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"... dass, ohne Euch beleidigen zu wollen..." diktierte Tertius mit ernster Miene seinem Schreiber (der angeblich "Drugor" oder so ähnlich hieß und nie ein Wort gesagt hatte, seit einer seiner Vorbesitzer seine Zunge herausreißen hat lassen, aber exzellent im Schreiben war), während er sich von einer schlanken Sklavin nach dem Bad mit Öl einreiben und ankleiden ließ. "... muss ich mitteilen, dass ich unmöglich mein Siegel unter diesen Kaufvertrag setzen kann. Euer Wein schmeckt, gelinde gesagt, wie Katzenpisse mit einem Aroma von Kamelfladen. Gez. T.P.O., Ehren und Würden und so weiter, du kennst das ja." sagte er zu Drugor und betrachtete sich, fertig angekleidet, im polierten Silberspiegel.
"Drugor!" Der Sklave sah auf. "Setze mein Siegel darauf und lasse es zu... Nein, vergiss es, du bist dafür wohl nicht der Richtige..." unterbrach sich Tertius, sich der fehlenden Zunge des Mannes gewahr werdend. Er nahm den Brief an sich, überflog ihn noch einmal (kein einziger Fehler, wie Tertius auffiel), rollte das Blatt vorsichtig zusammen und setzte sein Siegel in das verschließende Wachs. "Drugor!" Der Sklave sah auf. "Geh in die Küche und nimm dir zu essen, was du willst. Mach der Küchentante irgendwie klar, dass ich dich geschickt habe. Sie wird dir mit ihrem Hackbeil sonst noch ganz andere Teile abschneiden, als deine Zunge" sagte Tertius grinsend. Der Sklave sah nicht erfreut aus, aber das tat er nie. Er war auch ein Sklave. Was interessierte es Tertius...
Er ließ sich, nachdem der Zungenlose gegangen war, seine Senfte bringen. Die Sonne war schon fast unter den Rand der Welt gesunken, Tertius war spät dran. Er hoffte, dass er nicht allzuviele Speisen verpasst hatte. Tertius hatte extra den ganzen Tag noch nichts getrunken, mit ausnahme eines kleines Gläschen Weins zum Frühstück und eins zu Mittag, doch das war nicht nennenswert. Er wollte sich erst mit den Gästen unterhalten und dann erst besinnungslos daliegen.
Er ließ sein Geschenk, ein neumodisches Importgut aus dem Osten, eine Pfeife, mit der man nicht pfiff, sondern rauchte. Es war prunkvoll ausgestattet, komplett vergoldet, dazu von Edelsteinen fast schon bis zur Hässlichkeit entstellt, mit rotem Samt an der unteren Hälfte eingefasst, dazu drei Schläuche und genug mit Apfel, Minze und Orangen versetzten, feuchten Tabak, um damit halb Rom zu versorgen. Auch eine Amphore seines besten Weines hatte er mit einpacken lassen, ein edler, alter Tropfen. Er hatte dies alles in einer großen Kiste verstauen lassen, die selbst auch wieder reich verziert und sogar verschließbar war. Der Schlüssel war in einem von außen erreichbaren Geheimfach im Unterboden versteckt.
Tertius setzte sich in seine bequeme Senfte, während sein Majordomus die Kiste vorsichtig auf die Rückseite der Senfte hieven ließ und ein grünes, aus dicker Seide gewobenes Tuch darüber legte, damit der Pöbel auf den Straßen der Urbs sie nicht sehen würden. Vier Sklaven hoben die Senfte an, ein Fünfter hielt, unüblicherweise, hinten mit an, da die Kiste so schwer war. Gemächlich trugen sie ihn in Richtung des Anwesens (hätte Tertius getrunken gehabt, wären wahrscheinlich alle fünf wegen Unfähigkeit sofort ausgepeitscht worden, aber nüchtern störte ihn die mindere Geschwindigkeit niicht) während ein Bote, dem Tertius zuvor den Brief an den Weinhändler, der Katzenpisse verkaufte, gegeben hatte, den halben Weg mitritt, sich dann am Forum mit einem Nicken verabschiedete, nach Osten abritt, in Richtung des Stadttors und seines Ziels.
Als Tertius an seinem Ziel angekommen war, war er durchaus beeindruckt. Sein eigenes Anwesen, vor allem das in Capua, aber auch sein Domus in Rom, waren selbst nicht die kleinsten. Doch dies hier stellte beides in den Schatten. Er fragte sich, woher das Geld wohl stammen mochte für einen derartigen Palast... Er wurde eingelassen und von einer ansehnlichen Sklavin ins Triclinium geführt und verneigte sich vor der auf Klinen liegend versammelten Runde, alles die höchsten und angesehendsten Männer Roms. Freund wie Feind.
"Salvete, meine Guten! Entschuldigt die Verspätung" verkündete er, während seine Sklaven die Kiste neben ihm abstellten. "Hier ein kleines Geschenk, nichts großartiges. Wenn ich Euer Domizil betrachte, denke ich, wird es gut hineinpassen, und was sonst kann man jemandem schenken, der sonst schon so viel zu haben scheint..." merkte Tertius an. Er wies auf die Kiste neben sich. "Der Schlüssel ist versteckt - ein kleines Spielchen, damit es nicht so langweilig ist..." grinste Tertius Appius an und ging zu einer freien Kline gegenüber des Gastgebers und des Prätor Maximus, vor dem sich Tertius leicht verneigte, und nahm darin Platz. Eine Sklavin, wieder hübsch, doch eine blonde und nicht die, die ihn hineingeführt hatte, brachte ihm einen Becher Wein, worüber Tertius sich sehr freute. "Danke, mein Kind", strich er der Schönheit über den Hals und ließ sie von dannen ziehen.
Tertius warf einen Blick in die Runde. Seggaz, der sein gutes, altes Campania ergattert hatte. Cato, Tertius nickte ihm zu... es fehlten noch einige. Er fragte sich, ob Caius wohl kommen würde - ob er überhaupt eingeladen worden war. Seit seinem Rückzug aus der Politik ließ er sich kaum blicken.
Er nahm einen Schluck von seinem Wein und nahm eine Traube von einem Gedeck, dass neben der Kline stand. Er versprach, ein geistreicher Abend zu werden - in jeder denkbaren Weise.
Inter arma enim silent leges.
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