|
|
Heim nach Qart Hadasht. 19.08.2011 18:43:25 --- 9 Monate her
|
|
|
Im normalen Falle liebte ich die Seereise.
Wenn der Wind im Segel knattert und die Möwen den Masten umkreisen.
Der Wind, der von Salz und Weite erzählt. Die Sonne, die blutrot im Meer versank und die fernen Insel und Küsten mit ihren verschiedenen Sprachen, Gebräuche und Gerüche.
Jedoch nicht in diesem Falle.
Eingezwängt in auf einer Pentere zwischen Ruderern und Fracht.
Mir ging es jedoch besser als die armen Krieger die sich zusammengepfercht wie Vieh, in den Truppentransportern die Enge mit allerlei Waffen, Rüstungen ungewaschenen Füßen und sonstigem erbärmlich riechenden teilen mussten.
Die kurzen Rasten um Wasser und Nahrung aufzufrischen reichten gerade aus um die Schiffe unter dem Deck mit etwas frischer Luft zu versorgen.
Der Wein wurde bereits zu Essig und das Getreide und das Brot schimmelten in den einfachen Holzfässern vor sich hin.
Öl hatten wir schon lange nicht mehr. Ausser dieses ekelhafte Fischöl das wir auf einer der Eisinseln gegen erbeuteten Fisch eintauschten.
Die Unterführer hatten alle Hände voll zu tun um Schlägereien oder schlimmeres unter den Kriegern zu verhindern.
Der letzte Kampf lag schon Wochen zurück und genauso lange befanden wir uns auf dem Heimweg. Es würde sicher noch Wochen dauern bis wir unter bekannten Sternenbildern segeln würden.
Unser Ausflug, ich nannte diese Reise Ausflug weil es weder ordentliche Schlachten, noch plünderbares Gut geben hatte war entäuschend. Die Beute war mager. Das wenige Silber von den Friesen zahlte gerade den Sold der Krieger.
Nicht einmal tausch oder handelfähige Dinge konnten wir in die Bäuche unserer Frachter laden.
Etwas Fisch, Häute und derlei. Nichts also das diesen Aufwand gerechtfertigt hätte.
Aber gut, ich musste es nicht zahlen. Für solche Unternehmen gab es besonders gut gefüllte Silbertruhen.
Als ich die Unsummen, die dieser Ausflug bereits gekostet hatte im Kopf überschlug sträubten sich mir die Haare. Wie viele Schiffe hätte man für dieses Geld bauen und ausrüsten können! Wie viele Karawanen hätten durch die Wüsten zwischen Qart Hadasht und Ägypten reisen können . .. aber gut.
Der Melek wollte es so also bekam er es auch.
Ich, für meinen Teil, sehnte mich nach dem zu Hause.
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
|
|
|
Re:Heim nach Qart Hadasht. 21.08.2011 23:39:50 --- 9 Monate her
|
|
QUOTE: Aus den Tagebüchern des Raziel
Ich erinnere mich noch, als ob es gestern gewesen wäre, als ich mit meinen treuen Freunden, die mit mir seit Ägypten zu einem Weltreich aufgestiegen war, an Deck des Schiffes aus dem fernen Karthago stand und mit ihnen beratschlagte, wo die Reise hingehen würde.
"Nach Hause natürlich" so hieß es von meinem Bruder Azazel.
Ich erinnere mich daran, welchen Schauer diese Worte mir über den Rücken jagten. Mein Sohn, Sethos, war unter Deck und schlief, meine Tochter in der fernen Heimat unter Aufsicht einer treuen Haushälterin. Sie war als einzige von ihrer Familie zurückgeblieben, in einem fremden Land und nun auch ohne ihre Familie. Ihre Mutter tot, Stiefmutter, Vater, Onkel und Bruder im barbarsichen, kalten Norden auf einem Heereszug.
Ich fragte die versammelten Krieger aus Ägypten, deren Loyalität und Treue mir galten:
Wo, meine Freunde, ist denn zu Hause?
Die Nacht war früh herein gebrochen über der nördlichen Welt, in der in den Wintermonaten die Sonnenbarke des mächtigen Ra kaum zum Zenit des Himmels fuhr. Raziel hatte schlecht geschlafen, denn er vermisste die Wärme seiner Frau mehr denn je dieser Tage. Sie war auf einem anderen Schiff untergekommen, denn ihr Heerverband hatte sich rascher zurückziehen müssen, als der von Raziel. Eile war geboten, denn die sitonischen Verfolger waren ihnen bereits auf den Fersen gewesen und die erste punische Standarte unter Raziels Kommando hatte der zweiten den Rückzug ermöglicht.
Zum Glück war kein Mann und keine Frau im Kampf gefallen und den ehemaligen Pharao überkam ein nur allzu väterlicher Stolz, als er daran dachte, wie sein Sohn mit seinem Schwert unter den barbarischen Verteidigern gewütet hatte. Er war beinahe von gleicher Statur wie sein Vater und - wie Raziel fand - wesentlich schöner als er. Sein Kampfstil war noch etwas wild und unkontrolliert, aber in ein paar Jahren würde er seinen alten Herren vermutlich übertroffen haben. Schon jetzt war es Raziel kaum möglich ihn ohne dreckige Tricks im Kampfe zu besiegen, doch dafür war er nunmal der Ältere und Erfahrenere.
An all dies dachte er in diesem kurzen Moment der Besinnung, nachdem er die Frage gestellt hatte, wo denn das zu Hause, nach dem sie sich sehnten, denn sei.
Thisseas war ein keltischer Krieger aus Gallien, Hilde kam aus dem Hohen Norden. Er selbst war gefangen zwischen Arabien und Ägypten, genau wie sein kleiner Bruder. Sinue, Kasomir und Abaddon hingegen waren waschechte Ägypter, während Eodoaine im Keltibererreich ds Licht der Welt erblickt hatte. Deliah hingegen kam aus Griechenland.
Das Schweigen wurde von einem heiseren und frechen Gegacker unterbrochen, deren Ursprung - natürlich - Hilde Tolles Kehle war. Sie zog ihr Kopis und rammte es mit der Spitze voran in die Planke, sodass jeder, der dabei stand zusammenzuckte. Manche weil sie überrascht waren, Raziel, weil er befürchtete die mächtige Kriegerin könnte mit ihrem heftigen Stoß die Klinge bis ins Meer hinuntertreiben. Dann, immer noch lachend, verkündete sie stolz:
"Dann suchen wir uns eben eine neue Heimat. Wir biegen dort vorne an der Südspitze der gewaltigen Landzunge nach Osten ab durch die Meerenge zwischen Germanien und Skandinavien und sehen wohin uns der Wind trägt."
Raziel spürte, wie die Blicke nun auf ihm lagen, denn auch wenn er schon lange kein Pharao mehr war, so war er doch letztlich derjenige, der entschied. Dass er dabei versuchte auf jeden seiner Freunde Rücksicht zu nehmen war selbstverständlich, doch nun, da er in die Augen seiner Freunde blickte sah er den Wunsch nach Neuem. Den Wunsch endlich die Gefilde zu verlassen, die sie schon allzulange satt hatten. Sie waren nach Ägypten gekommen und hatten etwas Großartiges geschaffen, was nun in Trümmern lag. Schon lange schmeckte der Sand der Wüste fahl in ihren Mündern und schon lange roch die stille See des Mittelmeers unangenehm. Die großen Bauten Karthagos und Roms waren kein erfreulicher Anblick mehr und das Geräusch der Marktplätze ließ sie keinen Schlaf finden. Es fühlte sich falsch an. Benutzt und verbraucht, alt und antiquarisch.
"Nundenn. Sagt dem Kapitän wir setzen Kurs nach Osten durch die Meerenge zwischen dem Norden und Europa und sehen, welche Abenteuer uns dort erwarten."
Diese Worte auszusprechen war befreiend genug, dennoch gab es viel zu erledigen. Briefe mussten geschrieben werden, Dinge mussten erklärt werden, doch für den Moment genügte es der Freiheit so nah wie schon lange nicht mehr zu sein...
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
Letzte Änderung: 2011/08/21 23:53 von .
|
|
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
|
|
|
Re:Heim nach Qart Hadasht. 22.08.2011 01:32:23 --- 9 Monate her
|
|
|
Endlich, endlich. Vor uns lagen die Säulen des Melqart oder wie es die Griechen nennen die Säulen des Herakles.
Nun befuhren wir bald heimische Gewässer. Das Glück lag auf unserer Seite und günstige Strömungen brachten uns schneller als erhofft hierher.
Vielleicht würden wir in Ar Rif noch einmal Rast machen um frisches Wasser an Bord zu nehmen.
Von Ar Rif würde es vielleicht noch einmal sieben Tage dauern bis wir den Kriegshafen von Karthago erreichen würden, sollten sich die Kapitäne nicht darauf einigen wieder in die Küstenschleicherei zu verfallen. Das würde heißen immer schön langsam der Küste entlang anstatt einen einfachen geraden Kurs auf Karthago zu.
Naja, man würde sehen.
Ich machte schon Pläne was ich zuerst zu tun gedachte. Aber jeder Plan wurde verworfen und musste einem anderen verwegenen Plan Platz machen.
Zuerst wollte ich in ein Badehaus, dann überlegte ich mir nach Hause oder noch besser, so wie ich war in die beste Schänke in Karthago zu gehen.
So voll Schmutz und voller übler Gerüche. Ja. Das war mein Plan.
Im Hafen einlaufen, einen Lastenträger mit meinen Sachen zur Sandbank zu schicken und dann . . . direkt und ohne Umwege in die beste Schenke die es gab.
Ich freute mich so sehr das ich nur schwer wiederstehen konnte nicht im Kreis zu hüpfen oder in das Segel zu blasen damit das Schiff schneller fuhr.
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
|
|
|
Re:Heim nach Qart Hadasht. 26.08.2011 01:40:25 --- 8 Monate, 3 Wochen her
|
|
|
Irkalla polierte ihre Waffe nun schon seit Stunden, doch ihre Gedanken waren nicht bei der Sache.
Sie hatte eine kurze Nachricht von ihrem Gatten bekommen. Er würde Karthago den Rücken zudrehen und sich eine neue Heimat, irgendwo weiter nördlich, suchen und er bat sie darum ihm zu folgen.
Sie seufzte leise. Was sollte sie denn ausgerechnet im kalten Norden? So weit entfernt von Karthago ihrer Heimat, der Heimat ihrer Mutter. Sie wußte einfach nicht was sie tun sollte und verschob die Entscheidung auf die Ankunft in Karthago.
Langsam stand sie auf, stützte sich auf ihren Speer und betete, daß die Götter keine Gnade mehr mit ihnen haben und den Wind verstummen lassen würden, oder daß die Kapitäne den längeren Weg die Küste entlang schippern würden.
Sie brauchte noch Zeit und die Schiffe glitten viel zu schnell ihrem ziel entgegen. Kurz überlegte sie ob sie nicht das Schiff sabotieren sollte, verwarf den GEdanken jedoch wieder. Sie mußte einfach nur eine Entscheidung treffen. Karthago, Ihre Heimat ihre Freunde, das Bekannte Verlassen und ihrem Gatten, den Mann den sie liebte folgen, oder eben nicht. Karthago stand nicht wirklich gut da. Sie brauchten sie und doch bestannd Raziel, daß sie ihm folgen sollte.
Schwer seufzend setzte sie sich wieder und polierte ihre Waffe wieder.
"Was soll ich nur tun?"
Wir finden entweder einen Weg, oder wir bauen einen!
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
|
|
|
Re:Heim nach Qart Hadasht. 03.09.2011 15:45:37 --- 8 Monate, 2 Wochen her
|
|
Irkalla spielte gerade mit der kleinen achtjährigen Sachmet Fangen hinter dem großen - und nun die meiste Zeit sehr einsam wirkenden - Palast, als sich ein Mann auf einem schnellen Araberhengst näherte. Er wirkte ausgelaugt und ausgezehrt, von seiner langen Reise. Die hellen, blonden Haare deuteten darauf hin, dass es sich um einen Mann aus dem Norden handelte und auf die Tätowierungen an seinen Händen deuteten darauf hin. Runen, die Irkalla noch nie erblickt hatte. Freundlich und in perfekter, punischer Sprache begrüßte er die junge Kriegerin und überreichte ihr ein Schriftstück.
"Ich bin angehalten auf eine Antwort zu warten, bevor ich zurück zum Absender des Briefes darf. Ich bin in Karthago zu finden, üblicherweise in einer der Hafenkneipen."
Das Zeichen des Gottes Seth war auf den Umschlag gezeichnet, wodurch Irkalla sofort wusste, dass es sich um einen Brief Raziels handeln musste.
QUOTE:
Aus dem hohen Norden grüße ich dich, liebste Irkalla.
Sämtliche Geschichten über den Norden entsprechen zwar nicht den Tatsachen, doch es ist sicher, dass die Geschichten über die Kälte stimmen. Vielleicht bin ich nur den Süden so sehr gewohnt, dass mir das Wetter beißender vorkommt oder vielleicht liegt es an dem sich immer deutlicher bemerkbar machenden Alter, dass mir die Kälte so zusetzt. Dennoch bereue ich es nicht, mich für diese wunderschöne Gegend als letzten Ruhesitz entschieden zu haben. Jedenfalls nicht deswegen. Die Luft ist klar und frisch, wie ich es nie zuvor erleben durfte und während man in den hitzigen Gassen Alexandrias oder Karthagos fast immer von einer leichten Trägheit ergriffen ist, sind die Sinne und der Geist in dieser kühlen Luft schärfer und wacher, als ich es je für möglich gehalten hätte. Es fällt mir schwer dieses Gefühl zu beschreiben.
Das Gefühl hier zu sein ist also im Grunde etwas gutes. Es geht uns allen gut und unsere Königin ist ein echter Wildfang, du würdest sie sicher in dein Herz schließen. Die Sitten sind zwar etwas rau, aber es ist mir gelungen die Baukünste des Südens zumindest in unserer Hauptstadt zu etablieren. Es entstehen hier und da Steinbauten, anstelle der Holzhütten und etwas außerhalb der Stadt habe ich, an einem kristallklaren See, umringt von dichten Wäldern damit begonnen, mir einen Palast nach dem Vorbild der Heimat zu bauen. Es wird vermutlich noch einige Zeit dauern, bis ich einziehen kann, doch die Silbertruhen sind durch die seltenen Fähigkeiten, die wir als Ägypter und Karthager mitbringen, gut gefüllt und die Arbeiten gehen zügig voran.
Das einzige, was mir von Herzen fehlt bist du, liebste Irkalla, und meine Tochter. Bitte lies ihr diesen Brief vor und sag ihr, dass es ihrem großen Bruder gut geht. Sethos grüßt auch dich herzlichst und wir beide Wünschen uns, dass ihr so bald wie möglich nachkommt.
Ich würde dich, vor meinem Tod, gerne noch einmal sehen und küssen, Irkalla.
In ewiger Liebe,
Raziel
|
|
|
|
Gespeichert
|
|
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
|
|