*Als Letzter hatte sich Raziel auf seinem Dromedar vom Schlachtfeld zurückgezogen, doch ohne eine Verletzung war selbst der Pharao des ägyptischen Großreiches nicht davongekommen. Ein Pfeil hatte sich zu Beginn der Schlacht in seine Schulter gebohrt und einige Schwerthiebe hatten seine Rüstung völlig zerfetzt und rot verfärbt. Sein Schwert und sein Schild waren beim Schmied und mussten ausgebessert werden, seine Wunden waren behandelt und verbunden worden vom Leibarzt des Pharaos. Nur in leichte Kleidung gehüllt und mit zusammengebissenen Zähnen saß er auf dem behelfsmäßigen Thron in seinem Zelt, als Harun ein zweites Mal dem Pharao Ägyptens eine Botschaft Abu Duns überreicht.
Dem Boten werden, während Raziel den Brief liest, einige Kratzer verbunden und Wein und Früchte aus dem Vorrat des ägyptischen Herrschers gereicht.
Nachdem Raziel fertig ist nickt er und lächelt etwas schmerzverzerrt dem jungen Boten zu, während er ihn aus seinen unnatürlich grünen Augen betrachtet*
QUOTE:
Wieder bist du zu mir gekommen und beschwerlich war deine Reise, Harun, darum mögest du die heutige Nacht in meiner Obhut verbringen und dich satt essen und von dem Kampfe erholen. Morgen kannst du mit deinem Dromedar, welches ich dir nicht stehlen wollte, sondern aus rein taktischen Gründen einbehalten habe, zu deinem Herren reiten und ihm meine Worte übermitteln.
Ich verneige mich vor der Kampfkraft der Karthager. Es war mir eine Ehre gegen sie in den Kampf gezogen zu sein, auch wenn die Gründe für dieses Aufeinandertreffen der Kulturen womöglich, wie dein Herr bereits schrieb, in unseren unterschiedlichen Auffassungen von Diplomatie begründet lagen. Sei es wie es sei, diese Schlacht ist geschlagen und Ägypten hat sie, Dank der hervorragenden Logistik und Taktik Karthagos verloren. Daran gibt es nichts zu rütteln und zu deuten, ein großer Sieg Karthagos, der uns mit Sicherheit eine Lehre für die Zukunft sein wird.
Sag deinem Herren, dass ich mich mit meinem Bruder Azazel nach Karthago aufmachen werde, um mit dem Rate Karthagos zu sprechen. Es wird mir eine Ehre sein euren Herren kennenzulernen und ich würde mich freuen, wenn es zu einer Einigung zwischen unseren Völkern kommen könnte, die für alle den gewünschten und hart umstrittenen Frieden bringen wird.
Als Zeichen, dass ich ohne Frage an einem Frieden interessiert bin, wurden die Heere meines Volkes aufgelöst und die Kommandanten führen die überlebenden Krieger zurück in die Heimat. Wir werden die Toten bergen und ihre Seelen den Göttern angemessen empfehlen, dann werden sich die Krieger auf den Weg durch die Wüste in die Heimat begeben.
Ich denke ich werde in wenigen Wochen in Karthago ankommen, doch leider nicht so schnell wie ich es mir wünschte, da die Verletzungen der Schlacht noch sehr an meinen Kräften zehren. Dennoch werde ich so schnell wie möglich mit meinem Bruder gen Norden reiten um den Frieden zu suchen.
Richtet eurem Herren bitte in aller Deutlichkeit meine Hochachtung vor dem Volke Karthagos aus, das tapferer als die meisten anderen, gegen die ich bisher angetreten bin, gekämpft und überzeugender als jedes andere jemals gesiegt hat.
*Mit einem Nicken wies Raziel die Wachen an, dem Boten ein Nachtlager zu bereiten. Harun wurde gezeigt, wo er Verpflegung finden konnte und wo sein Dromedar untergebracht war: Es war nicht mit in die Schlacht gezogen worden und war gut verpflegt im Heerlager geblieben. Die Sonne verschwand hinter den höchsten Dünen der Wüste und ein erschöpfter und nicht nur körperlich verwundeter Pharao lies sein königliches Haupt auf sein Kissen sinken.*