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Spät war es wieder geworden, als Zeus einen weiteren Scheit auf die noch glimmende Glut, des Feuers in seiner Káta legte.
Eine weitere Nacht in der er nicht schlafen konnte.
Viel zu viel ging ihm durch den Kopf und nicht einen Gedanken konnte er fassen.
Es frustrierte ihn sichtlich, daher begann er immer öfter einfach auf und ab zu gehen in seiner Káta.
Seine Frau, Cheja und seine beiden Söhne, schliefen schon seit einiger Zeit nicht mehr zusammen mit ihm in einem Zelt.
Es war nicht so das Cheja ihren Mann nicht mehr liebte, doch belastete seine Schlaflosigkeit auch seine Familie.
Oft hatte er, im Laufe einer Nacht, den Wunsch, sich zu seiner Frau zu legen und zu hoffen, dass ihre Anwesenheit ihn beruhigte, doch das tat sie nicht und er wusste es.
Wie so oft in solchen Nächten, blickte er ziellos in der Káta umher, als könnte die Antwort auf all seine Probleme auf einem der Felle stehen.
Schön waren sie und dick, das hielt die Kälte der Nacht davon ab, sich der Leiber im Inneren zu nähern, aber Antworten fand er darauf nicht.
Zeus hatte schon einige Behausungen kennengelernt, von dünn bespannten Jurten, über Lehmhütten, bis hin zu imposanten Steinbauten. All das hatte er bereits auf seiner Reise gesehen oder sogar selbst bewohnt.
Zeus dachte an all das was er bereits erlebt hatte und ein noch dunklere Schatten legte sich auf sein Gemüt.
Sein ganzes Leben war er geflohen.
Erst vor den Häschern der griechischen Armeen, dann vor dem Krieg, der seine erste Liebe zerstörte.
Mit Wehmut dachte er an Athena zurück und schluckte einen schweren Kloß hinunter.
Sie war seine erste wirkliche Liebe, die er mit seiner Feigheit zerstört hatte.
Ausgerechnet in die Arme seiner Peiniger ist er geflohen.
Wie dumm ich damals war. dachte Zeus und schüttelte den Kopf.
Lange blieb er auch nicht dort und wieder trieb ihn die Feigheit vor weiteren Kriegen und noch mehr Blutvergießen.
Doch diesesmal meinte das Schicksal es gut mit ihm, schickte es ihn doch direkt in die Arme seiner heutigen Frau.
Zeus lächelte zum Ersten mal seit langem ohne das er das Gefühl hatte, es wäre gestellt.
Cheja.
Eine Verlorene, wie auch er ein Verlorener gewesen war.
Sie schenkten sich nicht nur gegenseitig Liebe, Geborgenheit, Nähe und Glück, nein auch schenkten sie sich gegenseitig ein Zuhause und eine Familie, die ihnen beiden Kraft gab, wenn sie sich schwach fühlten.
Doch die letzten Monate, raubten ihm mehr und mehr Kraft, welche seine Familie ihm einfach nicht ersetzen konnte.
Es war nicht so, das sie es nicht versucht hätten, doch schien es einfach nicht auszureichen.
Zeus Freunde, versuchten ihm mit allen ihnen möglichen Mitteln zu unterstützen, doch auch das wollte einfach nicht ausreichen, um Zeus wieder zu dem offenherzigen, zum Teil lustigen Menschen zu machen, der er einmal war.
Apollon sah man die Sorge um seinen Freund förmlich an und Zeus schaute nicht schlecht, als er scheinbar seinen Entschluss, nie wieder mit Lotta in einem Raum zu sein, fallen ließ, um seinem Freund zu helfen.
Ohne es zu merken, war er wieder unterwegs in seiner Káta und sah sich dabei ständig um.
Nichts von alledem was hier stand würde ihm helfen können und dennoch suchten seine Augen unablässig weiter.
Zeus war vermutlich schon zig mal an der Kiste, nahe seiner Schlafstatt vorbei gegangen, bevor sie ihm direkt auffiel.
Zeus wusste was er darin finden würde.
Erinnerungsstücke, aus alten Tagen.
Langsam, fast ehrfurchtsvoll näherte er sich der, aus dunklem Holz gefertigten Kiste und lies sich davor auf die Knie fallen.
Sichtlich mit sich selbst kämpfend, bewegten sich seine Hände an die Seiten des Deckels.
Es war eine Sache, an die Vergangenheit zu denken, bei dem man einiges vergessen oder verdrängen konnte, doch etwas völlig anderes, Dinge in die Hand zu nehmen, die ihre eigene Geschichte erzählen könnten, wenn man sie liesse.
Zeus schluckte ein weiteres Mal schwer, schloss die Augen und öffnete die Kiste.
Als er die Augen wieder öffnete, sahen sie sich dem absoluten Chaos entgegen.
Schwarzer Stoff, Silber, Leder, Marmor und noch viele andere Dinge, dessen Bestimmung wohl erst möglich sein dürfte, sobald er die ersten Sachen herausnehmen würde.
Sein erster Griff ging zu der kleinen Marmorplatte, die oben auf lag. Zeus erkannte zunächst ihre Bedeutung nicht und erinnerte sich auch nicht an eine dazu gehörige Geschichte, doch als er die kleine Platte, die so groß war wie seine beiden Hände zusammen, umdrehte, erkannte er nicht nur die Platte oder die Geschichte dazu, sondern auch das eingemeißelte Antlitz.
Nefertari.
Alles prasselte wieder auf ihn ein.
Der erste Krieg, die Wüste, die Nächte, ihre aufkeimende Freundschaft über die Grenzen zweier Länder hinweg und ... und ihr Tod.
Zeus schluckte, doch diesmal war es gar nicht so leicht den dicken Kloß hinab zu schlucken, als sich dann auch noch eine einzelne Träne dazu gesellte.
Sie war eine Große und zerbrach schon vor ihrem Tot an dem, woran auch er zu zerbrechen drohte.
Wie gern würde er mit ihr sprechen, sie fragen was er machen sollte, doch diese Gelegenheit würde er wohl nie bekommen.
Zeus atmete tief durch und legte die Platte behutsam neben die Kiste und schenkte einer Großen und einer Freundin noch einen liebevollen Blick, ehe er sich wieder der Kiste widmete.
Auch wenn der schwarze Stoff nun das Bild, was sich ihm bot, dominierte, griff er zu dem braunen Leder, welches sich in aus einer Falte des Stoffes zeigte.
Schon beim greifen, fühlte er das es sich um eine einfache Lederscheide handeln musste und nahm nun sichtlich interessiert die kurze Scheide aus der Kiste.
Ein Dolch.
So Recht wollte Zeus die Geschichte dazu nicht einfallen, doch als er den Dolch langsam aus der ledernen Scheide zog und sein Blick auf die jungfräulich glänzende Klinge fiel, fiel ihm auch diese Geschichte ein.
Die Geschichte seiner Eltern und Geschwister.
Seine Mutter hatte ihm diesen Dolch gegeben, sollte er es nicht schaffen, den griechischen Häschern zu entkommen. So konnte er zumindest einen leichteren Tod finden, als den die sie ihm gebracht hätten.
Völlig unbegründete Faszination machte sich in ihm breit, während er die Klinge betrachtete. Es war nun wirklich nicht die erste Waffe die er zu Gesicht bekam und dennoch, brauchte er einige Zeit, bevor er die Klinge wieder zwischen dem schützenden Leder verbarg.
Auch diese alte Erinnerung legte er beiseite und griff nun zu dem Stoff.
Zeus musste aufstehen, um zu erkennen, was er dort in der Hand hatte, doch als er es erkannte, drückte der schwarze Schatten, wieder etwas stärker auf ihn.
Ein Umhang.
Sofort fiel ihm die seltsame Begegnung mit dem Mann ein, den er in Alexandria getroffen hatte, als Zeus versuchte noch einen letzten Blick auf Nefertari zu erhaschen.
Er hatte ihm damals diesen Umhang geschenkt und war, noch bevor Zeus irgendwas sagen konnte, in der Menschenmenge verschwunden.
Zeus erinnerte sich jedoch auch daran, wie er den Mantel, in der heißen ägyptischen Sonne, übergeworfen hatte und er ihm erstaunlich Kühlung verschaffte.
Vielleicht ,dachte Zeus vielleicht kann er einen auch warm halten.
Doch fiel ihm gleich darauf ein, das ein schwarzer Mantel wohl äusserst auffälig wäre, wenn alles um ihn herum von weißem Schnee bedeckt ist.
Zeus legte den Mantel zu den anderen Sachen und betrachtete die kleine Sammlung.
Er wollte sich gerade dem Rest seine Erinnerungen widmen, als etwas zu sehr passte.
Er sah sich die drei Dinge noch einmal genau an und dann fiel es ihm auf.
Nefertari.
Ein Umhang, der ihn des Nachts nahezu unsichtbar machen würde.
Und ein Dolch.
Wie oft hatte Zeus selbst miterlebt, wie Nefertari, des Nachts das Lager verlassen hatte, um ...?
Ja, um was eigentlich?
Was hat sie Nachts gemacht, wenn sie sich von allem wegschlich?
Zeus seufzte.
Noch mehr Fragen und keine Antworten.
Oder etwa doch?
Zeus hatte einen Entschluss gefasst und den würde er sofort umsetzen.
Er nahm den Umhang und warf ihn sich über, dann steckte er den Dolch in eine der viele Taschen, die er soeben entdeckt hatte.
Dann sah er noch einmal auf die Platte mit Nefertari's Gesicht und steckte auch diese mit einem leichten Lächeln ein, dann schloss er noch die Kiste, strich mit sanften Fingern darüber und wandte sich dem Ausgang aus seiner Káta zu.
Zeus brauchte keine Wachen und wollte nie welche haben, aus diesem Grund standen auch keine vor seiner Káta, als er hinaus trat.
Wie er gehofft hatte, hielt der Mantel die Kälte ab und er machte sich auf den Weg durch die Dunkelheit.
... und wenn ihr dann in vielen Jahren sterbend in eurem Bett liegt, wärt ihr dann nicht bereit jede Stunde einzutauschen von heute bis auf jenen Tag, um einmal nur, ein einziges Mal nur wieder hier stehen zu dürfen, um unseren Feinden zuzurufen: "Ja sie mögen uns das Leben nehmen, aber niemals nehmen sie uns - UNSERE FREIHEIT!!!"
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