Ein halbes Jahr zog in das Land. Während griechische Soldaten unter dem Banner des phönizischen Basileas sowie des Rates von Tyros, einem Zusammenschluss aus bürgerlichen Griechen die zum Wohle des Reiches Entscheidungen treffen sollten, neue Ländereien erschlossen, kam der Bote aus Rom der letzten, hellenistischen Bastion näher und näher. Bald schon würde er den Regierungsbezirk erreichen, den Ort an dem Ptolemaios, Dimos und Traitos sich in regelmäßigen Abständen über die Zukunft Phöniziens ausgetauscht hatten.
„Ein Bote, Herr. Er spricht er würde Nachricht überbringen, von der Tribuna Tarja Sextus.“ - sprach ein Diener in einem demütigen Ton. Ständig und immerzu waren seine Hände dabei, seine Toga zu richten. Eine Begleiterscheinung der Nervosität, dachte Traitos.
„Wo genau befindet er sich gerade?“
„Noch vor den Toren des Palastes. Man hat ihm keinen Einlass gewährt, Herr.“
„So bittet ihn in mein Arbeitszimmer. Er möge die Nachricht vortragen. Und sendet uns einen Schreiber hinterher.. umgehend. Ich möchte mich bald wieder den hiesigen Themen widmen.“
Wie befohlen, so geschehen. Traitos hatte den Boten in seinem Arbeitszimmer erwartet. Ein düsterer Raum, der von wenigen Wandfackeln erhellt wurde. Ein einziges Fenster war dort gegeben, das in Richtung mehr aufgebaut wurde. Auf dem Tisch lagen unzählige Karten von Syrien verteilt. Nach nur wenigen Minuten waren der gewünschte Schreiber und der Bote der Tarja dort auch angelangt. Nehmen lassen wollte es sich der Bote nicht, anzumerken dass die Reise anstrengend und kostspielig gewesen war. Mit einem Handwink erklärte Traitos beinahe selbstverständlich, das sämtliche Mühen und Kosten entschädigt werden, ehe er den Brief an sich genommen und die Zeilen des Briefes mit penibler Genauigkeit überflogen hatte. Eines der Gedichte wollte sie also.. Ein Gedicht. Traitos kannte viele dieser Lobeshymnen aus seinem Lande, die einzig der Tarja gegolten hatten. Seine Leidenschaft zur Lyrik war jedoch nicht ausreichend, um auch nur eines dieser Gedichte, dieser Gesänge, in einem gebührenden Licht zu Papier zu bringen.
„Gebt uns einen Moment und lasst euch von meinen Dienern verpflegen, Bote. Mein Schrieber und ich werden uns umgehend mit einem Schreiben an deine Herrin auseinandersetzen. Du wirst schon wieder in deiner Heimat sein.“
Kaum da der Bote das Zimmer verlassen hatte, lächelte der Basileas verschmitzt in das Gesicht des Schreibers.
„Wir haben eine Menge zu tun..“
QUOTE:
An Tarja Sextus, Tribuna Roms,
Ich, Traitos Smaragdis, erster Basileas Phöniziens und Erbe Alexanders, schreibe Euch, Tarja, aus dem Ratspalast zu Tyros, Syrien.
Bedanken möchte ich mich vorerst für die Anteilnahme an dem Schicksal Griechenlands. Viele tausend Hellenen wurden evakuiert, während nicht einmal ein Drittel unter dem Banner patriotischer Aristokraten dort verblieben ist.
Auch möchte ich Caius meine Grüße aus dem sonnigen Syrien entsenden und doch darum bitten, zu verzeihen das ich meiner ehemaligen Gemahlin, Arachne, keinerlei Botschaften mehr ausrichten könnte, blieb sie in Griechenland zurück und entschied sich einen anderen Weg zu wählen.
Was die Reise nach Phönizien und die Gesänge angeht, Tarja – Roms Helena, so verstehe ich das ungünstige Umstände eine solch zeitaufwändige Geschichte verschoben werden muss. Sicher bin ich mir, dass die Lieder nicht verklingen und die Geschichten nicht verstummen werden, werdet ihr erst dem nächsten Winter in Syrien eintreffen und Euch selbst von jenen die sich dieser Kunst bemächtigen überzeugen könnt. Eine Kostprobe, niedergeschrieben von einem Basileas der sich nicht mit dem Rhythmus und einem sogenannten Hexameter versteht, wäre lediglich als eine Beleidigung an die Kunst und die Besungene zu werten.
Auf das die Götter sich deiner weiterhin annehmen möchten,
Traitos Smaragdis,
I. Basileas Phöniziens
Mitglied des Rates von Tyros