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THEMA: Re:Difficilia quae pulchra
 
Raziel

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Difficilia quae pulchra      04.10.2010 21:19:56 --- 1 Jahr, 7 Monate her  
QUOTE:
Diese Geschichte spielt in der VERGANGENHEIT, sie knüpft direkt an das RP "Der Gang nach Karthago" an, zu finden unter:
Der Gang nach Karthago


Die Wogen des Mittelmeeres lagen glatt vor Raziel, als hätten die Götter die See beruhigt, nachdem der Krieg und das Tosen in der Wüste verstummt waren. Wie jeden Morgen stand Raziel am Bug und blickte nach Osten in den Sonnenaufgang um Ausschau zu halten nach dem nächsten Ziel der Reise: Malta. Oder besser gesagt das römische Heerlager der ersten Legion auf Malta. Dort würde er mit Agaton von Korinth aufeinandertreffen, ein Treffen, das schon seit Wochen geplant war. Der Pharao des ägyptischen Großreiches hoffte allerdings, dass die Verzögerungen in Karthago nicht dazu geführt hatten, dass er eine leere Insel vorfinden würde. Es war möglich, dass ein Gefecht oder ein Krieg die Legion zur Heimkehr oder in andere Gefilde gezwungen hatte, immerhin war Italien ein heißumkämpfter Landstrich.

Obwohl keine Kämpfe zwischen Römern und Ägyptern stattgefunden hatten, herrschte nach wie vor der Kriegszustand und diesen galt es nun - wie jenen mit dem karthagischen Reich - zu beenden, aufdaß Ägypten eine friedlichere Zeit erleben möge. Die Hoffnung dafür war allerdings dennoch gering. Der Krieg gegen Kappadokien und die Tributpflicht jenes kleinen Reiches an den großen Nachbarn würde sicher große Wellen schlagen, doch Raziel war zuversichtlich, dass das ägyptische Großreich mit jeglichen Gefahren zurecht kommen würde, solange ein guter General seine Truppen anführte und er war sich sicher, dass es nur wenige gab die besser Waren als seine. Ein beruhigender Gedanke, der ein Lächeln auf sein Gesicht zauberte. Seine beiden begleiter waren unter Deck und schliefen ihren Rausch aus. Azazel hatte mit Atos die ganze Nacht getrunken und nur Raziel war damit beschäftigt gewesen Briefe an seine Liebste und an den Rat Ägyptens zu verfassen, bevor er erschöpft die Decke über den Kopf gezogen hatte. Natürlich nicht ohne Atos' und Azazels Wünschen nachzugeben und einen Schluck des beißenden Weinbrandes mit ihnen zu trinken.

Wie ihn die See zugleich beeindruckte und langweilte: Auf der einen Seite ein unberechenbares Element, voller Zorn und Hass, wie sein Gott Seth, auf der anderen Seite so trotzig und übellaunig, beunruhigend ruhig gar, wie eine schmollende Ehefrau. Wieder zogen die Gedanken des Kriegsfürsten ihn nach Hause, nach Alexandria und diesmal zu seiner Liebsten. Mit verklärtem Lächeln blickte er auf die fernen Gesteinsbrocken, ohne wirklich zu realisieren was sie symbolisierten, für ihn waren sie nur eine Erinnerung daran, dass seine Frau für ihn wie ein Fels in der Brandung war und bevor ein verschlafener und stinkender Seemann nicht direkt neben seinem Ohr

"Land in Sicht!"

gebrüllt hatte, wäre er gar nicht darauf gekommen, dass sie ihr Ziel erreicht hatten. Müde torkelte er unter Deck um seinen Bruder und den Kelten zu wecken und ihre Sachen zusammenzupacken - an Bord wollte er nichts für die Seefahrer lassen, zu groß wäre die Verlockung gewesen sie einfach in den Fängen der Römer zu belassen und sich mit ihrem Hab und Gut auf und davon zu machen. Selbst ein Ägypter würde bei Goldstücken und Wertsachen schwach werden, vor allem ein Händler, dessen Loyalität in erster Linie dem Geld, dann dem Profit und in dritter Instanz Göttern und Königen galt.

Als Raziel und seine Weggefährten wieder an Deck kamen, hatten sie etliche römische Schiffe passiert und auch die Anlegestellen wurden von römischen Soldaten bewacht. Raziel verzichtete darauf sich zu verkleiden oder als etwas geringeres auszugeben als er war und so ging er in voller Kampfmontur an Land, allerdings nicht ohne seine Herrschaftsinsignien offen zu tragen. Sichtlich beeindruckt, aber dennoch Haltung bewahrend verneigten sich die römischen Soldaten vor dem Pharao, als dieser sich in perfekter, lateinischer Sprache vorstellte:

"Ich grüße euch, tapfere Soldaten Roms. Ich bin Raziel, Pharao des ägyptischen Großreiches und meinen Informationen nach ist ein Konsul Roms, ein Grieche von Geburt Namens Agaton von Korinth, auf dieser Insel anzutreffen. Es verlangt mich sehr danach mit ihm zu sprechen."

Die römischen Soldaten waren zunächst etwas skeptisch, doch da die Information nicht gerade ein offenes Geheimnis war, musste der Fremde wohl über entweder ziemlich gute Spione verfügen oder über Kontakt mit dem Konsul selbst. Eine kleine Eskorte wurde gebildet und Raziel, Azazel und Atos wurden in ein kleines Städtchen geführt, dessen weiße Gebäude wie aus dem Fels, auf dem sie gebaut waren, herausgewachsen zu sein schienen. Unter einer Plane gegen die Sonne waren einige Tische und Stühle aufgebaut, Getränke standen bereit und recht ansehnliche Damen sorgten mit Palmenblättern für eine angenehme Temperatur. Die Damen schienen auf der Insel beheimatet zu sein, doch wirklich interessieren tat sich Raziel mehr für den Mann, der den Mittelpunkt des Geschehens bildete, einen prächtig gekleideten Mann, der wohl der Konsul war. Er wurde angekündigt und ging um dem Konsul die Hand zu reichen, während seine Gefährten sich mit den Soldaten in einen ähnlichen, aber weniger luxuriöses Pavillon zurückzogen.

Als er vor dem Konsul stand lächelte Raziel und verneigte sich höflich, aber nicht unterwürfig vor dem Konsul und sprach wieder in fehlerfreiem Latein zu dem Würdenträger.

"Werter Konsul Agaton, ich grüße euch. Ich bin gekommen um über die Beendigung des Kreigszustandens zwischen unseren Reichen zu debattieren, ich hoffe, dass wir hier unter der glühenden Sonne Maltas zu einer Einigung kommen werden."
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Agaton von Korinth

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Re:Difficilia quae pulchra      04.10.2010 22:45:31 --- 1 Jahr, 7 Monate her  
Als der Pharao den Pavillion betrat stand ich aus meinem Sessel auf und ging gemessen auf ihn zu, während ich den Soldaten mit einer Handbewegung zu verstehen gab, dass sie verschwinden konnten.
Pharao Raziel! Es ist eine Ehre Euch persönlich kennenzulernen, wenn auch unter nicht wirklich standesgemäßes Umständen, doch entschuldigt diesen Umstand. Auch als Konsul muss ich meinen Kriegsdienst tun und der lässt in der aktuellen Lage keinen Aufschub. Doch kommen wir zur Sache. Ich denke nicht, dass wir den Waffenstillstand mit einem Vertrag besiegeln müssen, ein Handschlag unter Ehrenmännern sollte reichen. Doch bitte setzt Euch. Der Wein stammt aus den Weingärten Campanias! Er wurde mir von Senator Ovus persönlich empfohlen. Ein hervorragender Tropfen, denn wenn die Römer eines können ist es Wein herzustellen. Intrigieren vielleicht auch, doch diese Kunst ist nicht des Rühmens wert.
Als wir uns gesetzt hatten hob ich den Becher.
Auf den Frieden zwischen dem Ägyptischen Großreich und der Republik Rom! Möge er ewig andauern!


Allen zu verzeihen, ist ebensowohl Grausamkeit, wie keinem zu verzeihen.-Seneca

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Raziel

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Re:Difficilia quae pulchra      04.10.2010 23:10:10 --- 1 Jahr, 7 Monate her  
Ein breites Lächeln umspielte seine Lippen und freudig überrascht nimmt er die Einladung zu Wein und Speise an. Als er dann seinen Weinkrug in der Hand hält, stößt er mit Agaton an und antwortet ihm in gleicher Weise.

"Auf den Frieden zwischen unseren Reichen, er möge ewig währen und mögen die Bande der Freundschaft zwischen unseren Völkern wieder größer und fester werden."

Der Nachmittag verging wie im Fluge und des Abends wurden die Gespräche immer derber und Politik war kein Thema mehr. Zu seiner Überraschung stellte Raziel fest, dass er es als angenehm empfand mit Agaton auf dieser Insel zu trinken und die Form und Art der Verhandlung, die pure Schlichtheit gefiel ihm auf gleiche Weise, wie ihm die fromme Förmlichkeit der Verhandlungen mit dem karthagischen Reich gefallen hatten.

Bis tief in die Nacht feierten, tranken und erzählten sich Agaton und Raziel Geschichten aus Griechenland, Rom und Ägypten und die Sonne machte schon auf sich aufmerksam, als sie endlich jeder für sich in einem Bett landeten. Als Raziel am nächsten Tag erwachte, war die Sonne bereits weit über den Zenit hinaus und schon wieder im Begriff unterzugehen. Einige Geschenke hatten die Römer zurückgelassen, um an das kurze, aber denkwürdige Treffen zu erinnern und auch Raziel hatte dem Konsul ein paar Kleinigkeiten in dessen Gepäck verstaut, bevor er sich zu Bett begeben hatte. Nun war von dem römischen Heer keine Spur mehr zu sehen, die Winde standen günstig und die Flotte war nurnoch eine Ansammlung von kleinen, dunklen Punkten am Horizont.

Grinsend weckte Raziel seinen Bruder und seinen Leibwächter und gemeinsam betraten sie das Schiff, dass sie nach Griechenland bringen sollte, von wo aus sie zu Pferde weiterreiten würden.
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