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Niemand konnte schlafen. Jedermann lag da und lauschte den Geräuschen der Umgebung. Einige ruhten mit geschlossenen Augen und harrten der Dinge, die in den nächsten Stunden auf sie zu kommen würden, andere starrten in das Feuer und dachten an gar nix. Alle wußten sie, dass sie in den nächsten Stunden sterben könnten.
Ein Soldat liegt mit geschlossenen Augen auf seinen Fellen und bleibt hellwach. Er hört das Gemurmel der dösenden Soldaten und das Rauschen der Steppengräser wie das Hallen eines unliebsamen Traumes. Er hört wie ein Anderer schreiend aufwacht und öffnet die Augen. Er blickt sich in dem kleinen Lager um. Der Anblick der schlafenden Soldaten, stinkenden Fellmatratzen und unruhig flackernden Lagerfeuer wühlt ihn auf. Er beschließt aufzustehen, schimpft leise und unverständlich, und wälzt sich dann empor. Im Sitzen lässt er kurz die Handgelenke und den Nacken knacken und richtet sich dann mit einem Seufzer auf. Er wirft sich gemächlich ein Fell über und geht ein paar Schritte. An einem Lagerfeuer sitzen noch Soldaten. Sie trinken, spielen und von Zeit zu Zeit lachen sie auch. Er geht weiter. Er hört einen Soldaten im Schlaf wimmern und wird melancholisch. Nach wenigen Minuten kehrt er zurück zu seiner Schlafstätte. Er muss an eine Nacht in seiner Kindheit denken, als er ebenfalls wachte. Seine Mutter sang ihm damals ein beruhigendes Lied. Die Erinnerung an sie gab ihm ein wohliges Gefühl und er schlief endlich ein.
Dor, Seuts, Mido und der Befehlshaber ihrer Gruppe Clodian hatten die ganze Nacht hindurch mit drei Ordonanzen anderer Züge am Feuer gesessen und ein Würfelspiel gespielt. Seuts Glück war zu Beginn des Abends von außerordentlicher Größe. Dies und seine Leidenschaft dafür sich aufzuspielen, liessen schon früh im Spiel Missmut gegen ihn aufkommen. Er hatte schon fast den gesamten Wochensold seiner Mitspieler gewonnen und er hätte am liebsten ewig so weitergespielt. Er empfand einen gewissen Kitzel im Rachen, jener Kitzel, der stets dem Überfluss entsprang.
„Ich sage dir, Mido, dieses Geld wird noch mein Untergang sein. Meine Börse wird in der Schlacht so schwer sein, dass ich noch vor dem Eintreffen der Sarmaten vor Erschöpfung zusammenbrechen werde.“
Mido antwortete nicht. Er hatte den ganzen Abend nur mäßiges Glück gehabt, aber was ihn viel mehr beunruhigte war die Tatsache, dass das Spiel ihn langweilte.
„Halt bloß den Rand! Mit deinem Dusel musst du uns nicht noch auf die Nerven gehen! Pack das Geld in deinen Sack und hau ab!“, blaffte Dor.
Seuts musste kichern. „Richtig, Dor, das sollte ich wohl tun. Leider hab ich nicht genügend Platz für so viel Münze!“
Seuts war wieder mit Würfeln dran. Vorsichtig nahm er das Spielgerät in die Hand. Nur noch Mido und Clodian, der alte Stinkstiefel, waren mit im Rennen. Seuts blickte zu Mido der stoisch auf das Spielbrett blickte. Der Junge hat sich wahrscheinlich schon aufgegeben. In dem Zustand hilft ihm auch das Glück nicht mehr.
Er gluckste vergnügt. Nun blickte er zu Clodian. Der alte Haudegen saß mit finsterer Miene da und sah aus, als wollte er einen wilden Keiler erwürgen. Seuts hatte Angst vor Clodian, doch nun war seine Chance ihm eins auszuwischen. Er wird sicher platzen, wenn er nochmal verliert. Die Vorstellung gefiehl ihm.
Seuts ließ die Würfel in der Hand kreisen, wünschte sich, dass sein Glück anhielt, und warf.
Kein guter Wurf! Seuts sank innerlich zusammen. Hilflos blickte er auf Clodian und spürte plötzlich eine seltsame Scham, ganz so als hätte er seinen Vater beleidigt. Clodian war ein guter Anführer. Er hatte ihnen in vielen Gefechten das Leben gerettet. Da konnte er es sich auch Erlauben ein Schwein zu sein.
Clodian knirschte mit den Zähnen. Was für ein Idiot dieser Seuts doch war! Eine richtige Pfeife! Sicher ein guter Soldat, aber viel zu sehr darauf bedacht sich mit jedem gut zu stellen. Er war offensichtlich darauf aus selbst einmal ein Kommando zu übernehmen und scheute sich nicht mit schmierigen Fingern danach zu greifen.
Clodian sah zu Mido und Dor. Das waren gute, ehrliche Jungs, gute Soldaten. Dor war sicherlich auch ein Schweinehund, aber wenigstens einer, der weiß, wann er die Klappe zu halten hat. Doch keiner ist so gut wie Mido. Der gute, treue Mido. Die Ruhe selbst und stets reinen Herzens. Mein guter, alter Pferdeschlitzer.
Plötzlich ertönt die Signale. Der Angriff auf die Sarmaten beginnt. Und den spielenden Kriegern wird bewusst, dass einige von ihnen in ein paar Stunden tot sein werden.
Alles wird gut!
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