie selbst gewesen zu sein schien.

Morrigan war in letzter Zeit oft mit dem Kopf woanders. Unbeantwortete Fragen tauchten immer wieder vor ihrem geistigen Auge auf und zwangen ihre Gedanken förmlich sich mit Antworten zu beschäftigen, die sie nicht kannte. Dinge, die ihre Mutter ihr vor Jahrzehnten erzählt hatte wurden zu Vorstellungen, schemenhaften Bildern und verwandelten sich in wage Ideen und Pläne, die sie mit sich herum trug und die sie beschäftigten.

Sie unternahm ihre erste eigenverantwortliche Reise und wie hatte es ihr der Hochkönig der Illyrer in den dortigen Kerker geschrieben? In anbetracht ihres Alters vielleicht auch ihre „letzte“ Reise …

Aus dem Norden waren ihre Vorfahren gekommen.
Thrakien? Wohl kaum. Aber was lag dahinter? Der Norden schien groß.
Nicht weit von hier hatte ihr ein alter Mann über ein Nordvolk namens Friesen erzählt, die einst hier gewesen war. Gab es dieses Volk noch? Und wenn ja, hatte es etwas mit jenen Orten zu tun, von denen ihre Mutter ihr erzählt hatte? Der alte Mann hatte Jahre und Orte, Namen und vieles mehr verwechselt – wie sollte sie dem trauen, was er ihr erzählt hatte?
Und wieder mischten sich Bilder in den Anblick des prasselnden Feuers, bäumten sich auf und erstarben, bevor sie erkennbar, deutbar wurden.

Tränen standen in ihren Augen.
Sie hatte gelernt zu kämpfen, zu hassen und zu jagen - nicht zu träumen.
Und vielleicht war sie schon auf der Jagd …
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