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Mit zusammengekniffenen Lippen saß das rothaarige Mädchen vor der kleinen Hütte und bearbeitete das Stück Holz, das sie in ihren Händen hielt. Ihre Finger waren kaum groß genug das Messer zu halten, geschweige denn damit etwas in das Holz zu schnitzen. Immer wieder rutschte sie ab, doch wie besessen setzte sie die Messerklinge erneut an und versuchte die Form, die sie sich vorstellte, dem Holzstück abzutrotzen. Hin und wieder warf sie ihr langes Haar zurück, das sich neugierig über die Schulter wagte wie um einen Blick auf das entstehende Kunstwerk zu werfen.
„Na, Lyssandra, was hast du schönes geschnitzt?“ Eine Frau strich dem vielleicht achtjährigen Mädchen über das rote Haar, hockte sich neben sie und begutachtete das Resultat.
„Nichts.“ Trotzig schob das Mädchen die Unterlippe vor. „Das Messer rutscht immer ab, ich kriege das einfach nicht hin.“
Die Frau nahm Lyssandra das Messer aus der Hand und zeigte ihr noch einmal, wie sie es halten sollte. „Schau, du musst es in diesem Winkel ansetzen ...“ Zwei, drei Späne fielen zu Boden. „Es ist ganz einfach, konzentriere dich auf die Technik. Wenn du die erstmal raus hast, geht es wie von allein.“ Sie drückte Lyssandra Messer und Holzstück wieder in die Hand und lächelte. „Das wird schon, meine Kleine.“
Lyssandra strahlte ihre Mutter an und vertiefte sich wieder in die Arbeit.
Stunde um Stunde verging und die Sonne tauchte bereits in das Abendrot ein. Es wurde unruhig auf dem Dorfplatz, die Jäger waren zurückgekehrt und wie es schien, recht erfolgreich gewesen.
Eine tiefe Stimme senkte sich über Lyssandra. „Ich hoffe, deine Schnitzereien haben dich hungrig gemacht.“
Alles fiel ihr aus der Hand und mit einem lachenden Schrei sprang sie an dem kräftigen Mann vor ihr hoch. Durch dessen wettergegerbtes Gesicht zog sich ein fröhliches Lachen. „Heute gibt es ein prächtiges Mahl, wir haben gute Beute mitgebracht.“ Er deutete auf das erlegte Reh, welches hinter ihm lag.
Während Lyssandras Mutter sich bereits um das erlegte Tier kümmerte, zeigte Lyssandra ihrem Vater stolz das endlich fertig geschnitzte Holzstück. Das Messer hatte ihr irgendwann gehorcht und so hatte sie in das Holz ein lachendes Gesicht geschnitzt. Ihr Vater klopfte ihr anerkennend auf die Schulter. „Und jetzt komm mit.“
Er führte sie zu dem toten Reh und das Mädchen hörte aufmerksam zu, als ihre Eltern ihr erklärten, wie man ein solches Tier am besten erlegen konnte. Lyssandra war stolz auf ihren Vater, der als der beste Jäger im Dorf galt. Anschließend half sie ihrer Mutter, dem Reh das Fell abzuziehen, es auszuweiden und das Fleisch in Stücke zu schneiden. Zu allem wusste ihre Mutter ihr etwas zu erzählen, wo man das Messer am besten ansetze, in welche Richtung ein Schnitt zu erfolgen hatte, welches Fleisch wofür taugte. Lyssandra saugte alles, was ihr ihre Eltern erklärten, wie ein nasser Schwamm auf. Nicht immer gelang ihr auf Anhieb, was sie tun sollte, aber für ihr Alter führte sie das Messer bereits erstaunlich geschickt.
Ihre Mutter lächelte. Sie hatte noch viel vor mit ihrem Mädchen.
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