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Re:Mol n lütt beten sück ressen 23.07.2010 17:50:36 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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"Lang lebe Yaiza!" hörte ich die Männer rufen und seufzte. Offenbar hatte Hinnak seine Lieblingsgeschichte wieder zum besten gegeben.
Ich überlegte, wie lange es dauern würde, bis in dieser Geschichte noch irgend eine Art Ungeheuer mitwirken würden.
Kopfschüttelnd ging ich sehr langsam zurück und konnte beobachten, wie Medje, offenbar aufgebracht, vom Feuer wegstürmte.
Zögernd blieb ich in der Dunkelheit stehen.
Kurz darauf stand auch Hinnak auf und entfernte sich mit hängenden Schultern.
Ich musste sein Gesicht nicht sehen um zu erkennen, wie es ihm ging.
Dennoch zögerte ich. Ich wollte nicht sein Ego trösten und auch nicht sein Selbstmitleid mittragen.
Aber wenn ich könnte, wollte ich sein Herz ein bisschen wärmen.
Leise folgte ich ihm und gab Acht, dass niemand sonst mich sah.
Hinnak ging einige Schritte aus dem Lager hinaus und lehnte an einen Baum.
Plötzlich fragte ich mich, ob er überhaupt dazu gekommen war, richtig um Ranje zu trauern.
Seit er es wusste hatte ich ihn nur pflichtschuldig erlebt. Doch so hart, wie er sich gab, war er nicht, das merkte ich schon daran, wie verunsichert er auf mich reagierte.
Ratlos blieb ich stehen, doch wie er da an dem Baum lehnte und in den Himmel sah, brach es mir fast das Herz. Schnell ging ich die letzten Meter zu ihm und berührte seinen Arm.
Als er mich ansah schüttelte ich leicht den Kopf bevor er etwas sagen konnte.
Nicht reden.
Mich auf die Zehenspitzen stellend umarmte ich ihn still und hielt den kräftigen Mann einfach in meinen Armen.
Wie auch beim letzten Mal, als ich ihm so nah war, klopfte mein Herz energisch gegen meine Rippen, doch ich ignorierte es. Leicht legte ich meinen Kopf an seine Schulter und schloss die Augen.
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Re:Mol n lütt beten sück ressen 23.07.2010 18:10:01 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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Eine Hand berührte meinen Arm und unwillkürlich zuckte ich zusammen.
So intensiv hatte ich an meinen Vater lange nicht mehr gedacht, es hätte mich nicht gewundert wenn er meinen Arm ergriffen hätte.
Wie in der Nacht nach Gunnars Tod.
Ich blickte aber in Yaizas Feengesicht.
Gerade wollte ich mich bei ihr für mein dummes Geschwätz am Lagerfeuer entschuldigen als sie ihren Kopf schüttelte und mir gebot zu schweigen.
Ich folgte, und genoss überrascht die zärtliche Umarmung und ihre Nähe.
Langsam hob ich meine Arme und legte sie um die zierliche Frau und drückte sie enger an mich.
In diesem Augenblick war ich der glücklichste Mensch der Welt und wünschte mir er würde nie enden.
In Yaizas Armen waren alle Sorgen fern und unwichtig.
Ich spürte ihren Herzschlag und mein Herz nahm den Takt an.
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Re:Mol n lütt beten sück ressen 23.07.2010 18:22:31 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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Nach einer Weile - es konnten auch Stunden gewesen sein - löste ich mich langsam von ihm,
Zuerst legte ich meine Hände an seine Wangen, dann nahm ich seine Hände in meine und sah in seine Augen.
"Wölfchen" begann ich leise "wie du dich aktuell verhältst gefällt mir nicht. Du stellst mich mit deiner Geschichte vom See in ein völlig falsches Licht.
Ich bitte dich, diese Sache auf sich beruhen zu lassen.
Außerdem solltest du keine Angst haben, dass ich dich verlassen möchte.
Ich werde an deiner Seite bleiben, solange du mich möchtest.
Hörst du? Ich bleibe bei dir. An deiner Seite.
Ich-"
In diesem Moment löste er seine rechte Hand aus meiner und legte seinen Finger an meine Lippen, damit ich schwieg.
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Re:Mol n lütt beten sück ressen 23.07.2010 18:38:36 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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Aus weiter Ferne drang eine Stimme an mein Ohr.
"Wölfchen, wie du dich aktuell verhältst gefällt mir nicht.
Du stellst mich mit deiner Geschichte vom See in ein völlig falsches Licht.
Ich bitte dich, diese Sache auf sich beruhen zu lassen.
Außerdem solltest du keine Angst haben, dass ich dich verlassen möchte.
Ich werde an deiner Seite bleiben, solange du mich möchtest.
Hörst du? Ich bleibe bei dir. An deiner Seite.
Ich-"
Sanft legte ich meinen Zeigefinger auf ihre Lippen
"schschsch
Es genügt im Moment das unsere Herzen miteinander sprechen!"
Bestimmt zog ich sie an mich und küsste sie leidenschaftlich.
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Re:Mol n lütt beten sück ressen 23.07.2010 18:46:04 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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Dieser Mann war wirklich unglaublich!
Eben noch hatte er hängende Schultern und Trauer im Gesicht, nun blitzten seine Augen und er hatte nur das Küssen im Sinn.
Würde ich ihn abweisen, dann würde er wieder schmollen.
Was sollte ich nur davon halten?
Und wie sollte uns das in irgend einer Weise vorwärts bringen?
Eigentlich hatte ich mit ihm reden wollen...ihn trösten und ermuntern.
Gut, ermuntert war er offenbar.
Nur nicht ganz so wie ich es geplant hatte.
Ach, was solls!
Reden konnten wir nachher noch.
Ich entspannte mich und ließ meinen Körper wieder gegen seinen sinken.
Über seine Arme streichend führte ich meine Hände an seine Schultern und legte sie um seinen Nacken.
Hinnak küsste verdammt gut und ich war vollstens damit einverstanden, unsere Herzen sprechen zu lassen.
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Re:Mol n lütt beten sück ressen 23.07.2010 19:21:13 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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Ich weiß nicht wie lange wir uns küssten.
Dann hob ich Yaiza hoch und ging mit ihr auf den Armen in den Wald.
"Vertrau mir!"
Wir waren ein gutes Stück in den Wald hineingegangen als ich sie wieder absetzte.
"Hier können wir reden.
Der Wald bietet uns Ruhe und Abgeschiedenheit."
Sie blickt mich zweifelnd an.
Dessen ungeachtet begann ich wieder zu sprechen
"Die Geschichte das du mich vor dem Ertrinken gerettet hast war eine Dummheit.
Es hätte sicher tausend bessere Erklärungen gegeben, aber nach dem heutigen Abend ist die Sache wohl erledigt.
Ich musste die Geschichte sooft erzählen das sie nun Jeder kennt.
Es wird nicht wieder vorkommen.
Du sagtest vorhin du willst bei mir bleiben solange ich dich möchte.
Yaiza, ich möchte dich den Rest meines Lebens um mich haben.
Ohne dich bin ich ein halber Mensch.
Ich fühle mich verloren, ohne dich!"
Nun hielt ich inne.
Wieder machte ich den Fehler das ich sie mit Worten eindeckte ohne ihr die Gelegenheit zu geben
das sie sagen konnte was in ihr vorging.
"Verzeih ich rede wieder nur von mir.
Bitte sprich du. Ich werde zuhören."
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Re:Mol n lütt beten sück ressen 23.07.2010 19:43:48 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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Ich sah zu Boden und wusste nicht, was sagen.
Um Zeit zu gewinnen stand ich kurz auf, breitete die Decke, die ich um mich gelegt hatte, auf dem Boden aus und wir setzten uns darauf.
Und nun?
Verlegen begann ich, Gras auszurupfen und sah ihn immer wieder an.
Mein Verstand hatte sich beim küssen offenbar ausgehebelt und ich schaffte es kaum, wieder ins Hier und Jetzt zurück zu kommen.
Schließlich begann ich, ohne ihn anzusehen, zu sprechen.
"Hinnak, ich...ich habe so viele Fragen.
Natürlich frage ich mich, was Du an mir findest.
Ich meine, ich kenne Ranje....kannte Ranje...sie war umwerfend schön, voller Stolz und Anmut.
Ich dagegen wirke wie ein Bauernmädchen, das in jedes Dreckloch tappt.
Rawert erzählte mir von noch einer Frau, die du einst liebtest.
Auch eine Schönheit, anmutig, stolz und sie hat dein Leben gerettet!
Ich frage mich, ob du dich vielleicht ein bisschen schnell verliebst.
Und ob ich die richtige bin - oder eben nur verfügbar.
Ich habe nicht die Klasse von Ranje und ich werde sie nie haben!
Ich bin keine schöne Frau, ich bin eher....ich weiss auch nicht.
Außerdem frage ich mich, ob du wirklich schon um Ranje getrauert hast, weil das wichtig ist für dich, und, warum du deinen Sohn nicht sehen willst...all sowas..."
Ich schwieg wieder und sah ihn dann fragend an.
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Re:Mol n lütt beten sück ressen 23.07.2010 20:16:28 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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"Sag so etwas nicht wieder, du bist eine wirklich schöne Frau.
Und nein du bist nicht nur verfügbar, ICH LIEBE DICH.
Bitte, ich bin alt genug um zu wissen was Liebe ist.
Die andere Frau von der du sprichst heißt Alexa.
Ich weiß weder wo sie ist noch ob sie überhaupt noch am Leben ist.
Sie trat in mein Leben brach mein Herz, ich zog zurück nach Friesland.
Dann trat sie wieder in mein Leben um ebenso plötzlich wieder zu verschwinden.
Ranje war in dieser Zeit für mich da, als Freundin.
Mit der Zeit haben wir zueinander gefunden.
Mein Sohn Balder!
Es vergeht kein Tag an dem ich nicht an ihn denke.
Aber ich habe die Verantwortung für meine Leute.
Was ich möchte oder gerne tun würde steht hinten an.
Ja ich habe in vielen Nächten irgendwo abseits des Lagers allein für mich um meine Frau,
um die Mutter meines Kindes, um meine Gefährtin Ranje getrauert."
Ich streichelte ihre Arme und hielt ihre Hände.
"Yaiza du bist die Richtige.
Mit dir an meiner Seite fühle ich mich erst vollständig.
Was kann ich tun um dich von meiner Aufrichtigkeit zu überzeugen?"
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Re:Mol n lütt beten sück ressen 23.07.2010 20:24:59 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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Ich sah in seine Augen und wusste keine Antwort.
Ich glaubte ihm ja, das war nicht das Problem.
Ja, was war eigentlich mein Problem?
Es war die Art, wie er seine Gefühle verschloss.
Er zeigte stets nur das, was gerade nötig war und das reichte mir nicht.
"Weisst du...." begann ich zögernd und meine Hände spielten mit seinen.
"Ich denke, die Art wie du sprichst. Du bist sehr emotional, aber da ist kaum Gefühl in Deiner Stimme.
Als würdest du von jemand anderem sprechen.
Bitte, Hinnak...lass deine Stimme so klingen wie deine Küsse sich anfühlen.
Wenn ich wirklich die Frau sein soll, mit der du dein Leben verbringen willst, dann musst du mir auch deine schwache Seite zeigen. Und deinen Schmerz."
Fragend blickte ich in sein Gesicht. "Vertrau mir." fügte ich leise hinzu und wartete.
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Re:Mol n lütt beten sück ressen 23.07.2010 21:09:01 --- 1 Jahr, 6 Monate her
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Ich blickte Yaiza an.
"Darf ich dich mit in meine Kindheit nehmen?"
Sie nickte und ich begann zu erzählen:
"Es war an irgendeinem Sommertag, mein Vater wurde jeden Tag von einem Heerzug zurück erwartet.
Das war mein zehnter Sommer.
Ich war mit Medje und Gunnar am Strand spielen.
Einige Jungen meines Alters riefen mich weg von meinen Geschwistern und wir kämpften mit Holzspeeren.
Ich war gerade Mitten im Kampf und mein Gegner hatte schon einiges eingesteckt als einer rief
Hinnak deine Geschwistern
Da ich dachte der Andere wolle mich nur ablenken reagierte ich nicht, bis ich bemerkte wie alle zum Strand starrten.
Medje und Gunnar waren weit draußen im Meer.
Ich ließ den Speer fallen, rannte zum Strand und schwamm hinaus.
Gunnar hatte Medje in den Armen und versuchte verzweifelt beide Körper über Wasser zu halten.
Medje war starr vor Panik.
Sie.. sie ist einfach ins Wasser gegangen.
Ich hab nicht aufgepasst.
Ich hab euch beim kämpfen zugesehen.
Es ist meine Schuld sei nicht böse, bitte!
Ich nahm Medje
Schon gut
Schwimm zurück ich bringe Medje ans Ufer.
Ich schwamm los.
Als ich mit Medje das Ufer erreichte blickten alle wie gebannt auf See hinaus.
Gunnar war verschwunden.
Abermals schwamm ich hinaus tauchte unter und suchte meinen kleinen Bruder.
Doch das Meer hatte ihn sich geholt.
Er blieb verschwunden.
Sie holten mich mit einem Boot zurück da ich nicht aufgeben wollte ihn zu suchen.
Wenig später stand ich meinem Vater gegenüber.
Er hatte bereits erzählt bekommen was sich zugetragen hatte.
Er blickt mich streng an
Hör auf zu weinen!
Es bringt deinen Bruder nicht zurück und es schwemmt deine Leichtfertigkeit nicht weg.
Ich sagte dir du sollst auf deine Geschwister aufpassen solange ich weg bin.
Nun ist der Bruder Tod und die Schwester nur durch die Gunst der Asen am leben.
Dann ging er weg.
Ich lief zum Schrein der Frigg geweiht ist.
Ich weinte und betete für meinen Bruder das er mir vergeben möge, das die Asen ihn in Asgard aufnahmen.
Es war bereits tiefe Nacht als mich jemand am Arm fasste.
Mein Vater, er nahm mich in die Arme und sagte
Hinnak mein Sohn, nun hast du sehr früh auf sehr schmerzliche Weise gelernt
was es bedeutet für das Leben von Menschen verantwortlich zu sein.
Und was geschieht wenn man seine Pflicht nicht ernst nimmt oder sie wenn auch nur kurz vernachlässigt.
Wir sind für das Dorf und alles was darin lebt, vor allem für die Menschen verantwortlich.
Du hast einen Fehler gemacht und ich weiß das du diesen Fehler nie mehr machst.
Jetzt höre auf zu weinen.
Medje braucht dich jetzt.
Sie lebt, Gunnar ist Tod.
Die Lebenden sind es um die wir uns sorgen müssen.
Um die Seelen der Toten kümmern sich die Asen.
Wir gingen zurück ins Dorf.
Es oblag mir Medje zu erklären wo Gunnar jetzt war und warum er nicht mehr nach hause kam.
Den Rest unserer Kindheit lies ich Medje nicht mehr einen Moment aus den Augen.
Erst nach dem Tod unseres Vaters als ich auf meinen ersten Heerzug ging ließ ich sie erstmals allein zurück, da war sie gerade acht.
Und ich hatte jetzt die Verantwortung für meine kleine Schwester, meine Mutter, ein ganzes Dorf und seine etwa 120 Bewohner."
Ich sah Yaiza an und hoffte sie hatte verstanden warum ich ihr diese Geschichte erzählt hatte.
"Gerne wäre ich bei Ranje geblieben, hätte ihre Hand gehalten und sie bei der Geburt unterstützt, aber fast dreißig Friggslunder waren irgendwo in Britania in einem Heer unterwegs.
Ihre Angehörigen im Dorf verlassen sich darauf das ich alles tue um sie wieder gesund nach hause zubringen.
Also blieb mir nur eine Wahl.
Und auch jetzt kann ich nicht einfach nach Friggslund reiten und nach meinem Sohn sehen."
Erst jetzt bemerkte ich das Tränen über meine Wangen liefen.
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