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Re:Schatten im Blut 20.07.2011 20:12:32 --- 10 Monate, 1 Woche her
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Vaestmansland - Burg
Grimmig starrte Feodor Pharaisa in den Nacken. Sie ging vor ihm und betrachtete die Waren der Händler. Strich über Stoffe, liebkoste Felle mit ihren Fingern, klopfte auf Keramik, ihre Augen funkelten bei dem Anblick von Schmuck, sie wog Waffen in der Hand und begutachtete Rüstungen. Und auf der Brust das Kind – gebunden in naturfarbene Tücher, die der junge Fenni ihr kaufen musste. Es war ein Mädchen, als würde ihm ein nerviges Weibsbild nicht reichen. Ein quengelndes, dauerbrabbelndes und – ein Neugeborenes.
Zähneknirschend hatte er die letzten Tage akzeptiert, dass sie nicht mehr den Waffengang mit ihm üben wollte. Mit der mehr als runden Kugel am Bauch wäre es ihm noch einfacher gewesen, sie zu besiegen. Doch schließlich war der Tag der Niederkunft – irgendwo im Wald. Nicht ganz einfach, Feodor hatte viele der schmerzlindernden Kräuter aufgebraucht. Zu allem Überfluss hatte er dem Kind helfen müssen. Ob er diesen Anblick je wieder los wurde? Als hätten die anreizenden Träume die letzten Tage nicht gereicht. Nun hatte er wirklich mehr gesehen, als gut für ihn war. Aber er musste zugeben, dass es ein erheiterndes Gefühl war, als die Kleine ihm zugelächelt hatte. Ob sie einmal die wunderschönen tiefblauen Augen ihrer Mutter haben würde? Die hellblonden Haare? Die fennische Kriegerin brabbelte etwas Unverständliches und hatte ihn so aus jene Gedanken gerissen. Vielleicht war es der Name des Kindes, vielleicht hatte sie ihn verflucht. Bei Pharaisa wusste man nie so genau. Er würde das Mädchen einfach Lorlen nennen, das bedeutete murmeln oder rauschen und Pharaisa murmelte nur noch. Die Kräuter hatten nicht nur die Schmerzen betäubt, sondern auch ihren Geist. Beide schliefen friedlich ein, als er das kleine auf die Brust der Mutter legte und mit Fellen bedeckte.
All das erregte seinen Zorn jedoch nicht so sehr, wie der Umstand, dass er Zeus, den Herrscher der Sami, nur einen Höflichkeitsbesuch abstatten wollte und dieser ihm einen weiteren Klotz ans Bein nagelte – Artrejus Sohn. Ein gutes hatte sich wenigstens ereignet. Unterwegs trafen sie fahrende Händler, die nach Twer wollten. Für ein Süppchen und ein paar Kräuter wollten sie den Knaben sicher in die Heimat geleiten. Da der Fenni-Häuptling ihm diesbezüglich keinen Befehl aussprach, gab er ihn guten Gewissens in deren Hände und hoffte, dass er nicht von einem Bazar hörte, auf dem er feil geboten wurde.
Sie hatten den Hafen von Vaestmansland erreicht. Sie saßen am Kai und ließen die Beine baumeln. Stillschweigend überlegten sie, welchen Weg sie zurück in die Heimat nehmen würden.
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Re:Schatten im Blut 23.07.2011 20:53:42 --- 10 Monate her
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Lettland - Burg
‚Der ist doch nicht normal’ fluchte Pharaisa leise vor sich hin. Sie warf immer wieder neues Holz aufs Feuer. Seit einigen Tagen rasteten sie auf einer alten Burg. Lettland hieß dieser Landstrich wohl, so hatten ihn einige Bauern genannt, die sie unterwegs getroffen hatten. Die Wiesen um die Burg herum waren saftig grün. Im Licht der Sonne schienen sie von einem Meer von Blumen und Gras umgeben zu sein. Es war wunderschön hier. Sie hatte sich einige dieser Blumen zu einem Kranz zusammengebunden und trug ihn schon den ganzen Tag auf ihrem Haar ‚Gut, er mochte ihr ja geholfen haben ihr Kind zur Welt zu bringen, aber gab ihm das das Recht ihrer Tochter diesen Namen zu geben? Lorlen, also bitte.’ Wieder warf Isa Zweige aufs Feuer und das Knacken des Holzes schien ihre Wut zu unterstreichen. Sie rückte den Kranz wieder gerade, der ihr kurz auf die Nase gerutscht war und schaute sich um, ob jemand dieses Missgeschick beobachtet hatte.
‚Was ist Lorlen denn für ein Name? Und wie kam er überhaupt darauf?’
Sie beobachtete ihre schlafende, vor sich hin brabbelnde Tochter. Sie war goldig. Und sobald sie die Augen aufmachte, machte sie so lustige Geräusche. Während Isa nun ihre Tochter beobachtete, dachte sie über die vergangene Tage nach. Wie hatte Feodor geflucht, als sie die neuen Felle als Unterlage für ihre Tochter benutzt hatte. Sie konnte den kleinen Sonnenschein ja schlecht auf dem nackten Boden schlafen lassen.
Sie musste sich eingestehen, das sie froh war das Feodor da war, aber zugeben würde sie das ihm gegenüber natürlich niemals. Er war so schon so furchtbar arrogant und ständig schien er darauf zu warten, dass sie etwas falsch machte. Immerzu beobachtete er sie. Vor einigen Tagen hatte sie ihn dabei erwischt wie er Lorlen neu wickelte, während sie gerade am Wasser war um sich zu reinigen. Zuerst dachte sie er hätte sich erschrocken, weil sie so plötzlich zurückkam, aber sein Gezetere, sie würde ihm ihr Kind aufhalsen wollen, korrigierte diesen Eindruck schnell.
Sie beobachtete ihn aus den Augenwinkeln, wie er schnellen Schrittes von der Jagd zurückkam. Er wirkte stolz, seine Muskeln waren sehr ausgeprägt und gut zu sehen, wie er da so mit Wild über der Schulter über den Weg geschritten kam. Sie schluckte kurz, nahm Lorlen auf den Arm und rief ihm entgegen „Was? Mehr hast du in der Zeit die du weg warst nicht erbeutet? Und glaub nicht, das ich das Wild ausnehme, ich muss mich um das Baby und das Feuer kümmern.“ Als sie sah, wie sich seine Augenbrauen zusammenzogen, beschloss sie leise lächelnd das Baby hoch zunehmen und lieber noch etwas Holz zusammenzusuchen. Sie band sich Lorlen mit einem Tuch vor die Brust und ging los.
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Letzte Änderung: 2011/07/23 20:54 von Pharaisa.
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Re:Schatten im Blut 24.07.2011 10:37:13 --- 10 Monate her
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Lettland – Burg
Wieder blickte Feodor das eindrucksvolle Gemäuer empor. Leider hatte er keinen Weg hinein gefunden, selbst unbewohnt war die Burg uneinnehmbar. Eine selbstgebaute Leiter hätte er nicht allein tragen können. Pharaisa drückte sich vor körperlicher Arbeit, da wollte er sie gar nicht erst fragen. Gern hätte er sich innerhalb der Mauern umgesehen. Zum Glück war die Jagdhütte an der Burgmauer noch in gutem Zustand, die sie seit ihrer Ankunft bei Sonnenuntergang am vergangenen Tag bezogen hatten. Die Sonne war gerade aufgegangen und Feodor hatte beschlossen zu Jagen. Pharaisa war in der Nähe und sammelte Zweige um das Lagerfeuer in Fach zu halten. Unruhig räkelte sich das Kleinkind an der Feuerstelle, eingehüllt in Decken. Feodor kniete kurz bei ihm nieder, nachdem er sich versichert hatte, dass Isa ihn nicht sehen konnte. Lorlen schlief unruhig. Er lächelte bei dem Gedanken an den Namen. Sanft strich er ihr über die Wange, sie wurde ruhiger und schien zu lächeln. Der Fenni hob eine Augenbraue. Vorsichtig stand er auf und ging schließlich tiefer in den Wald.
„Was? Mehr hast du in der Zeit die du weg warst nicht erbeutet?“ äffte er ihre Worte nach. „Und glaub nicht, das ich das Wild ausnehme, ich muss mich um das Baby und das Feuer kümmern.“ Warum sollte etwas anders sein als in den letzten Wochen. „Aber das Fell nachher wieder für das Kind haben wollen“, murmelte er vor sich hin.
Mit dem Knochenmesser begann er seine Arbeit. Und ein Gedanke formte sich immer weiter aus, er sollte einfach verschwinden. Sollte sie sehen wie sie die Heimat fand. Den Zorn von Artreju würde er schon überleben, der war lange nicht so schlimm wie die Qual die sie ihm bereitete. Und das Kind – keine Nacht konnte er durchschlafen.
Müde legte er sein blutiges Messer bei Seite und betrachtete die Portionen Fleisch. Genug zu essen würde sie haben. Er senkte die Lider…
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Re:Schatten im Blut 24.07.2011 20:36:30 --- 10 Monate her
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Es waren schon mehrere Tage vergangen, seitdem Feodor sie ohne ein Wort zu sagen, verlassen hatte. Als sie vom Holz sammeln zurückgekommen war, dachte sie am Anfang das er nur kurz weg war und gleich wieder kam. Nun waren aber schon etliche Tage ins Land gezogen und er war nicht wiedergekehrt.
Sie hatte mit Lorlen an ihrer Brust die nähere Umgebung abgesucht, aus Angst ihm wäre etwas passiert. Aber er war nicht zu finden. Sie hatte nach ihm gerufen bis ihre Stimme versagte. Nach Ablauf des dritten Tages war ihr klar geworden, dass er weg war. Das er sie allein gelassen hatte. Allein mit Lorlen, mitten im Nichts. Den darauf folgenden Tag hatte sie nur geweint. Aber auch die Tränen versiegten irgendwann. Sie fühlte sich leer und verlassen. Lorlen schien zu spüren, das irgendetwas nicht in Ordnung war. Sie weinte ohne Unterlass. Sie weinte am Tag, sie weinte in der Nacht. Und Isa wusste nicht mehr was sie tun sollte.
Das Wild, das Feodor zurückgelassen hatte, war zur Hälfte verzehrt und mit Lorlen konnte sie schlecht selbst jagen gehen. Isa war verzweifelt.
Dann kam die Wut, die Wut auf den Mann, der geschworen hatte, sie zu beschützen. Der geschworen hatte, sie sicher wieder nach Hause zu geleiten. Sie erinnerte sich an die ewigen Streitereien, an die Provokationen und an die Blicke.
Nachdem die Wut vergangen war, kamen die Zweifel. Hatte sie ihn weggetrieben? Was hätte sie anderes tun sollen? Hätte sie anders reagieren sollen? Und wann hätte sie anders reagieren sollen?
Auch wenn er ein häufig übellauniger Griesgram war, erkannte sie doch nun, dass er ihr fehlte.
Sie sah in die Ferne und hoffte. Hoffte, das er vielleicht doch wieder kam.
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Re:Schatten im Blut 25.07.2011 12:46:09 --- 10 Monate her
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Lettland – Burg
Eemel kehrte gedankenversunken zu seinem, vor Blicken geschützem, Lager zurück. Feodor war seit vielen Tagen fort und weder der fennische Späher, noch Pharaisa, die allein nach Feodor gesucht hatte, konnte ein Lebenszeichen von ihm entdeckt. Eemel blieb keine andere Wahl, er musste Artreju informieren.
QUOTE: „Ich grüße dich, Anführer der Fenni,
gewissenhaft habe ich meine Aufgabe erfüllt und über unsere reisende Schwester und Bruder gewacht, doch muss ich mit Bedauern melden, dass Feodor seit Tagen spurlos verschwunden ist. Ihr Proviant reicht noch für einige Tage, doch weiß ich nicht wie ich mich verhalten soll und erwarte deine Befehle.
Bitte schickt diese Taube nach einigen Stunden der Ruhe wieder auf die Reise, sie wird mich finden.
Gez. Eemel, Späher der Fenni“
Sanft griff er eine grau-blaue Taube und befestigte das Schreiben. Flatternd stieg sie in die Lüfte und flog gen Norden.
Mit gehetztem Blick übergab der Laufbursche Artreju die Botschaft.
Artreju war darüber nicht sehr erfreut und musste wohl mit Feodor noch darüber sprechen, doch gerade konnte er dem Späher auch keine direkte weisung zurückschicken und musste hoffen das Feodor seine Gründe haben würde
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Re:Schatten im Blut 28.07.2011 06:47:09 --- 10 Monate her
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In den Wäldern von Lettland – Livland – Daugavpil
Wie hatte er nur so unvorsichtig sein können? Und warum nur war er so gut im Spurenverwischen. Er hatte die verstrichenen Tage nicht mehr gezählt, er wusste nur, dass es zu viele waren. Hoffentlich ging es Lorlen gut. Wenn Feodor nicht jagte, wer sollte für Pharaisa die Nahrung beschaffen, die sie brauchte um die Kleine mit ihrer Brust zu versorgen. Isa selbst am allerwenigsten. Davon ab dass sie mit dem Kleinkind auf Bauch oder Rücken gar nicht leise oder gewandt genug war, nein, Isa war auch unfähig im Jagen und würde verhungern, auch wenn der Hase vor ihrer Nase saß. Grimmig zog er die Stirn zusammen. Er selbst war nicht besser, warum verwischte er seine Spuren? Und warum hat er sich so weit vom Lager entfernen können? Dass Kräuter auch immer so eine magische Anziehungskraft auf ihn auswirken mussten. Der Anblick der seltenen und wertvollen Kräuter hatte ihn alles um sich vergessen lassen. Das Zwielicht im Wald ließ ihn die Zeit vergessen. Am Ende des ersten Tages hatte er zwar ein schlechtes Gefühl, aber er wusste, dass er bald wieder zurück sein würde. Daraus wurde mehr als eine Woche und er machte sich ernsthafte Sorgen – um Lorlen.
Während er durch den tiefen dunklen Wald irrte, fragte er sich, ob es den beiden gut ging. Ob er das Lachen und fröhliche Brabbeln der Kleinen je wieder hören würde. Ob er Lorlen nachts grummelnd beruhigen musste, damit Pharaisa weiter schlafen konnte und er dafür das zahnlose Lächeln als Belohnung bekam – von Lorlen.
Feodor plagte das schlechte Gewissen. Artreju hatte ihn nicht ohne Grund zum Beschützer von Kymen berufen und er hatte ihm Pharaisa nicht ohne Grund anvertraut. Artreju vertraute ihm, das durfte er nicht enttäuschen. Und doch hatte er sich wie ein törichtes Kind davon locken lassen – von Kräutern.
Ein Gutes hatte sein ungewollter Ausflug. Er hatte keine unangemessenen Träume mehr und Pharaisas nervenden Sticheleien musste er auch nicht ertragen. Aber, war es gut? Wollte er das? Oder wollte er nicht viel lieber ihre blasse Haut streicheln? Ihr goldenes Haar zwischen seinen Fingern spüren? Ihren Kopf in seine Hände nehmen und den zarten Schmollmund küssen? Wollte er nicht insgeheim wissen, wie es sich anfühlte, wenn sie ihre festen, kampferprobten Schenkel um seine Hüften schlang? Langsam schloss er die Augen. Nun hatte er schon wieder diese Gedanken, das konnte nur eins bedeuten…
Langsam hob er den Kopf und öffnete die Augen. Es war bereits nach Sonnenuntergang und Pharaisa hatte das Feuer noch immer entfacht. Erleichtert Atmete er aus und ging beherzt auf die Lichtquelle zu. Pharaisa kauerte am Feuer und schaukelte ihr Kind in den Armen. Ein Ausdruck des Bedauerns schlich sich in seine Züge. Je näher er kam, desto mehr zogen sich seine Augenbrauen zusammen und leise murmelte er ein Wort immer wieder vor sich hin: „Gullveig …“
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Re:Schatten im Blut 28.07.2011 20:55:21 --- 10 Monate her
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Aus den Augenwinkeln sah sie ihn heran nahen. Sie wiegte ihre Tochter sachte weiter und überlegte wie sie sich nun am Besten verhalten sollte.
Sie hatte sich Sorgen gemacht, sie hatte wegen ihm, dem unsensiblen Holzklotz geweint, sie hatte ihn vermisst.
‚Sollte sie es ihm sagen? Sollte sie es ihm zeigen? Wie sollte sie es ihm zeigen? Hatte er sie auch vermisst? Warum war er wieder gekommen? ‚
Während er näher kam, wuchs die Unsicherheit in Pharaisa. Er sah grimmig aus.
Da sie keine Ahnung hatte wie sie sich nun verhalten sollte, beschloss sie ihn so zu begrüßen, wie er es verdient hatte.
Er war nun beinahe bei ihr. Nur noch wenige Schritte trennten sie. Sie drehte sich von ihm weg, legte die Kleine auf die Felle, nahm unauffällig ein Holzscheit und stand auf. An ihren Armen spürte sie wie sich die Härchen aufstellten, sie glaubte ihn schon atmen zu hören. Sie schloss die Augen und seufzte von ihm ungehört. ‚Himmel, sie hatte ihn wirklich vermisst.’
Dann war er da. Sie drehte sich um, holte aus und schlug zu. Er hatte wohl damit gerechnet und fing ihren Arm ab, bevor das Holzscheit sein Ziel treffen konnte. Sie trat ihm gegen das Schienbein und fing an zu schluchzen.
Er ließ sie sich austoben, hielt weiter ihren Arm fest und sagte nichts. Während sie seinen Blick auf sich spürte, wurde sie langsam ruhiger. Sie konnte einige letzte kleine Schluchzer nicht unterdrücken und legte dann erschöpft ihren Kopf an seine Brust.
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Re:Schatten im Blut 29.07.2011 23:01:03 --- 9 Monate, 4 Wochen her
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In den Wäldern von Lettland – Livland – Daugavpil
Mit gesenktem Kopf saß sie am Feuer und wiegte Lorlen in den Schlaf. Seine Schritte wurden langsamer. Sollte er etwas sagen? Hatte sie eine Entschuldigung verdient – eine Erklärung? Es würde ihr neue Nahrung für ihren Spott geben, sollte er ihr diese Schwäche offenbaren. Sollte er ihr sagen, welche Erkenntnis ihm der Irrgang zeigte?
Sie regte sich nicht, mit Ausnahme der schaukelnden hin- und her-Bewegung. Sie musste ihn bereits bemerkt haben, er war längst in ihrem Sichtfeld. War sie zu erschöpft? Sauer? Enttäuscht? Warum sagte sie nichts? Jeder Hohn, jeder Vorwurf war ihm lieber als diese drückende Stille.
In diesem Augenblick wandte sie sich von ihm ab. Diese Reaktion traf ihn wie ein Fausthieb in den Magen. Dann stand sie auf. Feodor hob eine Augenbraue, ihre Muskeln spannten sich. Er würde den Schlag empfangen, er hatte ihn verdient. Verdammt nein! Schließlich war er wieder da und hatte etwas Dankbarkeit oder was auch immer sie fühlen konnte verdient. Wenn er sie vermisste und Angst um die beiden hatte, fühlte sie vielleicht ähnlich.
Gerade wollte er sie an der Schulter berühren, da drehte sie sich um und hieb mit einem Gegenstand nach ihm. Geistesgegenwärtig drehte er die Hand nach außen und fing ihren Schlag ab. Mit einer knappen Bewegung ließ sie das Holz fallen. Sie zappelte. Wie kräftig sie war – und wild und ungestüm wie eine Wildkatze. Der Tritt gegen sein Schienbein war zu erahnen, doch die Schmerzen ließen ihn keuchen, da half auch der Beinschutz aus dem Svearlande nichts.
Der Schmerz verflog, als er sie schluchzen hörte. Mit kalter unbewegter Mine blickte er sie an und hielt sie fest. Als sie erschöpft ihren Kopf auf seine Brust bettete ließ er sie frei. Sie schlang die Arme um ihn und hielt sich fest.
Wem wollte er etwas vormachen? Er war froh wieder da zu sein und das sollte er ihr zeigen. Ihre helle Stimme verursachte ihm schon beim leisesten Seufzer ein angenehmes Kribbeln im Bauch. Seine Züge entspannten sich und er erwiderte die Umarmung. Aufmunternd küsste er sie auf das zerzauste Haar.
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Re:Schatten im Blut 01.08.2011 21:20:33 --- 9 Monate, 3 Wochen her
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Srednerusska
Feodor wies mit ausgestrecktem Finger auf das Gemäuer.
Pharaisa blickte ihn unsicher und fragend an.
Feodor nickte.
Pharaisa schüttelte den Kopf.
Feodor zog die Stirn grimmig in Falten und nickte bedeutend.
Pharaisa setzte eine Leidensmine auf und reichte ihm Lorlen. Noch einmal blickte sie ihn traurig mit großen Augen an.
Feodor verdrehte die Augen.
Pharaisas Augen verengten sich nun zu Schlitzen.
Feodor nahm das Kind entgegen und hob eine Augenbraue.
Pharaisa hob ihrerseits die Augenbrauen und lächelte charmant.
Feodors Blick verdüsterte sich wieder und ruckte mit dem Kopf in die gewiesene Richtung.
Pharaisa ballte die Hände zu Fäusten und stampfte mit dem Fuß auf. Schließlich ging sie den schmalen Torweg entlang.
Feodor schmunzelte nun über das ganze Gesicht, ließ es jedoch verschwinden, als Pharaisa sich noch einmal umdrehte.
Die Sonne verschwand gerade hinter den Bäumen. Wieso hatte Pharaisa nur zugelassen, dass Feodor sie zu dieser Wette überredete. Konnte sie ihn nicht einmal abblitzen lassen? Nein. Sie war viel zu sehr damit beschäftigt ihm klar zu machen, dass sie genauso mutig war wie er. Und er nutzte es aus.
Langsam glitt Pharaisas Messer aus der Scheide und die Kriegerin schlüpfte durch einen Spalt des nicht ganz verschlossenen Tores. Die Wette klang einfach, verbringe die Nacht in der alten Burg. Nur hatte sie die Geister nicht einbezogen. Der Innenhof lag im Zwielicht. Überall sah sie Bewegungen und unheimliche Schatten.
Rasch entzündete sie eine Fackel um besser sehen zu können. Eigentlich waren sie längst auf dem Weg in die Heimat, aber als Feodor unterwegs von der leer stehenden Burg hörte, war er von dem Gedanken fasziniert, dort eine Nacht zu rasten und zog die junge Mutter damit auf, dass sie keine Nacht allein innerhalb der Mauern verbringen würde, ohne schreiend wieder heraus zustürmen. Trotzig ging sie die Treppen hinauf und hoffte ein Schlafgemach zu finden und wünschte sich, dass etwas von dem ursprünglichen Luxus noch vorhanden war. Schließlich wurde sie fündig und legte sich nach genauer Untersuchung in ein bequemes Bett. Die Fackel hing in einer Halterung an der Wand. Das flackernde Licht rief die toten Schatten zu neuem Leben. Pharaisa saß im Bett und zog sich die müffelnde Decke bis über die Nase und beobachtete die Ecken des Zimmers.
Nun spielten ihre Sinne ihr schon einen Streich, sie hörte Ketten rasseln und – Stöhnen. Nein, nein, nein, das konnte nicht sein. Sie zog sich die Decke über den Kopf und drehte sich auf die Seite. Die kniff die Augen zu. Wieder klirrten die Ketten und es scharrte an der Tür. Pharaisas Augen weiteten sich und ihr Herz schlug schneller. Mit einem Mal flog die Tür auf und etwas stürmte laut schreiend das Zimmer. Dieses Geschrei ging schließlich in Gelächter über. Die junge Kriegerin warf die Decke zurück und funkelte Feodor zornig an. Sie griff sich einen Gegenstand und schleuderte ihm einen Kerzenständer entgegen.
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Re:Schatten im Blut 10.09.2011 22:30:54 --- 8 Monate, 2 Wochen her
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Kymen
Erschöpft schloss Feodor die Augen. Es war laut im Lazarett. Reges Treiben herrschte um ihn her. Schreie von Verwundeten. Die Pritsche neben ihm wurde mit einer weiteren Person belegt. Sie litt still. Vorsichtig tastete eine Hand nach Feodors Arm. Träge wandte er seinen Kopf und öffnete die schweren Augenlider. Pharaisa blickte ihn erleichtert an.
„Was willst du denn hier?“ Die Frage klang nicht so genervt wie sie sollte.
„Ich dachte ich sehe mal nach dir“, antwortete sie keck.
„Ich wollte alleine sterben.“ Der Krieger schloss langsam die Augen, blinzelte noch einmal kurz und schloss sie dann wieder.
„Als ob du das könntest“, sie schlug matt auf seine geschundene Schulter mit dem Verband. Feodor stöhnte theatralisch. „Hedwig sagt, du wirst so schnell nicht sterben, also hör auf zu jammern.“
„Und ihr beide haltet jetzt Ruhe“, schallt Hedwig, die Heilerin, die beiden. „Ihr klingt wie ein altes Ehepaar.“
„Hedwig hat Recht“, griff Pharaisa den Einwand auf. „Man könnte denken, du stehst bei mir unter dem Fittich.“
Feodor schnaubte nur verächtlich. „Aber gut, wenn ich dann endlich meine Ruhe habe, nehme ich deinen Antrag an.“
Verwirrt starrte Pharaisa ihn an und begann unverständlich zu stammeln.
„Wie?“ fragte er lauernd. „Willst du dich jetzt herausreden?“
Schmollend verschränkte Pharaisa die Arme vor der Brust und schwieg. Zufrieden lächelte Feodor in sich hinein und schlief ein.
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