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Lyssandra war mit einigen erfahrenen Jägern losgezogen. Mit im Tross waren viele junge Burschen, denen die alten Hasen auf diesem Zug so einiges beibringen wollten. Fährten lesen, Jagdtechniken, Kenntnisse über die unterschiedlichsten Pflanzen - und vor allem das Überleben im kalten Steppenwinter ohne die schützende Wärme des Dorfes. Viele Dinge galt es den jungen Sarmaten beizubringen, sollten doch aus ihnen exzellente Jäger werden, die ihre Familien ernähren konnten.
Doch wie so oft, wenn Lyssandra zu einer Jagd aufbrach, kam alles anders als geplant.
Eines schönen Vormittags schallten Rufe durch das Lager. Lyssandra verließ ihre wärmende Jurte, stapfte knurrend durch den Schnee. "Hoffentlich haben sie eine große Herde Antilopen entdeckt, dass sich die ganze Aufregung lohnt." Die Sonne ließ den in der Winterkälte verharrschten Schnee wundervoll glitzern, tauchte die Landschaft in ein bezauberndes Licht. Die Tage wurden langsam heller; in wenigen Wochen würde die Kraft der Sonne ausreichen die letzten Boten des Winters davonzujagen.
"Also, was gibt es?" Genervt schaute Lyssandra jene Burschen an, die offensichtlich bei ihrer Fährtensuche etwas ganz besonderes gefunden hatten. Fröstelnd schlang sie die Arme um ihren Oberkörper und verfluchte sich dafür, nur einen Leibrock aus dünnem Ziegenleder übergeworfen zu haben.
"Fenni! Da drüben!" Aufgeregt und laut redeten die jungen Leute durcheinander, deuteten nordwärts zum Horiziont. "Sie sind bewaffnet, sie werden uns angreifen!"
"Ja klar. Sonst noch was?" Gelangweilt schaute Lyssandra die aufgewühlte Gruppe an, die wild gestikulierte und sich ständig gegenseitig ins Wort fiel.
Eine tiefe, ruhige Stimme verschaffte sich Gehör. "Sie haben Recht. Es ist nur eine kleinere Gruppe von Fenni, aber sie ziehen in unserer Richtung und machen keinen friedlichen Eindruck. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie uns angreifen werden."
Mit weit aufgerissenen Augen starrte die Rothaarige den alten Krieger an. "Sind die bekloppt?"
Ein Schulterzucken ihres Gegenüber war die Antwort. "Willst du eine ehrliche Antwort?" Der Sarmate grinste Lyssandra an. Die lächelte süffisant zurück.
Kurze Zeit später war das Sarmatenlager in Aufruhr. Lyssandra ordnete die Reihen, kontrollierte zusammen mit den erfahrenen Kriegern die Waffen der jungen, und stieg dann auf ihr Pferd. Laut hallte ihre Stimme durch den sonnigen Wintertag. "Auf denn, Sarmaten. Lasst uns den Fenni zeigen, wo ihr Platz in der Nahrungskette der Steppe ist!" Dutzendfach trug der Wind den Ruf der Sarmaten über die verschneite Landschaft, dann knirschte der Schnee unter der Last der vielen Pferdehufe, die über ihn nahezu hinwegflogen.
Die Schlacht war kurz, die Angreifer schnell in die Flucht geschlagen. Einer von ihnen, in einer fremdartig anmutenden Rüstung, kämpfte wie ein Berserker. Doch am Ende musste auch er sich der Kampfkraft der Sarmaten beugen.
"Sollen wir ihnen folgen?" Fragend schauten die Sarmaten zu Lyssandra, deren Augen kampfeslustig funkelten.
"Lasst ihnen einen kleinen Vorsprung. Dann macht die Jagd mehr Spaß."
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