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Sie sah sich um.
Insgeheim hatte sie es sich gewünscht, aber er war ihr nicht gefolgt.
Amazonen sind kein Volk, dem Männer nachstellten.
Schon gar nicht in fast mondlosen Nächten, wie dieser.
Langsam glitt sie baren Fußes über den tiefen, warmen Sand.
Die sengende Sonne des Tages brannte noch auf ihrer Haut.
Weder das geschmeidig machende Mandelöl noch der kühle Wüstenwind, der zur Nacht aufgekommen war, halfen dagegen. Trotz ihrer Abstammung hatte sie inzwischen eine fast bronzene Haut, die sich -auch in nicht so sonnenreichen Zeiten und Gebieten- über Monate hielt. Die Sonne hatte Phrygien verwöhnt und Reisen hatten sie kaum in kühlere Regionen geführt.
Umso seltsamer schien ihr der Umstand, dass sie sich scheinbar einen Sonnenbrand zugezogen hatte.
Ihre Füße sanken in den sehr feinen und noch warmen Sand, während sie leicht fröstelte und mit ihren Händen über ihren Körper fuhr. Ihre Haut schien unter ihren Händen zu glühen und doch überzog sie eine leichte Gänsehaut.
Morrigan genoss dieses Gefühl.
Ihr Körper war trainiert, zu ausbalanciert und kontrolliert, um sich von äußeren Einflüssen zu sehr stimulieren zu lassen. Doch manchmal gab es Dinge, die auch ein hohes Maß an Körperkontrolle überrollten. Der Sprung in kaltes Wasser, der Kuss der Flammen oder Waffen, die zuweilen die Haut aufritzten – ein Gefühl übernahm für kurze Zeit die Kontrolle, machte sie unaufmerksam und band ihre Sinne. Sie genoss diese Gefühle sehr, gab sich ihnen aber nie länger als ein paar Minuten hin.
Die Sonne des Tages in ihrer Haut hatte sie kurz abgelenkt …
Sie fasste sich und hielt kurz Inne, um die Umgebung wieder voll wahrzunehmen.
Ihre Sinne spürten den sanften Wind, das leichte Rascheln aus den bepflanzten Anlagen der Oase, die Bewegung der Palmenwedel und das ferne Murmeln der Bergkrieger.
Kein Mensch schien ihr nahe und doch wartete sie einige Augenblicke und ließ den Dingen ihren Lauf.
Ein leichter Geruch nach Oliven lag in der Luft, vielleicht vom Fleisch auf den fernen Feuern, vielleicht aber auch nicht …
Sie atmete einige Male tief durch, sprintete ein gutes Stück durch den Sand und blieb unvermittelt stehen.
Trotzdem es ihr schwer fiel, hielt sie die Luft an und horchte.
Ein dumpfes Geräusch und ein Rascheln waren zu hören, dann war es wieder still. Aber nur einen Augenblick, dann hörte sie kurz ein leichtes Keuchen.
War er ihr doch gefolgt?
Und wenn, warum verbarg er sich vor ihr?
Sie hatte ihm zwar vor den anderen nicht offen, aber doch eindeutig signalisiert, dass sie ihn gewählt hatte.
Freiwillig oder nicht, sie würde ihn sich nehmen.
Sie hatte bereits über 500 Mondzyklen auf dem Buckel und keine würdige Nachfahrin.
Ein Lächeln legte sich auf ihr Gesicht und sie sank in einer gleitenden Bewegung dem Boden entgegen.
Einen Lederriemen in der Linken, das Opfermesser in der Rechten bewegte sie nahe des Bodens auf die Stelle zu, von der sie das leichte Keuchen vermutet hatte. Wie eine Katze, die jeden Augenblick sprungbereit mit unbändiger Kraft ihre Zähne in ein nahes Opfer rammen würde, bewegte sie sich in Phasen vorwärts, erstarrte ab und an kurz und bewegte sich dann zielsicher weiter. Ihr geschmeidiger Schatten lag unter ihrer bronzenen Haut verborgen, die auf dem Wüstensand kaum wahrzunehmen war und das Fehlen des Mondes tat das übrige.
Er suchte sie mit seinen Augen.
Nervös bewegte er den Kopf hin und her, um sicher zu gehen, dass sie sich nicht anschlich, während hinter ihm ein Schatten vom Boden empor stieg.
Ihre Hand wartete, bis der Sand vom Lederband hinab gerieselt war.
Sie wartete auf einen günstigen Augenblick.
Wie eine Peitsche rollte die schnelle Bewegung das Leder um seinen Hals, ihr Arm wurde zu einem Schraubstock und zog den Körper ihres Opfers an sich. Das Messer bewegte sich schnell und präzise auf seinen Hals zu und die tödliche Spitze der äußerst scharfen Klinge stoppte nur Millimeter vor seiner Schlagader.
Sie schmiegte sich von hinten an ihn und ließ ihn das Messer spüren, bevor sie ihren Kopf langsam zu seinem Gesicht drehte und ihn ansah.
Er rang unsicher nach Luft, aber sie ließ dem Lederriemen kaum Spiel.
Das Messer und vielleicht auch ihr warmer und geschmeidiger Körper veranlassten ihn, sich nicht all zu sehr zu wehren.
Er sah ihre Augen und sie sah seine Angst.
Langsam und ohne ihren Griff auch nur geringfügig zu lösen, bewegten sich ihre Lippen an sein Ohr.
„Du bist es nicht, den ich will!“, die Worte waren leise, fast gehaucht und ihre Stimme klang rau.
Ein spielerisches Lächeln legte sich um ihre Augen.
Die Angst verließ seinen Blick und machte etwas anderem Platz.
Für den Bruchteil einer Sekunde hielt sie inne und spürte etwas in sich.
Dann stieß das Messer zu und noch bevor sich der Riemen um seinen Hals lockerte und damit das Blut aus der Wunde seinen Körper verließ, hatte sie sich von ihm belöst.
Als sie sicher war, dass er so dumm gewesen war ihr allein zu folgen, huschte sie zwischen den Büschen davon..
Um ihn Macha zu opfern, war sein Kampf zu schwach gewesen.
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