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THEMA: Der Gang nach Karthago
 
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Der Gang nach Karthago      08.08.2010 16:38:27 --- 1 Jahr, 6 Monate her  
Am nächsten Morgen ritt Raziel mit seinem Bruder und den vier Lastpferden erneut über das Schlachtfeld, auf dem keine Leichen mehr lagen. Die Ägypter hatten ihre Toten geborgen und die Karthager - wie es schien - ebenfalls, doch das Tal glich nicht mehr dem, das er zuvor gesehen hatte: Es war blutgetränkt und hier und da lagen vereinzelte Teile von Kriegern, die sich nicht genau zuordnen ließen und darum zurückgeblieben waren. Nun, dachte Raziel, im Jenseits werden sie ihre Finger, Beine und Arme wohl eher nicht brauchen, oder von den Göttern mit neuen ausgestattet werden.

Mit grimmigem Gesichtsausdruck ritt er mit seinem Bruder auf die Berge zu, doch weiter nördlich entdeckte er die erste Nachhut der karthagischen Truppen und hielt an.

"Bruder...lass uns am Meer entlangreiten. Wenn ich schon in Schande diese Stadt betreten muss, dann möchte ich dies wenigstens alleine und aus eigenem Antrieb tun und nicht wie ein Gefangener von der Armee durch die Türe geführt werden", sprach Raziel und klopfte dem noch düsterer blickendem Azazel auf den Rücken. "Verzage nicht, kleiner Bruder, wir haben eine Schlacht verloren und werden nun hoffentlich diesen Krieg beenden können, wichtigere und höhere Ziele erwarten uns als unser Ego gegen das karthagische zu halten und beide zu vergleichen." Aufmunternd lächelte der Herrscher Ägyptens seinem Bruder entgegen und gab seinem Pferd die Sporen, während er es nach Nordosten in Richtung des Meeres lenkte.
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Re:Der Gang nach Karthago      12.08.2010 20:07:51 --- 1 Jahr, 6 Monate her  
Die ersten Tage auf ihrer Reise waren unspektakulär vergangen und die Ebenen von Qasr el Azraq zogen unter den Hufen ihrer Pferde immer leicht bergauf dahin. Die Gegend war eintönig und beinahe unbewohnt. Nur selten trafen sie auf Wanderer, Soldaten oder Grenzpatrouillen. Landschaftlich gesehen waren sie der Steinwüste zwar entkommen, aber die trockene Steppe des südlichen, karthagischen Reiches bot nur selten Flüsse oder Seen, an denen sie ihre Wasservorräte aufstocken und ein Reh oder etwas vergleichbares jagen konnten.

Am Abend des siebten Tages ihrer Reise, erreichten Azazel und Raziel endlich die letzte Erhöhung vor dem Meer und gerade als die Sonne unterging konnten sie das schöne Panorama eines feuerroten Balles, der in den schier endlosen weiten eines unendlich scheinenden Meeres versank betrachten. Das Land hinter der geographischen Klimax schein fruchtbar und dichter besiedelt, kleine Dörfer konnten sie erkennen, in denen Fackeln aufflammten, jetzt, da die Sonne sich für eine weitere Nacht zurückzog und den Sternen und dem Mond die Herrschaft über das Meer der Nacht übergab.

Die nächsten Tage verliefen relativ ereignislos. Mit Speeren fischten sie in den Gewässern und sie mieden die Dörfer und die Städtchen an den Meeresufern. Raziel wußte nicht, wie bekannt sein Gesicht in den provinzialen Dörfern Karthagos war, doch er war ein Fremder und Fremde die schwer bewaffnet auf teuren Pferden ritten, waren sicherlich nicht gerade willkommen oder für Räuberbanden ein gefundenes Fressen. So hielten sich die Brüder im Verborgenen, doch je näher sie der Hauptstadt des Reiches kamen, desto dichter wurde die Bevölkerungsdichte: Am sechzehnten Tag ihrer Reise konnten sie keinen Tag reiten ohne einen neuen Bauernhof, ein neues Dorf oder eine neue Stadt passiert oder - gezwungenermaßen - durchquert zu haben.

Das Meer rechts von sich und das fruchtbare Land Nordafrikas zu ihrer Linken, ritten Azazel und Raziel einem ungewissen Schicksal entgegen. Der Krieg war noch nicht vorüber, nur weil das Heer der Ägypter sich wie gefordert aufgelöst hatte und so nagten Zweifel an dem jungen Pharao. War es richtig gewesen seine Brüder und Schwestern, seine treuen Soldaten und Freunde alleine die beschwerliche Reise in die Heimat antreten zu lassen? Es wäre ein Leichtes für die Karthager, sie in der Wüste abzufangen und zu töten. Nun, er musste hoffen, dass seine Königin die Krieger sicher nach Hause bringen würde. Er hatte Nefertari eine Botschaft nach Alexandria geschickt, sodass sie wusste, dass es ihm gut ergangen war...wenn sie denn jemals nach Hause kam.

Brutal verwarf er diesen Gedanken. Seine Sorgen um sein Volk und seine Königin waren schon schlimm genug, auch ohne, dass er sich Schauermärchen und Flausen in den Kopf setzte. Der zwanzigste Tag ihrer Reise neigte sich dem Ende zu und immer häufiger hatten sie in Tavernen und Gasthäusern übernachtet. Grimmige Gestalten, die es in der Nähe jeder Großstadt gab wurden meist durch den Blick Azazels genug eingeschüchtert um sich auf Abstand zu halten, waren sie ihnen zu nahe gekommen, hatte in allen Fällen das Ziehen des Schwertes genügt um Möchtegernbanditen zu verjagen. Als sie nun am zwanzigsten Abend einen geeigneten Platz zum Rasten suchten, entschieden sie sich für die Flanke eines kleinen Berges, der auf einer kleinen Landzunge, die ins Meer ragte aufstieg. Sie hatten nicht zu erwarten, dass von der Ostflanke jemand angeschlichen kommen würde, denn die Ostflanke bildete eine etwa siebzig Meter hohe Klippe. Die Westflanke hingegen war leicht bewaldet und bot perfekten Schutz und eine gute Aussicht. Bis sie eine geeignete Stelle gefunden hatten war die Sonne bereits verschwunden und die Sterne funkelten an einem fremden Himmel. Raziel überlies Azazel die Arbeit das Lager aufzuschlagen und stieg bis zur Bergspitze auf, von der aus er Ausschau in Richtung Westen halten wollte, doch oben angekommen zog etwas im Norden seinen Blick auf sich:

Ein wahres Meer aus Fackeln funkelte etwa einen Tagesritt entfernt und schien damit den Himmel imitieren zu wollen. Wie Sterne in der Düsternis funkelten die Feuer der nahen Stadt und Raziel wusste, ihre Reise war vorerst zu ende. Hier stand er nun und blickte auf das Herz ihrer Feinde, welches sich - ganz ähnlich dem Herzen seines eigenen Volkes - an die Küste schmiegte und den Fluten trotzte. Hier stand er, hoch über den grünen Ebenen Ergs und blickte hinab auf die Stadt der Häfen:

Er blickte auf Karthago...
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Re:Der Gang nach Karthago      15.08.2010 02:01:52 --- 1 Jahr, 6 Monate her  
Als Azazel das Lager aufgeschlagen hatte, kehrte Raziel zurück von der Bergspitze und erzählte ihm, was er gesehen hatte. Azazel - stoisch wie immer - nickte nur und meinte, dass der morgige Tag wohl ein wenig aufregender werden würde, als die langen Tage in der, wenn auch zivilisierten, Wildnis des karthagischen Reiches. Früh legte er sich schlafen und ließ den Pharao mit seinen Gedanken allein. Raziel dankte es ihm innerlich, viele Fragen gingen ihm durch den Kopf.

Es war sicher nicht königlich, wie er hier untergebracht war, doch es störte ihn nicht. Einen Sohn der Götter hatten sie ihn genannt, doch stimmte das wirklich? Würde der Sohn der Götter eine so wichtige Schlacht wie die gegen Karthago verlieren und seiner Nation die Beschwerlichkeit eines langen Marsches durch die Wüste aufbürden? Sein Volk war verletzt, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Er hatte gesehen, dass viele seiner Hauptmänner und Generäle sich die Niederlage sehr zu Herzen nahmen und er gab sich selbst die Schuld dafür. Die Sterne leuchteten mit der nahen Stadt Karthago um die Wette, die hinter dem Bergkamm verborgen lag, wie ein Juwel tief im Gestein der Welt.

Nicht viele Juwelen dieser Art gab es, viele waren aufgestiegen und wieder untergegangen. Karthago bildete mit Rom, Alexandria und Athen eine Ausnahme. Ob es im hohen Norden ähnlich großartige Städte, eine ähnliche Zivilisation geben konnte? Von den Horden die er aus dem Norden gesehen hat, konnte man nicht darauf schließen, dass sie so etwas wie "Zivilisation" kannten. Sicher kannten sie Loyalität und Zusammengehörigkeit, doch auch Tiere waren veranlagt innerhalb des Rudels loyal zu sein und das Rudel oder die Herde selbst waren ein Ausdruck der Zusammengehörigkeit. Und doch hatte Hilde Tolle von Räten und Regierungen im Norden gesprochen, ganz ähnlich, denen im Mittelmeerraum, wenn auch weniger organisiert. Er kannte den Senat Roms und die Räte Griechenlands. Natürlich kannte er auch seine eigene Heimat, doch wie würde der Rat der Karthager funktionieren? Wie konnte er ihn davon überzeugen, dass Konkurrenzkampf im Mittelmeer nur zur Annihilation führen würde? Er würde wohl darauf hoffen müssen, dass der Rat seiner Logik folgen würde, auch wenn der Melek Karthagos in der Vergangenheit wenig Grund zu der Annahme gezeigt hatte, dass er bereit war sich vom Pharao des ägyptischen Großreiches irgendetwas sagen zu lassen, auch wenn der Briefwechsel mit dem Sufet Abu Dun auf anderes hoffen ließ.

Hoffnung. Sie war es, die ihn trieb dieses Wagnis aufzunehmen und allein, ohne Leibgarde, ohne Armee, ohne Soldaten oder Berater nach Karthago zu reiten. Er zwang sich der Zivilisation des karthagischen Reiches zu vertrauen und hoffte darauf, gleichermaßen Vertrauen zu ihm hervorzurufen. Karthago und Ägypten waren Konkurrenten im Handel und auf den Meeren und keine Nation konnte etwas gewinnen, weder Macht noch Ruhm, wenn sie sich selbst bei dem Versuch vernichtete, den ewigen Konkurrenten unschädlich zu machen.

Seufzend rutschte der ehemalige Wesir des Krieges ans Feuer um einen Krieg von ganz anderer Art zu führen, nämlich seiner Frau einen weiteren Brief zu schreiben in dem er ihr - trotz seiner Unsicherheit was die Zukunft für ihn in Karthago bereithalten würde - versicherte, das es ihm gut ging und alles in bester Ordnung sei. Er konnte es nicht riskieren, dass Interna der Ägypter in falsche Hände gerieten, der Verrat Thalias hatte ihn schwer getroffen und er war nicht bereit weitere Risiken einzugehen, indem er wichtige Informationen auf einem Papyrus durch die halbe Welt schickte.

Nachdem er den Brief geschrieben und sicher verstaut hatte - er würde ihn am nächsten Tag in Karthago abschicken - legte er sich wieder zurück und betrachtete die Sterne, als könnten sie ihm eine Antwort auf die Frage geben, ob er sich offen an den Stadtmauern zu erkennen geben sollte, oder Nachts in der Menge verschwindend, sich in die Stadt schleichen sollte. Irgendwann begannen die Sterne zu verschwimmen. Gesichter der im Kampf sterbenden Krieger erschienen vor seinen Augen und er erlebte die Schlacht in seinen Träumen erneut, bis die kräftige Hand seines Bruders ihn aus seinen unangenehmen Träumen riß und das Licht des Tages in seine müden, unausgeruhten Augen stach.

Ein Gutes hatten die Träume gehabt, er hatte eine Entscheidung getroffen, bzw. ihm wurde die Entscheidung abgenommen: Basierend auf welchem Grund auch immer, appelierte eine kleine Stimme in seinem Innern, die sich selbst großspurig als "Stolz" vorstellte, an seine Ehre und seine Courage, sodass ihm keine andere Wahl blieb - ohne endlose Diskussionen mit sich selbst zu führen - als offiziell in die Stadt zu reiten.

So geschah es, dass die Brüder ihr Lager abbrachen und die letzten Meilen zur Stadt zurücklegten. Raziel hatte sich in die beste königliche Tracht gekleidet und sein goldenes Stirnband aufgesetzt, das ihn als Pharao des ägyptischen Reiches auszeichnete. Um seinen Hals hing eine schwere Goldkette, an dessen Ende ein ebenfalls goldenes Ankh hing, während an seiner Hüfte - wie im Kontrast zu seinen goldenen Herrschaftsinsignien, das schartige Kopis, das er im Kampf trug und schwang. Er war ein Herrscher, der im Gegensatz zu der ägyptischen Tradition, an vorderster Front kämpfte, wenn seine Armee in den Krieg zog und dies repräsentierte er nun.

Die Tore Karthagos waren schwer bewacht, doch offen und einladend, ganz ähnlich seiner Heimatstadt Alexandira. Die Straßen, die zu diesen Toren führten waren voller Menschen, doch als Raziel und sein Bruder, der ebenfalls edel gekleidet war, sich den Toren näherten, wichen die Händler und Bauern zur Seite um dem königlichen Bruderpaar den Weg zu bereiten. Raziel kam sich vor, als ritte er eine Allee entlang, nur dass die obligatorischen Bäume oder Säulen hier in Karthago, in diesem Moment, aus Fleisch und Blut bestanden. Niemand verneigte sich vor dem fremden Herrscher, doch aufgebrachtes Getuschel und Gemurmel ertönte seitwärts, als Raziel vor das große Haupttor ritt und verkündete:

"Krieger Karthagos, ich grüße euch. Ich bin Raziel, Pharao des von den Göttern geliebten, ägyptischen Großreiches. Ich bin vom Krieg verwundet und ich erbitte euch mich zu dem Palast Abu Duns zu führen, auf dessen Einladung ich in eure Stadt kam."

Ungläubig wechselten die Stadtwachen einen Blick. Der Pharao Ägyptens? Ohne Garde? Ohne Soldaten? Ohne Armee, hier allein vor den Toren der Stadt? Doch Raziels grüne Augen und die Aura der Macht, die ihn umgab, ließen sie seiner Bitte folge leisten und eine kleine Eskorte geleitete den Pharao durch das Meer aus Händlern, Kriegern und Bauern tiefer in die Stadt...
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Re:Der Gang nach Karthago      15.08.2010 17:17:47 --- 1 Jahr, 5 Monate her  
Manch einer mag Karthago mit einem Ameisenhaufen vergleichen, andere als Perle des Mittelmeeres und wieder andere mit der puren Zivilisation. Manch einer mag aber auch sagen, Karthago hat von all dem etwas. Fakt ist jedenfalls, dass Pharao Raziel nun von einer kleinen Garde durch die große Stadt geführt wurde. Überall wimmelte es von Menschen. Händler boten Waren aus aller herren Länder feil, Träger brachten diese an ihren Bestimmungsort. Hier und dort sah man auch einen Händler, der Barbaren aus dem Norden als Sklaven feil bot. An anderer Stelle sah man selbige Barbaren aber im Kreise einiger Menschen sich als große Krieger feiern. Ja, hier zählte nicht, woher man kam, sondern was man aus sich gemacht hat und wieviel Geld man besaß.
Wie ein Schiff auf der See das Meer teilte dabei die Garde die Menge, so dass Raziel und sein Begleiter problemlos die Straßen entlang reiten konnten. Immer wieder hielten die Menschen inne und beobachten die hohen Persönlichkeiten, welche da ihren Weg kreuzten. Ab und zu konnte man sogar einen ägyptischen Händler beobachten, der beim Anblick seines Pharao auf die Knie ging.

Abseits der großen Handelsstraßen wurden die Gassen enger und ungemütlicher. Doch diese Orte würde der Pharao aber nicht zu sehen bekommen. Ganz im Gegensatz zu dem Boten, welcher gerade durch diese Gassen eilte. Schließlich musste Abu Dun rechtzeitig von der Ankunft des Pharao unterrichtet werden.

Nach einigen Minuten in den belebten Handelsstraßen bog die Eskorte des Pharao schließlich in die große Prunkstraße Karthagos ein. Vor Raziel breitete sich nun eine breite Straße aus, gesäumt mit einer Reihe von Bäumen und kleineren Springbrunnen. Hier gab es keine Händler mehr. Die Leute gaben sich hier eher den Klängen von Flötenspielern und den Geschichten weiser Männer hin. Als bald würde diese Straße zum großen Platz führen, wo sich das Gebäude des Rats und der Palast des Melek befanden. Von dort aus führte die Straße weiter zur Arena und zum Hafen. Rechts und links der Straße wohnten die reichsten Bürger Karthagos und diese stellten ihren Reichtum auch gern durch ihre Häuser zur Schau...

Abu Duns Stadtpalast lag kurz hinter dem großen Platz, welchen der Pharao mittlerweile überquert hatte. Ohne zu zögern öffneten sich die Tore des Grundstücks. Dahinter zeigte sich eine dreistöckige Villa mit zwei Türmen. Gebaut war sie in Form eines U mit einem kleinen Platz in der Mitte. Durch einen kleinen Durchgang konnte man schon erahnen, dass sich dahinter wohl noch ein kleiner Garten anschloss. Kaum hatten Raziel und sein Begleiter das Anwesen betreten, eilte auch schon ein junger Brusche herbei, welcher sich um ihre Tiere kümmern wollte. Die Garde, welche sie bisher durch die Stadt gelotzt hatte, wurde hingegen von einer einzelnen Wache abgelöst. Nach kurzer formeller Begrüßung wurden Raziel und sein Bruder durch einige Gänge hin zu Abu Dun geführt. Immer wieder sah man hier Statuen von Kriegern und auch Waffen aus verschiedensten Ländern wurden hier ausgestellt. Man merkte deutlich, dass man sich hier im Palast eines Kriegers befand.

Ganz überraschend hatte die Nachrricht von Raziels Ankunft Abu Dun erreicht. Schon fast hatte er garnicht mehr damit gerechnet, dass der Pharao in Karthago erscheinen würde. Lag die große Schlacht doch nun schon einige Zeit zurück. Um so mehr fuhr Abu Dun nun seine Diener an, alles für die Ankunft des Pharao vor zu bereiten. All zu lange würde es ja sicher nicht mehr dauern, bis er bei ihm eintreffen würde...

Als Raziel in den kleinen Saal geführt wurde, stand zum Glück alles bereit. Ein großer Tisch in der Mitte, gedeckt mit jeder Menge Obst und einigen Karaffen Wein und Wasser. Abu Dun war in einen edlen Kaftan gekleidet und saß auf einem großen Kissen am Kopf der Tafel, rechts und links lagen welche für Raziel und seinen Bruder bereit. Als Abu Dun den Pharao erblickte, erhob er sich und lächelte freundlich.
Ah, werter Pharao Raziel. Es ist schön zu sehen, dass du wohlbehalten in Karthago angekommen bist. Nehmt doch bitte Platz. Für heute Abend sollen du und dein Bruder meine Gäste sein.... Der Rat von Karthago wird euch dann Morgen empfangen.


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Re:Der Gang nach Karthago      16.08.2010 23:51:03 --- 1 Jahr, 5 Monate her  
Der Anblick der Palastfassade war für den luxusverwöhnten Krieger aus Ägypten sicher nichts, was er nicht schon in ähnlicher Ausführung gesehen hatte, doch empfand er die Säulen und Fresken durchaus ansprechend genug um anerkennend zu nicken, als er durch das Tor ritt. Das Grün, das den Palast umgibt findet sein Wohlgefallen und so nahm er sich vor, später am Abend einen Spaziergang durch den weitläufigen Garten zu unternehmen.

Es war schon erstaunlich, fand Raziel, dass Krieger oder Könige, Soldaten oder Sklaven, Bauern oder Bürger alle die Angewohnheit hatten in einer Stadt das Grün und die Natur zu pflegen. Wohlgestutzt oder zumindest zweckdienlich gezähmt natürlich, ein kleines Universum in dem man selbst Gott war, doch nichtsdestotrotz suchte die Menschheit in ihrer immer größer werdenden Zivilisation und Urbanisierung immer nach dem Grün. Seien es Parks oder Plantagen, Wiesen oder Gärten, Blumenbeete oder Miniaturkräutergärten auf einer Fensterbank.

Das nächste Bemerkenswerte waren die Schmuckstücke des Palastes des Abu Dun, die eindeutig darauf hinwiesen, dass der Hausherr weniger Kunst in Säulen, Statuen, Gemälden, Malereien oder Vasen sah, sondern das kühle, geschmiedete, scharfe Metall von Schwertern, Speeren oder Sicheln und der Glanz einer frisch polierten Rüstung eher als Kunst bezeichnete. Also doch ein gewaltiger Unterschied zwischen uns, dachte Raziel, der diese Art von Verzierung eher in einer Soldatenunterkunft als in seinem Herrschaftspalast begrüßen würde und wenn, dann vielleicht nur in dem Zimmer, in dem Erbstücke aufbewahrt wurden.

Nachdem er den Speisesaal betreten und die freundlichen Worte des Hausherren gehört hatte, verneigt sich Raziel leicht und lächelt den Kriegsfürsten Karthagos an, bevor er mit freundlicher Stimme und in perfektem Punisch zu ihm spricht.

"Werter Abu Dun, ich freue mich eure Einladung angenommen zu haben, denn auch wenn unsere Kulturen sich voneinander unterscheiden, so scheint es dennoch auch viele Gemeinsamkeiten zwischen unseren Völkern und Städten zu geben. Ich danke euch und hoffe, dass ein ruhiger, schöner Abend und ein konstruktiver Tag vor uns liegen.

Das Essen gestaltete sich als spektakulärer, als Raziel und sein Bruder sich vorgestellt hatten, waren die Spezialitäten, die der Sufet hatte auftragen lassen, doch von äußerster Köstlichkeit und dennoch in der Art wie sie gekocht und zubereitet waren etwas neues für den verwöhnten, ägyptischen Gaumen. Das Essen wurde mit einem Trinkspruch des Sufeten beendet und starker Honigwein wurde herumgereicht, nachdem man den Speisesaal verlassen und einen gemütlichen, mit Kissen und Polstern ausgelegten Raum betreten hatte.

Eine besondere Überraschung waren die exotischen Tänzerinnen, die die Gespräche Abus, Raziels und Azazels oftmals schwerer machten, als sie vielleicht gewesen wären. Nicht, dass Mißstimmung herrschte, doch der Anblick und die sehr exquisiten Bewegungen der Schönheiten aus Karthago und der näheren Umgebung, hielten oftmals nicht nur die Augen der Gäste für einen Moment gefangen und verschlagen ihnen die Sprache. Es wurde viel Gelacht und Getrunken, doch nie zu viel um die höflichen und anregenden Gespräche gänzlich zum Verstummen zu bringen, auch wenn die Themen dieser Gespräche in diesem großen Rahmen - es waren noch einige Diener und weitere Gäste anwesend, die Raziel als Soldaten und Hauptmänner teilweise vom Schlachtfeld wiedererkannte - natürlich eher dem zurückliegenden Kampf, den Frauen, Waffen und dem Handel zuzuordnen waren. Politik war im Haus des Sufeten kein Thema.

Außerhalb des Hauses jedoch schon. Raziel hatte Azazel mit einigen karthagischen Kriegern allein gelassen, die ihm gerade versuchten - trotz des Alkohols - ein Kartenspiel beizubringen, während eine der Tänzerinnen ihn, auf seinem Schoß sitzend, ablenkte und mit Abu Dun den Palast verlassen. Der Garten, durch den Abu Dun ihn führte war sehr ähnlich seinem eigenen und der Sufet konnte sehen, dass sich der Pharao sehr wohl fühlte. Es war wie ein Stück der Heimat in einem so fremden Land und lange nachdem die Sonne schon untergegangen war, schlenderten die beiden mächtigsten Männer Nordafrikas durch den Garten und besprachen dieses Gerücht und jene politische Entwicklung. Ein Beobachter hätte sicher geglaubt, alte Freunde bei einem Gespräch zu beobachten und sie verstanden sich wirklich gut, auch wenn es grundsätzliche Dinge gab, bei denen sie wohl nie einer Meinung sein würden. Gegenseitiger Respekt war wohl die größte und wichtigste Gemeinsamkeit, die sie hatten und pflegten, doch eine innige Freundschaft würde es wohl nie werden: Sie waren beide Krieger, doch wo Raziel mit der Zeit als Pharao eine umfangreiche politische und rhetorische, linguistische und diplomatische Ausbildung genoßen und in all diesen Bereichen weitreichende Erfahrungen gemacht hatte, war Abu Dun von ganzem Herzen ein Krieger. Er war nicht ungebildet, ganz im Gegenteil, doch war sein Feld eindeutig der Kampf und der Krieg, die Taktik und die Strategie, Dinge, die Raziel zwar zum Teil in seiner Zeit als Kriegswesir erlernt hatte, die er aber nun liebendgern anderen überließ.

Die Nacht war noch nicht weit fortgeschritten, als die beiden sich schließlich zur Ruhe begaben, der nächste Morgen würde anstrengend, lang und für die beiden Großreiche an der Nordafrikanischen Küste wichtig werden. Keiner der beiden Männer wollte diesen Tag unausgeschlafen und mit brummendem, alkoholgeschwängerten Kopf beginnen.
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Re:Der Gang nach Karthago      17.08.2010 00:52:10 --- 1 Jahr, 5 Monate her  
Raziel war vor dem Sonnengott auf den Beinen und genoß - frisch gewaschen und hergerichtet - vom Dach des Palastes, auf den er geklettert war, wie jeden Morgen den Sonnenaufgang. Mit einer Verneigung begrüßte er Ra und als ein rauher Wind vom Meer seine Haare zerzaust und sein Gewand umspielt, begrüßt er mit eine weiteren Verbeugung seinen persönlichen Schutzpatron Seth.

Gut gelaunt, ausgeruht und ein wenig aufgeregt begab er sich in den Speisesaal, wo sie gemeinsam mit Abu Dun und den Kriegern frühstückten, die in dieser Nacht eine Unterkunft im Palast des Sufeten gefunden hatten. Wie man sehen konnte, als man in die verkaterten Gesichter schaute, wäre eine Heimreise wohl so oder so nicht mehr möglich gewesen. Raziel schmunzelte, als er bemerkte, dass Azazel nicht da war, er lag wohl immernoch mit der schönen Tänzerin im Bett.

Nach dem Frühstück wanderten Abu Dun und Raziel gemeinsam durch die Straßen Karthagos, die - ähnlich wie in Alexandria - nie zur Ruhe zu kommen schienen. Nun war die Nacht vorbei und das gesellige Beisammensein, das Austauschen von Geschichten und das Spielen, Trinken und die sonstigen Vergnügungen, die im Schein der Fackeln mehr Spaß machten, als bei hellem Tage, wurden von harten Verhandlungen und lauten Disputen über Preise und Waren abgelöst.

Die Menge lichtete sich, als sie auf den großen Platz vor dem Ratsgebäude traten und selbst die Philosophen, die dort ihren Schülern die Welt und alles rund um sie und in ihr erklärten und beibrachten, verstummten für den Moment und beobachteten wie Raziel, der Pharao Ägyptens und Abu Dun, Sufet Karthagos das Ratsgebäude betraten. Ionische Säulen säumten den Eingang und eine Inschrift in kursiver, phönizischer Schrift zierte das gewaltige Gebäude, deren Hauptteil von einer runden Kuppel bedacht war.

Sie traten durch die schöne Pforte aus Ebenholz und damit direkt in die runde Ratshalle. Das Interieur bestand aus einer steinernen Tribüne die im Halbrunde nicht weniger als sieben Sitzreihen, nur unterbrochen durch kleine Treppen, zählte. Die Sitzreihen waren voll von teils freundlichen, teil grimmigen Gesichtern, alle wirkten allerdings nachdenklich und verstummten, als die letzten beiden Nachzügler den Rat betraten.

Raziels Blick schweifte über die Reihen und er blieb allein in der Mitte zurück, als Abu Dun seinen Platz im Rate Karthagos einnahm. Der Pharao wartete geduldig, bis der Rat eröffnet wurde und man ihm das Wort erteilte.
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Letzte Änderung: 2010/08/17 00:52 von o o o.
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Hannibal Barka

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Re:Der Gang nach Karthago      17.08.2010 19:52:33 --- 1 Jahr, 5 Monate her  
Unter der Kuppel des Palastes fand sich Hannibal unter den anderen Mitgliedern des Rates wieder.
In einen weissen repräsentativen Linothorax gehüllt, der im Kontrast zu seiner schwarzen Haut stand, harrte es bereits auf seinem Thron sitzend, der Ankunft des letzten Sufeten und seines Gastes.
Seine Ratsbrüder standen in zwei Gruppen geteilt an verschiedenen Stellen der Halle.
Der Rat war uneins dieser Tage und es kristallisierten sich in den vorangegangenen Tagen zwei Fronten heraus, die sich hinter den beiden namhaftesten Ratsmitgliedern jeweils zusammenschlossen.

Aus dem Augenwinkel fiel Hannibal die hektik unter den Palastwachen auf, die sich langsam ausweitete.
Mit dem Blicke den Mannen folgend, bemerkte er die Gestalten die vor dem großen Tor des Palastes die Stufen erklimmten und in kürze die Torschwelle übertreten würden.
Es entging aber auch den anderen Sufeten nicht und die Gruppen zerstreuten sich, da ein jeder seinen Sitzplatz aufsuchte und sich darauf niederließ.
Nachdem auch Abu Dun schließlich den Marmor unter der Kuppel überquert und seinen angestammten Platz einnahm, erhob sich Hannibal von seinem Thron und eröffnete den Rat.

"Im Namen der Stadt Karthago und unseres Melek, heisse ich euch in diesen ehrwürdigen Hallen willkommen, König Ägyptens.
Eure Bitte nach dem Gehör Karthagos wurde statt gegeben und hier seht ihr - im Plenum - die Sufeten des Reiches."


Die Arme erhoben, zeigen sie über die Zahl der anwesenden, sitzenden Männer.
Aus dem Hintergrund näherten sich vier Sklaven und stellten neben Raziel, mittig unter die Palastkuppel einen Stuhl, der in Art und Zier nicht weniger prunkvoll war als die anderen, die sich in diesem Raum vorfanden ließen und es folgte eine einladende Geste, dass der Pharao doch platznehmen möchte.

"Ich bin Sufet Hannibal Barka, Karthagos erster Feldherr.
Euer gescheiterter Versuch, in Provinzen einzufallen die unter der Hoheit und Schutz Karthagos stehen, war dem eh schon angespannten Verhältnis beider Mächte keines Falls zuträglich.
Deshalb, wie zur Begrüßung, kann ich ebenfalls im Namen der Stadt sprechen, wenn ich die Frage an euch richte, welch Anliegen ihr nun dem Rat unter dem Vorsitz des erhabenen Melek Pygmalion vorzubringen habt."
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Re:Der Gang nach Karthago      19.08.2010 16:57:39 --- 1 Jahr, 5 Monate her  
Raziel strich sich über das stoppelige Kinn und betrachtete die Menschen vor sich, nachdem er sich gesetzt hatte. Ein wenig fühlte er sich wieder in die Zeit zurückversetzt, als sein Lehrer ihm und einigen Altersgenossen die punische und phönizische Sprache beigebracht hatte. Seine Mitschüler waren heute Ranghohe Generäle, Händler oder selbst zu Lehrern geworden, während er die - seiner Meinung nach - höchste Bürde auferlegt bekommen hatte. Ein General, so dachte Raziel, hatte es leicht. Er befolgt Befehle oder gibt sie, die Verantwortung übernimmt nicht er, sondern stets der Pharao. Natürlich war ein General immer den Launen seines Herrschers ausgesetzt und konnte nur allzuleicht den Kopf verlieren, wenn er den Pharao schlecht beriet, doch dies geschah äußerst selten. Davon ab waren Enthauptungen in Ägypten so oder so nicht üblich. Generäle waren kostbar, auch wenn sie von Zeit zu Zeit versagten. Ein Händler hatte es noch leichter als ein General. Er kauft Ware günstig und verkauft sie dort, wo sie gebraucht wurde teuer. Ein einfaches Prinzip und es gab keinen, der einem Händler vorschrieb wo er was zu verkaufen hatte und zu welchem Preis. Händler hatten manchmal Schulden, aber Schuldner neigten nicht dazu Händler umzubringen, schon gar nicht auf eine solch zeremonielle Art und Weise wie ihnen den Kopf abzuschlagen. Schuldner wollten Geld von den Händlern und wenn diese nicht bezahlen konnten, dann mussten sie eben härter arbeiten. Und Lehrer, nun...Lehrer hatten eine Verantwortung, aber noch nie hatte Raziel davon gehört, dass ein Lehrer getötet, enthauptet oder auch nur den Krokodilen zum Fraß vorgeworfen wurde, weil der Schüler nicht gelernt hatte. Lehrer hatten es am aller Besten, denn Lehrer konnten die Schüler für ihre Unfähigkeit verantwortlich machen und auch Raziel hatte ein ums andere mal den Bambusstock seines Lehrers gespürt, wenn er die Vokabeln des Punischen nicht richtig aufsagen konnte.

Nun sah er sich einem ganzen Saal voller Leute gegenüber die das Punische besser sprachen als er je träumen konnte es zu sprechen und ein wenig nervös war er, als er sich erhob und unter den Strengen blicken des Rates Karthagos zu sprechen begann.

Werte Ratsmitglieder der blühenden Stadt und Metropole des westlichen Mittelmeers Karthago, ich danke euch für die Gastfreundschaft, die ihr mir entgegenbrachtet.

Ich bin der Einladung des Sufeten Abu Duns gefolgt um dem karthagischen Rat darzulegen, in welcher Situation sich unsere Reiche befinden, aus der Sicht Ägyptens und damit will ich ohne Umschweife auch anfangen, bevor ich dazu komme, welche Zukunft ich mir für unsere Reiche wünsche.

Ägypten und Karthago hat viele Jahre friedlich nebeneinander hergelebt. Es gab Absprachen und Grenzen, die wir als unsere Interessenssphären betitulierten. Unsere Reiche sind weit genug auseinander um bei ihrer Ausbreitung nicht von dem jeweils anderen Gestört zu werden, weshalb wir mit dem ehrenwerten Melek die Übereinkunft trafen, dass die heute sikelische Provinz Cyrenaika als Grenzstein zwischen unseren Reichen dienen solle. Diese Vereinbarung wurde Seitens des karthagischen Reiches gebrochen. Man wolle Handelshäfen in Jabal und auf Zypern errichten hieß es damals in der offiziellen Depesche des Meleks an mich. Gleichwohl dieses genug gewesen wäre um einen Kriegszustand zwischen unseren Reichen hervorzurufen, da die Flotten Karthagos am Horizont gesichtet wurden, bevor die Depesche den Weg zu mir fand, wurde ein hochrangiger Karthager in Ägypten von Wachen festgenommen und eingekerkert, sein Name ist Antigonos und ich denke, auch wenn ich ihn auf Anhieb nicht sehen kann, er ist ebenfalls anwesend.

Wie dem auch sei, der Konflikt spitzte sich zu und Karthago griff das ägyptische Reich an und musste einsehen, dass Ägyptens Mauern und Soldaten standhielten.

Weitere Jahre flogen ins Land und der alte Groll kam - jedenfalls in Ägypten - nie ganz zum Schweigen. Wir fühlten uns betrogen und hintergangen und so kam es, dass ich entschied, dass Karthago abgestraft werden müsse, bevor der Krieg endlich beendet werden kann. Meine Intention war es, Karthago zu besiegen und es mit einer Schelte davonkommen zu lassen.

Was mich letztlich dazu bewegte nun hier vor dem Rate Karthagos vorzusprechen wissen wir alle. Die ägyptische Armee hat versagt und Karthago hat weder eine Schelle abbekommen, noch sonstige Restriktionen in Kauf nehmen müssen.

Auch wenn es die Geschichte nie gleich verläuft, so verlief sie doch sehr ähnlich: Ägypten griff das karthagische Reiche an und musste einsehen, dass Karthagos Mauern und Soldaten standhielten.

So könnte und so würde es vermutlich nun weitergehen, wenn mich nicht die Worte Abu Duns, den ich in den letzten Wochen und Monaten sehr schätzen gelernt habe, überzeugt hätten, dass für Karthago der Krieg zum Zeitpunkt der Niederlage in Ägypten beendet gewesen ist. Hätte Pygmalion damals - und hier muss ich leider dem Rate Karthagos und dem Melek die Schuld geben - diesen Gang nach Alexandria in Kauf genommen und nicht stattdessen Siegesfeiern über Ägypten veranstaltet, obwohl nichts erreicht wurde, hätten unsere Reiche sich viele Qualen und Tote erspart, denn Ägypten war nie an einem Krieg zwischen unseren Reichen gelegen.

Es ist wahr, dass der Sieg über den Erzrivalen dem Sieger großen Ruhm bringen würde, doch sehe ich nicht, dass Ägypten oder Karthago in einem anhaltenden Krieg als Sieger hervorgehen könnte. Keines unserer Reiche ist stark genug um das andere in die Knie zu zwingen und die einzigen, die von einem solchen Krieg profitieren könnten sind andere Mächte, die mit dem rechten Auge neidisch auf Karthago und mit dem linken Auge, an ihrer langen Stiefelnase vorbei, auf Alexandria blicken.

Somit bin ich heute vor den Rat des mächtigen Karthago getreten um als Pharao und Herrscher meines Reiches die Hand zum Frieden zwischen unseren Völkern zu reichen, aufdass Karthago und Alexandria weiter erblühen, wachsen und gedeihen können, ohne das das Feuer des Krieges die grünen zweige verbrennt.


Raziel atmete tief durch und nahm nach einer höflichen Verbeugung wieder Platz, um dem Spreche des Rates die Möglichkeit zu geben sich zu erheben und das Wort wieder zu ergreifen.
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Re:Der Gang nach Karthago      20.08.2010 23:10:28 --- 1 Jahr, 5 Monate her  
Kaum hatte der Pharao zu Ende gepsorchen, wurde es laut im Saal. Lautstark wurde diskutiert über das gesagte des Pharao. Dabei konnte man deutlich heraus hören, dass einige Ratsmitglieder ganz und garnicht erfreut waren über die Worte Raziels. Die Anschuldigungen gegen den Melek und den Bruch eines Vertrages aus vergangener Zeit erhitzte die Gemüter. Andere aber schienen auch für Raziel zu sprechen und bezeugten, was es doch für ein großer Schritt für ihn gewesen sei, nach seiner bitteren Niederlage hier her zu kommen. Unter den Sufeten wurde auch diskutiert, wenn auch im Flüsterton und somit wesentlich leiser als im Rest des Rates. Hin und wieder wanderten kurz Blicke in Richtung Raziel, aber für den Moment schien ihn keiner direkt anzusprechen. Für den einen waren es nur 5 Minuten, aber für manch anderen hätte dies auch eine Ewigkeit sein können. Schließlich war es Abu Dun, welcher aufstand und die Hand hob. Sofort verstummten die Gespräche im Rat und die Augen waren auf Abu Dun gerichtet.

Eine gute Rede, werter Pharao...
Wir du selber siehst, sind die Meinungen zu dir und Ägypten geteilt und manch einer liebt es gar, darüber zu diskutieren.

Kurz wanderte sein Blick mahnend durch die Reihen. Ja, er wusste, dass hier durchaus auch einige Leute saßen, die am liebsten sofort mit einer Flotte nach Ägypten gesegelt wären, während der Pharao in den hießigen Kerkern schmoren würde.
Was den Angriff Karthagos auf Ägypten angeht um einen Handelshafen in Jabal zu etablieren, so steht dies hier nicht zur Debatte. Mit dem Abzug unseres Heeres war diese Angelegenheit für Karthago beendet und wird es auch bleiben.

Genau so sehen wir es nun auch mit eurem Angriff auf Kabir. Dein Heer hat versagt und die Schäden an unserem Land sind zum Glück belanglos. Somit verzichtet Karthago auch einen Akt der Rache an Ägypten. Mit der Zerschlagung eures Heeres war die Sache für uns beendet.


Abu Dun legte eine kurze Pause ein, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen. Dann sprach er aber weiter...

Du hast recht gesprochen, als du sagtest, Karthago und Ägypten sind beide große Reiche. Groß genug, dass das eine das andere nicht so einfach in die Knie zwingen könnte. Ebenso gibt es entlang der Meere noch andere große Reiche, denen es in die Hände spielen würde, wenn unsere Völker sich gegenseitig zerfleischen. Uns liegt derzeit nichts daran, weiter mit deinem Volk im Zwist zu liegen. Im Gegenteil, einige unserer Händler würden sich sogar freuen, in Alexandira Handel zu treiben.

Allerdings ist Karthago nicht bereit, über Dinge zwischen unseren Reichen zu verhandeln, die über den Handel hinaus gehen. Ich weis, dass in vielen Teilen der bekannten Welt gern irgendwelche großen Verträge zwischen Völkern geschlossen werden. Dazu kommt die Meinung, dass das geschriebene Wort mehr Gültigkeit hätte, als das gesprochene. Nun, Karthago wird sich nicht auf so etwas einlassen.


Leicht atmete Abu Dun durch. Er hoffte, dass er Karthagos Haltung zu Ägypten entsprechend vermitteln konnte. Sicher lag Karthago viel daran, dass wieder wirklich Friede zwischen ihren Völkern herrschte, aber irgendwelche Verträge wollte man nicht ein gehen, da viele Mitglieder im Rat so etwas nicht als notwendig erwachtete.
Abu Duns Blick wanderte kurz durch die Reihen und schließlich wieder zu Raziel, bevor er sich setzte. Nun würde der Pharao wieder die Gelegenheit haben, sich zur zukünftigen Haltung der beiden Reiche zueinander zu äußern. Danach würde man auch noch über den zukünftigen Handel reden können.


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Re:Der Gang nach Karthago      21.08.2010 04:21:59 --- 1 Jahr, 5 Monate her  
Wortfetzen hallten an die Ohren des Pharaos, die sich weder ordnen noch "...und nun uns die Schuld geben?!...""...klingen doch ganz vernünftig...""...nicht in diesem Leben höre ich mir ein weiteres Wort dieses Irren...""...ach und du weißt was das beste für unser Reich...""...Siebentausend Silber! Jawohl!...""...also ICH finde den Leuchtturm mehr als imposant, wir sollten Frieden...""...der Handel hätte sicher einen großen Nutzen...""...Handel? Denkt nur an die schönen Frauen...""...aber so kann es doch nicht weitergehen...""...ich sage in den Kerker mit ihm und dann... in irgendeiner Weise zu Gesprächen zusammenflicken ließen. Deshalb versuchte Raziel auch gar nicht erst einen Sinn in diese Kakophonie aus Stimmen, Rufen und echauffierten Auschreien zu bringen, sondern wartete geduldig, bis Abu Dun, das Wort ergriff. Interessiert lauschte er dessen Worten und nickte immer wieder bedächtig, als er seine Ausführungen fortsetzte. Schließlich, als Abu Dun sich gesetzt hatte und alle Augen wieder gespannt auf ihm ruhten sprach er, nun mit ruhigerer Stimme, wieder zu den Ratsmitgliedern des mächtigen Karthagos.

"Mein lieber Abu Dun, ich danke dir für deine weisen Worte und deine Fürsprache. Auch wenn es noch ein langer Weg zur Freundschaft sein mag, gespickt mit Felsen und Steinen, die aus dem Weg geräumt werden müssen, stimmen wir in dieser Sache vollkommen überein:

Es muss Friede herrschen.

Nachdem Rom dem ägyptischen Großreich als einem offiziellen Verbündeten Attikas den Krieg erklärte und wir sahen, welche Resonanz dies bei den Staaten im Norden und Süden hervorrief, überdachte ich die Politik meiner Nation und wir sagten uns von sätmlichen Bündnissen und Pakten frei. So wenig wie ich wieder in alte Verhaltensweisen, was die Politik angeht, verfallen möchte, wird es euch nicht überraschen, dass ich mit euch übereinstimme: Ich reiche euch, dem Reiche Karthagos, die Hand zum Frieden, welcher ohne leere Worte auf einem wertlosen Papyrus beschlossen werden soll. Mein Handschlag möge euch und der eure mir und meinem Volke genügen, wie die Worte, die wir sprachen, aufdass kein Krieg mehr zwischen dem mächtigen Karthago und dem ägyptischen Großreich herrschen soll.
Auch soll nicht mehr als der Handel zwischen unseren Reichen florieren, keine Bündnisse und Pakte werden hier beschlossen, sondern schlicht das Niederlegen von altem Hass und den Waffen die ihn symbolisieren.

Was den Handel betrifft, so wäre ich höchst erfreut, wenn er zwischen unseren Häfen in Alexandria und Karthago wieder florierte, wie er es einst tat, bevor Mißverständnisse und blinder Stolz uns in diese verzwickte Lage brachten. Gerne werde ich zustimmen, dass für Karthagos Schiffe eigene Anlegestellen und Lager- sowie Verkaufsräume errichtet werden können und ich würde mich freuen, wenn es in Karthago ähnliche Einrichtungen geben könnte, doch davon sprechen wir gerne heute Abend in eurem Palast, wenn ihr mich erneut als euer Gast empfangen möchtet."


Raziel ging langsam auf den Kriegsfürsten zu und reicht ihm seine Hand, mit einem Blick aus seinen grünen Augen in die Abu Duns.

"Nun, Sufet Abu Dun, nehmt ihr meine Hand aufdass Frieden zwischen unseren Völkern herrschen und der Handel florieren möge?
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