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Domnall führte mich in ein Zelt, in dem eine große Karte Britanniens lag. Hierauf lagen einige bunt gefärbte Steine. Knapp erklärte er mir die Lage und was er von mir erwartete. Halte den Feind auf. Nimm dir einen Hauptmann, der dich beraten kann, aber halte den Feind auf. Und jetzt geh. Ganz Krieger, der ich geworden war, begann ich die Befehle zum Aufbruch zu geben. Ich musste darüber nicht lange nachdenken, kannten alle Krieger doch diese Prozedur, so dass auch ohne Befehle alle gewusst hätten, worauf es ankam.
Doch als die Nacht über das Lager kam, hatte ich Zeit nachzudenken. Die Teutonen waren in Britannien eingefallen. Ein Volksstamm, den ich aus meinen Kindheitstagen noch gut kannte, waren die Friesen doch ihre Nachbarn. Sollte jetzt vielleicht die Zeit meiner Rache gekommen sein? Wenn ich es geschickt anstelle, dachte ich, könnte ich die Briten den Teutonen ausliefern, sie verraten, wie Domnall es einst bei den Friesen getan hatte. Nun ja, fast so, musste ich mich berichtigen. Ich würde nicht nur Domnall ans Messer liefern, sondern alle Krieger in den Tod schicken. Krieger, die mich freundlich aufgenommen hatten, die ich meine Freunde nannte, meine Familie. Das Herz wurde mir schwer. Wie lange hatte ich schon nicht mehr an Vater und Mutter gedacht, meine Geschwister, die Sippe. Meine Gedanken suchten sich ihren Weg zurück in eine Vergangenheit, die mir jetzt so unglaublich weit entfernt, ja nicht einmal meine eigene zu sein schien. Ich blickte zurück auf was ich gewesen war und was ich geworden bin. In Gedanken versunken spielte ich mit dem kleinen, aber scharfen Feuerstein - meinem Talisman. Er sollte mich immer daran erinnern, weshalb ich hier war und welchen Feind ich zu bekämpfen hatte. Wie durch Zufall entglitt er meinen Händen und fiel auf einen eisernen Nagel, der aus dem Boden hervorschaute und zerbrach in einen Funkenregen in zwei Teile. Staunend und ehrfürchtig sank ich auf die Knie. Ich erhob die Hände, denn die Götter hatten mir ein unmissverständliches Zeichen geschickt. Voller Dankbarkeit und Erleichterung fing ich an zu weinen. Eine unglaubliche Last fiel von mir, die ich so beständig getragen hatte, dass ich ihre Schwere erst bemerkte, da sie von mir genommen wurde.
In diesem Moment kam ein junger Krieger herein. Es war Adan, ein Bursche von vielleicht 15 Wintern aber erstaunlich aufgeweckt und auf angenehme Weise listenreich. Doch als er mich dort mit Tränen überströmten Gesicht auf dem Boden knieend sah, deutete er die Situation falsch, was sich später als eine weitere glückliche Fügung der Götter erwies. Seit jener schicksalhaften Nacht opferte ich jedes Jahr an diesem Tag den Göttern reichlich, um ihnen zu danken und werde es tun, solange bis sie mich in die Anderswelt holen. Naturgemäß dachte Adan, ich wäre ob der aussichtslos erscheinenden militärischen Lage verzweifelt. Ohne ein Wort der Erklärung führte er mich, der ich noch mit meiner Fassung kämpfte nach draußen in die Nacht zu einem Felsbrocken von der Größe eines Kessels, zeigte auf ihn und anschließend einen faustgroßen Kieselstein, der daneben lag. Beschützer Cerdic, mein Heerführer, bewege diesen Kiesel. Sprachlos über den unsinnig erscheinenden Wunsch des Kriegers und immer noch innerlich aufgewühlt, tat ich, worum er mich bat. Ich nahm den Stein auf und ließ in zwei Ellen weiter auf den Boden fallen. Und nun bewege diesen. Er deutete auf den Felsbrocken. Zunächst wollte ich auch dem nachkommen, doch langsam dämmerte die Erkenntnis in mir. Ja, so würde es vielleicht gehen; schnell wie das Wasser des wilden Flusses, dass den Stein solange umspült, bis er weichen muss.
Am Tag darauf verkündete ich meine Entscheidung, dass Adan mein Hauptmann sei und um den Kriegern gar nicht erst die Zeit zu geben, sich zu wundern, wenn nicht schlimmeres, ließ ich sofort aufbrechen, dem Feind entgegen. Die Kämpfe waren hart, doch immer wieder gelang es uns, den übermächtigen Feind einen Schritt voraus zu sein. Adans teils sehr merkwürdig anmutenden Ideen waren dabei vielfach der Garant dafür, hinzu kam jedoch auch ungeheures Glück. Eines Tages jedoch war uns letzteres versagt und es blieb mir keine andere Wahl, als den Rückzug zur Burg anzuordnen, sollten nicht alle Briten in Gefangenschaft geraten oder getötet werden. Doch Domnall sagte nichts, er schien sogar zufrieden zu sein. Lag das an der Botschaft, die er vor kurzem erhalten hatte? Noch am Abend unserer Ankunft rief er Adan und mich in die große Halle. Vor der schweren Eichentür stehend hörten wir das leise Zwiegespräch zweier Männer, doch als wir eintraten, saß Domnall allein vor einer Karte und winkte uns heran. Gälen und Keltiberer im Osten, Pikten im Norden. Sie alle sind zu unserer Unterstützung gekommen. Zudem haben die Gälen noch einen eigenen Händel mit den Teutonen. Es wurde eine Vereinbarung mit dem Feind getroffen zu einer Entscheidungsschlacht zwischen den Bewohnern der Inseln und den Teutonen. Doch nicht hier sondern auf dem neutralem Gebiet von Calvados. Wir werden schon morgen aufbrechen und uns in der Gälenburg Bhaile Átha Cliath mit unseren Freunden und Verbündeten treffen. Wir waren sprachlos. Gut, fuhr der Regent der Briten im Plauderton fort, dann ist ja alles besprochen. Lasst mich jetzt allein. Und das taten wir auch.
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