Antique Empire Forum
Willkommen, Gast
Bitte anmelden oder registrieren.    Passwort vergessen?
Zum Ende gehen Neues Thema Beliebt: 2
THEMA: Oma rennt.
 
Oma Schlachtwurst

Nenzen
Beiträge: 270
graphgraph
Benutzer offline Klicke hier, um diesem Benutzer eine private Nachricht zu schicken Klicke hier, um das Profil des Spielers zu sehen

Den Moderatoren den

Oma rennt.      05.02.2011 01:03:58 --- 1 Jahr, 3 Monate her  
Sie hielt den Atem an.
War da nicht ein Geräusch? Sie fühlte wie Panik in ihr aufstieg. Alle Glieder versteift stand sie an der Wand und wagte sich nicht zu rühren. Kalter Schweiß rann ihr über den Rücken, und ihre Hände ballten sich zu Fäusten. Sie lauschte.
Er hatte tief und fest geschlafen, als sie leise aufgestanden war. Da war sie sicher. Lange hatte sie warten müssen, bis seine kurze Atmung in ein langes, dröhnendes Schnarchen übergegangen war, immer wieder unterbrochen von langen Momenten der Stille, in denen er nicht zu atmen schien, um dann umso heftiger aufzuschnaufen. Sie kannte seinen Rhythmus in und auswendig. Nacht für Nacht hatte sie neben ihm gelegen, seinem Schnarchen gelauscht und sich gewünscht diesem Leben entfliehen zu können.
Drei Jahre war es nun her, dass sie ihrer Familie entrissen worden war, sie dachte an ihre liebevolle Mutter, und ihren immer lachenden Vater, an ihre kleinen Brüder und Schwestern, keinen von ihnen hatte sie bis zum heutigen Tage wieder gesehen. „Er ist ein guter Mann“ hatte Vater ihr versichert, „er wird gut für dich sorgen, mach dir keine Sorgen, kleine Omalie“
Doch leider hatte ihr Vater kein Recht behalten.
In dieser Nacht hatte sie wieder wach neben ihm gelegen, aber diesmal war es anders gewesen. Schon die ganze Woche hat sie gewusst, dass er an diesen Abend zu Achmet gehen und völlig betrunken, mitten in der Nacht nach Hause kommen würde. So war es immer, wenn Achmet im Dorf war. Der Händler kam zwei Mal im Jahr und brachte allerlei wunderliche Ware aus Alexandria. Und wie jedes Mal trafen sie sich, um Geschäfte zu machen, und um zu saufen. Nach diesen Orgien schlief er meist sehr lange, auch das wusste sie, und so hoffte sie das Anwesen ungesehen verlassen zu können. Denn wenn nur einer der Diener sie sehen würde, wäre alles vorbei; sie durfte gar nicht daran denken, er würde sie totschlagen. Ihre Gedanken wirkten wie Fesseln. Die Angst kroch so unaufhaltsam in ihre Glieder, wie die Nacht, wenn sie über die Wüste herfällt und alle Glut und Hitze des Tages unter einer kühlen, starren Tauschicht begräbt. Ihr Körper schien immer schwerer zu werden, sie hatte das Gefühl, würde sie auch nur eine Minute länger verharren, könnte sie sich bald gar nicht mehr vom Fleck rühren.
Noch einmal lauschte sie.
Es war still. Zu still, dachte sie.
Sie stand gleich neben dem Vorhang zum Schlafgemach, sie müsste ihn doch hören.
Da zerriss ein lautes, knallendes Schnarchen die Stille, und zum ersten Mal freute sie sich darüber. So oft in diesen Momenten, in denen er nicht zu Atmen schien, hatte sie sich gewünscht er würde einfach still bleiben, den Punkt des Einatmens einfach übergehen und nie wieder erwachen. Aber diesmal, ließ es sie nicht verzweifeln, war es doch ein eindeutiges Zeichen, dass er tief und fest schlief. Sie fasste neuen Mut, und ihre Gelenke knackten leise als sie sich etwas entspannte.
Nun war sie 16 und die permanente Angst über die Jahre hinweg, war einem unbändigen Verlangen nach Freiheit gewichen. Sie wusste sie musste einen Versuch wagen, würde sie heute nicht den Mut aufbringen, dann würde sie es vermutlich niemals. Sie atmete tief ein und setzte sich in Bewegung. Es war fast stockfinster. Sie schlich den kleinen Flur entlang. Das Geräusch ihrer nackten Füße auf dem festgedrückten Lehmboden, erschien ihr unglaublich laut, und fast hätte sie die Angst wieder übermannt. „Nein, bleib nicht stehen!“ sagte sie sich innerlich. Am Vorhang angekommen, der zum großen Raum führte, ging sie in die Hocke und schob sich vorsichtig an der Wand entlang an dem Vorhang vorbei. Sie spähte in den Raum hinein, die noch schwach glühende Feuerstelle spendete ein wenig Licht. Zu ihrer Rechten, nahe der wärmenden Glut, lagen die beiden Kerle, die er stets bei sich hatte. Seine Leibwächter. Sie hasste die beiden fast ebenso sehr wie ihn. Sie hatten ihr den Rücken zu gedreht und schienen zu schlafen, zumindest hörte sie ein leises, recht zufrieden klingendes Grunzen. Wahrscheinlich hatten sie etwas von dem Wein ab bekommen, aber das sollte ihr nur recht sein. Leise erhob sie sich und schlich Richtung Tür. Unterwegs fielen ihr die beiden Wasserschläuche ins Auge, die neben der Tür an der Wand hingen. Sie nahm sie leise von den Haken, schlang sie sich über, glitt hinüber zur Tür und hob vorsichtig den hölzernen Türriegel, der leise knarrte. Sie hielt kurz inne, schaute über ihre Schulter zurück, und sah die beiden Leibwächter unverändert da liegen. Ganz behutsam öffnete sie die Tür und die kalte Nachtluft drängte ihr entgegen, dass die Glut der Feuerstelle knisternd aufzüngelte. Schnell schob sie sich durch den Spalt, und drückte die Tür so leise wie möglich wieder zu. Sie stand im Freien.
Viel zu lange war sie nicht mehr draußen gewesen. Wahrscheinlich war es schon Monate her, sie wusste es nicht genau. Er hatte ihr verboten das Haus zu verlassen und sie stets eingeschlossen, wenn er ging. Er hatte immer gewusst, dass sie eines Tages versuchen würde zu entfliehen. Sie nahm einen tiefen Zug der kalten, klaren Luft und versuchte sich zu orientieren. Es war kaum etwas zu sehen, nur bei dem kleinen Gebäude auf der linken Seite, indem sich die Küche befand, war durch die Türritzen noch schwaches Licht zu erkennen. Sie sah hinaus in die finstere Nacht. Als sich ihre Augen an die Umgebung gewöhnt hatten, schälte sich langsam der Weg aus der Dunkelheit, der sie zu den Feldern führen würde.
Sie lief los.

Sie rannte, rannte um ihr Leben. „Zwölf Kamele“ schoss es ihr durch den Kopf. Zwölf Kamele war sie wert gewesen. Ein stolzer Preis. „Ein guter Mann“ hatte ihr Vater gesagt, er sei ein guter Mann. Sie spuckte aus. Vater gab sie keine Schuld, er hatte immer das Beste für sie gewollt, und niemand hätte gedacht, dass sein alter Freund, den er so viele Jahre kannte, alles andere als ein ehrenhafter Ehemann war. Tränen schossen ihr in die Augen, sie hatte es fast geschafft.
Der Mond war in der Zwischenzeit aufgegangen, sodass sie den Weg deutlich sehen konnte. Vor ihr lag die Kreuzung. Sie blieb stehen. Der gut festgetretene Weg zweigte ab und neben der Straße, ihr genau gegenüber, stand ein großer Stein in den das Wort Mekka eingeritzt war. Was sollte sie tun? Wohin sollte sie laufen? Zurück zu ihrer Familie in das östlich gelegene Dorf konnte sie nicht. Auch wenn Vater sie liebte, so hatte sie ihn doch entehrt und die Strafe dafür, so verlangte es die Sitte, war die Verbannung. Wahrscheinlich würde sie ihre Familie nie wieder sehen. Und auch nach Westen wagte sie nicht zu gehen. Dort lag die große, heilige Stadt Mekka, es war nur eine Tagesreise, aber Achmet würde zur Mittagsstunde aufbrechen, das wusste sie, und er hatte einen von kräftigen Eseln gezogenen Karren, wahrscheinlich würde er sie kurz vor Erreichen des sicheren Tumultes der großen Stadt einholen. In den näher gelegenen Dörfern konnte sie auch nicht untertauchen. Es schien ausweglos. Er würde sie finden. Er kannte Jeden in der Gegend. Sie geriet in Panik und schluchzte auf. Es war noch nicht zu spät, sie konnte noch unbemerkt zurück schleichen. Noch hatte niemand gemerkt, dass sie geflohen war. Hart schlug sie sich ins Gesicht. „Lieber sterbe ich in der Wildnis, als bei diesem Wilden.“ schrie sie sich innerlich an und blickte auf. War da nicht ein Funkeln gleich über dem großen Stein? Sie wischte sich die Tränen aus den Augen und sah genauer hin. Es war Alruccabah, der Reiter des Nordens. Ihr Großvater hatte ihr viel zu diesem Stern erzählt. „Er weicht nie von seiner Stelle und wird dir stets den Weg nach Hause zeigen“ hatte er sie belehrt. Als sie ihn betrachtete schien er in mehreren Farben zu funkeln, waren die Götter und die großen Ahnen vielleicht doch auf ihrer Seite? Sie lief los, schlug sich durchs Gebüsch hin zur offenen Steppe, hinaus in die Freiheit der Wildnis.
Gespeichert Gespeichert  
Kein öffentlicher Schreibzugriff erlaubt, bitte erst registrieren!
      Themen Autor Datum
    thread link
Oma rennt.
Oma Schlachtwurst 2011/02/05 01:03
    thread link
thread linkthread link Re:Oma rennt.
Oma Schlachtwurst 2011/02/09 00:26
    thread link
thread linkthread linkthread link Re:Oma rennt.
Oma Schlachtwurst 2011/04/17 22:16
    thread link
thread linkthread linkthread linkthread link Re:Oma rennt.
Oma Schlachtwurst 2011/12/15 21:41
Zum Anfang gehen Neues Thema
Powered by FireBoarddie neusten Beiträge direkt auf Deinem Desktop erhalten
(+) Notizen:

Nur fuer Premium-Spieler.


Forum
Hilfe
Impressum
AGB
Partner
Anmeldung: 5734
Aktive:         614
Online:         48
Taverne