Am Morgen des Hochzeitstages wurde Panthera sehr früh unsanft geweckt. Eine der älteren Frauen drängte sie, doch mit ihr zu kommen. Panthera sah sie etwas verwirrt an, doch die Frau liess nicht locker:
„Ihr wollt doch hübsch sein an einem so wichtigen Tag!“ Das verwirrte sie noch mehr, doch sie folgte der Frau in die bisher für sie verschlossene Jurte. Meine Güte, da sah es aus, überall lagen Stoff- und Lederballen rum, aber trotzdem hatte das Chaos seine Ordnung. Wie Panthera erstaunt feststellte, waren noch 5 Frauen anwesend und erwarteten sie bereits, langsam wurde ihr das unheimlich. Es kam nur ein Kommando
*Stillhalten* und sie musste sich fügen.
Die Sonne stand schon ziemlich hoch, als die Frauen ihr Werk vollbracht hatten und sie zufrieden begutachteten. Das Kleid, das sie nun trug war ein wahres Kunstwerk, der Stoff war sehr fein und reichte durch die Wickeltechnik sicherlich für mindestens 10 normale Kleider. Es war wunderschön bestickt und mit Perlen besetzt, um seine Bedeutung noch zu unterstreichen. Ihre Haare waren kunstvoll gebändigt, sanfte Wellen umschmeichelten ihre Schultern.
„Nun seid ihr der Zeremonie würdig, wir bringen euch in die vorbereitete Jurte, dort werdet ihr Artreju und den Zeremoniemeister treffen.“ Sie wurde von den Frauen umringt und sie geleiteten sie, es war fast unmöglich für die Umstehenden, einen Blick auf sie zu erhaschen und die Neugierigen folgten dem Grüppchen.
Als Panthera in die Jurte trat wurden Alle still und sie sah Artreju bewundernd an. Gut sah er aus in dieser schönen Lederkleidung: das schwarze, aus weichem Leder gefertigte Hemd passte perfekt zur geschnürten, dunkelbraunen Hose. Die Frauen hatten sich wirklich jede Menge Mühe gegeben, die Kleidung zu fertigen, das musste sie ihnen lassen. Artreju warf ihr ebenso mit leuchtenden Augen einen bewundernden Blick zu, doch als sie sich mit einem Kuss begrüssen wollten und der Zeremoniemeister dies strikt untersagte, verfinsterten sich ihre Gesichter etwas. Panthera legte die Hand an die Hüfte und wollte aufbrausen, besann sich aber eines Besseren und Artreju verschränkte die Arme und sah zu Boden.
Die Zeremonie war recht schnell beendet, der Zeremoniemeister legte ihnen die Armreifen zur Festigung ihres Bundes an und endlich konnten sie sich umarmen und küssen. Panthera vergass die Welt um sich herum, bis plötzlich das Volk die Jurte stürmte, sie einkreiste und ein lautstarkes Beglückwünschen und Gelächter um sie herum war. Die Menge schob und drängte sie auf den Festplatz, es blieb ihnen keine andere Wahl, sie mussten da raus, so nahmen sie sich an der Hand und folgten lächelnd dem auffordernden Drängen.
Panthera standen Tränen in den Augen, sie wusste nicht wirklich, was sie mehr mit Freude erfüllte: Endlich den Mann an ihrer Seite zu haben, der der Mittelpunkt ihres Lebens war, oder die Treue ihres Volkes und ihrer Krieger, die deutlich zu verstehen gaben, dass sie sich mit ihr freuten.