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Viele Male war die Sonne versunken und wieder aufgegangen, seit dem Treffen mit Arenvir.
Kahina war froh nun wieder unterwegs zu sein.
Niemandem verpflichtet und mit der Freiheit zugehen wohin sie ihre Füße trugen.
Ihre einzige Begleiterin war Gadi und das genügte der dunkelhäutigen Kriegerin.
Auf die Habichtdame konnte sie sich wenigstens verlassen, was bei Menschen leider nicht oft der Fall war.
Manchmal begab sie sich nun doch in Dörfer um Felle gegen Lebensmittel und andere Dinge zu tauschen.
Die Sprachen der Hellenen, Makedonen, Etrusker und Römer war ihr vertraut und so würde sie auch auf wenig Probleme stoßen.
So hoffte sie zumindest.
Es war ein schöner, warmer Tag an dem sie sich entschied ein Dorf aufzusuchen um die erjagten Felle gegen etwas Silber und einige nützliche Sachen zu tauschen.
Ein verschlafenes kleines Nest, idyllisch an einem Fluss gelegen.
Auf dem Markt fand sie rasch einen Interessenten der ihr die Felle abkaufte.
Während sie so über den Markt schlenderte fiel ihr ein Mädchen auf, es hatte langes, schwarzes Haar, war mit einem schmutzigen und abgetragenen Kleid und einem Wolltuch bekleidet.
das hagere Mädchen, es mochte vielleicht vierzehn Jahre alt sein ging von Stand zu Stand.
Es achtete aber nicht wirklich auf die Waren, es hatte die Händler und die Umstehenden im Blick.
War der Augenblick günstig schlug sie zu, ein schneller Griff und ein Apfel oder ein Ei verschwand in dem Wolltuch.
Amüsiert folgte sie dem Mädchen.
Am Stand eines Schmiedes verschätzte sich die kleine Diebin aber, der Mann ertappte sie wie sie sich ein Messer griff.
Doch war das Mädchen schneller als der behäbige Eisenklopfer und konnte mit der Beute zumindest dem Bestohlenen entkommen.
Kahina jedoch hatte sich an ihre Fersen gehängt.
Die Kleine hatte die Verfolgerin alsbald bemerkt und lief mit überraschendem Tempo immer weiter.
Hinaus aus dem Dorf, hinein in den Wald.
Plötzlich, auf einer Lichtung blieb das Mädchen stehen, drehte sich mit dem Messer in der Hand und einem Gesichtsausdruck zwischen Wut und Verzweiflung um.
"Was willst du?
Hau ab!
Ich hab dir nichts getan!
Lass mich in Ruhe, sonst....sonst.... ich kann mit dem Messer umgehen!"
Die letzten Worte klangen mehr als Versuch sich selbst Mut zu machen als der Angesprochenen Angst einzujagen.
Beschwichtigend hob die Araberin die Hände
"Keine Sorge ich will dir nichts tun.
Ich hatte nur das Gefühl, du bist wie ich alleine und könntest vielleicht eine Freundin gebrauchen."
Mit einem protestierenden Schrei landete Gadi, die es bei der Schüttelei durch Kahinas Gerenne vorgezogen hatte zu fliegen auf die Schulter der Falknerin.
"Ist ja gut! Das du zwei Freundinnen brauchen könntest!"
verbesserte sich Kahina.
Mit offenem Mund starrte das Mädchen den Greifvogel an, dann fand sie ihre Fassung wieder
"Ich komme prima alleine klar! Verschwindet! Ich brauche euch nicht, dich nicht und schon gar keinen Vogel."
trotzig drehte sich die Kleine um und stapfte los.
"Ich heiße Kahina und der Vogel heißt Gadi und ist ein Habicht."
Das Mädchen ging ungerührt weiter und Kahina latschte hinterher.
"Magst du Kaninchenfleisch?"
Keine Reaktion
"Dahinten ist ne kleine Lichtung, da könnten wir ein Feuer machen und das Fleisch braten."
Immer noch keine Antwort
"Na los komm......."
Das Mädchen fuhr herum und brüllte mit Tränen in den Augen
"Haut endlich ab! Ich brauche Niemanden! Hörst du?
NIEMANDEN! Ich will Alleine sein!"
Sie schluchzte
"Ihr verlasst mich doch eh bald wieder, wie alle Anderen!"
Daher wehte der Wind, das Mädchen war nicht ganz freiwillig allein.
Ihre Eltern waren wohl gestorben, hatten sie einfach verlassen oder gar verkauft.
"Ich bin auch allein, das hier."
sie deutete auf Gadi
"Ist meine einzige Freundin. Sie ist eine treue Freundin, aber leider kann man sich nicht wirklich gut mit ihr unterhalten. Wie wäre es wenn wir heute zusammen etwas essen, am Feuer sitzen, uns Geschichten erzählen und morgen, wenn es dir keinen Spaß gemacht hat und du lieber wieder alleine sein möchtest gehst du deiner Wege und ich lass dich in Ruhe.
Wenn es dir gefallen hat ziehen wir gemeinsam weiter.
Was sagst du?"
Kahina blickte zu dem weinenden Mädchen und streckte ihr die Hand entgegen.
Langsam trat die Kleine an die Frau heran und griff zögernd nach der Hand.
Kahina entfachte ein Lagerfeuer packte Obst, Brot und Fleisch aus und bereitete ein karges, aber schmackhaftes Mahl.
Nach einer Weile begann das Mädchen zu erzählen.
Sie hieß Deliah und war von ihren Eltern an eine Bauernfamilie als Magd verkauft worden.
Man hatte sie nicht gut behandelt und als sich die Familie entschloss das einsame Gehöft aufzugeben und fort zu ziehen, jagte man sie einfach fort.
Seither war sie auf sich gestellt und hielt sich mit Diebstahl und Bettelei am Leben.
Kahina skizzierte dann ihren bisherigen Lebensweg und flocht einige lustige Begebenheiten aus ihrer Kindheit mit ein.
Über die Gespräche war es dunkel geworden und man beschloss das es ein guter Zeitpunkt war um sich schlafen zu legen.
Am nächsten Morgen erwachte Kahina und stellte amüsiert fest das sich die Kleine in ihre Arme gekuschelt hatte und noch selig und tief schlief.
Sie streichelte Deliah über die Wange und weckte sie vorsichtig auf.
Nachdem gemeinsamen Frühstück fragte sie das Mädchen
"Ich hab mir überlegt, das wir in die nächste Stadt wandern sollten und mal sehen ob es dort nicht etwas schönes für uns zum Anziehen gibt. Die Hauptstadt der Makedonen ist nicht weit von hier.
Was sagst du?"
Die Kleine blickte überrascht, nickte dann heftig und schloss Kahina mit einem lauten "Ja Ja Ja !!!"
in die Arme.
So machte sich das Trio auf den Weg nach Herzegowina.
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