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Der Priester von der traurigen Gestalt 16.09.2011 19:42:20 --- 8 Monate, 1 Woche her
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Das Bosporanische Reich existiere nicht mehr.
Das war es jedenfalls, wonach es aussah. Es hatte keinen König mehr, der Adel war mit der Armee auseinander getrieben und die einst große Hauptstadt war nur noch eine Trümmerruine, geschändet und geschliffen durch die Belger.
Matthias hatte es geschafft zu fliehen, was aus den anderen geworden war, wusste er nicht.
Nicht einmal den Verbleib seines treuen Leibwächters Apolonius kannte er.
Mitten in der Wildnis war er allein. Der Gestank von verbranntem Fleisch, Holz und was sonst noch alles brennen konnte, lag in der Luft. Die Feinde hatten gesiegt.
"Soll dies Zeus Wille sein", dachte der Priester des bosporanischen Tempels bei sich.
Kurze Zeit überlegte er, ob er sich in seiner Schande nicht einfach in sein Schwert werfen sollte, er ließ den Gedanken allerdings fahren, als er daran dachte, dass seine Kinder dann Waisen sein würden.
Es fröstelte ihn. Nein, dieses kalte Nordwetter war einfach nichts für ihn.
"Es ist Zeit, wärmere Gefilde anzusteuern... friedlichere Gefilde."
Er wendete sein Pferd. Die Reise führte nach Süden...
- Vlatos des keltiberischen Volkes - Einstiger Berater König Einars und Champion von Biturgien - Einstiger Hohepriester des bosporanischen Reiches
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Letzte Änderung: 2011/09/16 19:42 von Matthias von Milet.
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Re:Der Priester von der traurigen Gestalt 17.09.2011 13:22:52 --- 8 Monate, 1 Woche her
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Weite Wälder und Sümpfe, dazwischen ein paar vereinzelte Rodungen als kleinen Vorposten der Zivilisation.
Seit dem sich der ehemalige Hohepriester der Bosporanen auf den Weg gemacht hatte, um seine verstreuten Kameraden oder zumindest als weitaus wahrscheinlichere Option eine Stadt zu finden hatte sich nicht viel am Landschaftsbild geändert.
Manchmal kam es Matthias so vor, als sei er im Kreis geritten. Immer wieder rätselte er darüber, was ihn eigentlich in diese Ödnis verschlagen hatte. Sein Pferd war der einzige treue Begleiter auf dieser Reise und hatte ihn weit getragen. Der Mileter hoffte inständig, dass dies auch in die richtige Richtung passiert war und dass er den Stand der Sonne und der Sterne richtig gelesen und interpretiert hatte, sodass er sich auch auf dem richtigen Weg befand. Er vertraute einfach darauf, dass es sich so verhielt, viel mehr blieb ihm ja auch nicht übrig.
Gegen Mittag schoss Matthias einen Hirsch, ein kapitales Tier, welches sich prächtig in dieser menschenverlassenen Gegend hatte entwickeln können.
Das Fleisch hatte er zum Teil zum Trocknen über ein offenes Feuer gehängt. Den Rest aß er, nach dem er gebraten war, oder ließ ihn zurück, er durfte sich nicht mit zu viel Gepäck fortbewegen. Würde sein Pferd schlapp machen, bevor er die nächste Zivilisation erreicht hätte, dann wären seine Probleme größer, als die von Odysseus beim Zyklopen.
"Hätte ich wenigstens daran gedacht, mir noch ein paar Schläuche Wein aus Amoripolis mitzunehmen.", grummelte er missmutig, als er angewidert auf seinen Schlauch, gefüllt mit Quellwasser blickte. "Wer weiß, was da alles schon sein Geschäft drin verrichtet hat... normalerweise wäscht man sich damit. Und normalerweise wäre ich um die Uhrzeit auch nicht mehr nüchtern.", dachte er weiterhin missmutig.
"Trotzdem ist es allemal besser, als als aufgespießte Trophäe vor irgend einem Barbarenzelt zu stehen.", sein Blick erhellte sich wieder ein wenig. Er sattelte sein Pferd und ritt weiter. Irgendwo hier musste es doch Zivilisation geben und er war fest entschlossen, sie zu finden, wusste Matthias doch, dass irgendwo im Westen zumindest das Gebiet der Svear liegen musste.
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Re:Der Priester von der traurigen Gestalt 18.09.2011 14:46:11 --- 8 Monate, 1 Woche her
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Der Himmel war finster geworden, am Horizont zuckten einige Blitze auf.
Matthias wusste nicht genau, wo er war, es gab nur eine Konstante und die lautete: Bäume... viele Bäume.
Immerhin hatte er einen kleinen Pfad, so etwas, wie einen primitiven Handelsweg gefunden, vielleicht würde dieser ihn ja in die Nähe eines Hafens, nein vielleicht sogar in die Nähe einer Stadt, einer Zivilisation bringen.
Wieder durchzuckte ein greller Blitz die Dunkelheit.
Wenige Sekunden danach war ein lautes Donnergrollen zu hören.
"Hmmm... das Gewitter scheint näher zu kommen, die Abstände zwischen den Blitzen und dem Donner werden immer geringer.", dachte sich Matthias, während er nach einer Unterkunft für die Nacht suchte, was sich jedoch als äußerst sinnlos darstellte, so weit entfernt von jeder größeren menschlichen Ansiedlung.
Erst war es nur ein Tröpfeln, welches er auf seiner Haut spürte, welches sich jedoch urplötzlich zu einem wahren Sturzbach entwickelte. Der ehemalige Hohepriester fluchte. Sollte er oder das Pferd dadurch eine schwerere Krankheit bekommen, konnte dies die Reise verzögern, oder sogar ganz stoppen.
Er gab seinem Pferd den Befehl, schneller zu reiten, um wenigstens eine Stelle zu finden, an der die Bäume dichter waren, wodurch sie einen natürlichen Schutz gegen das Wetter bildeten.
Plötzlich durchschlug ein grelles Zucken die Dunkelheit, genau der Baum vor ihm war getroffen worden und hatte Feuer gefangen.
Erschrocken scheute Matthias Pferd und hätte ihn beinahe abgeworfen, hätte er sich nicht geistesgegenwärtig festgeklammert.
Entsetzt blickte er auf das Schauspiel, was sich ihm bot. Er fragte sich, ob ihm Zeus die Treue aufgekündigt hatte, ob dies eine Warnung sein sollte, oder war dies glatt die Tat eines heidnischen Gottes, der es nicht gern sah, wenn ein Diener des Zeus in seinen Landen umher zog?
Er kannte die Geschichten der Germanen flüchtig, von ihrem Donnergott Donar, oder Thor, wie er weiter im Norden genannt wurde, aber in deren Mythologie war er ja ein Freund der Menschen.
Nachdem er sein Pferd einigermaßen beruhigt hatte, ritt Matthias schneller, mit der Gewissheit, dass Bäume auch keinen Schutz bieten würden.
Etwa 500 Meter vor sich sah er zwischen den Bäumen eine alte verfallene Hütte hervorragen, Matthias freute sich, würde sie doch mehr Schutz bieten, als er es sich je erhofft hätte.
Bevor er sich zur Ruhe bettete, versorgte er noch sein müdes Pferd, sogar etwas Futter hatte er gefunden. Er schlief mit dem Gedanken daran ein, dass es doch seltsam gab, dass sich so viele Völker ein Gewitter mit einem höheren Wesen erklärten.
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Re:Der Priester von der traurigen Gestalt 19.09.2011 23:05:12 --- 8 Monate, 1 Woche her
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Matthias wälzte sich im Schlaf hin und her. Durch das Gewitter und das lange Fehlen einer Möglichkeit, seine nasse Kleidung zu wechseln, hatte bei ihm Fieber ausgelöst. Es war spät, die Nacht hatte alles in Finsternis gehüllt. Nur der kleine Schein des langsam erlöschenden Feuers, welches Matthias entzündet hatte, erhellte spärlich, den seltsam unsymetrisch gestalteten Raum. Dies konnte nicht an der Verwitterung der Jahre, in denen dies Haus unbewohnt gestanden hatte, liegen. Es war so errichtet worden. Ob nun eine Absicht in der Natur der Idee lag, oder ob der Baumeister einfach nur so viel Talent gehabt hatte, wie ein echter Zimmermann, dem man beide Arme hinter dem Rücken zusammengebunden und danach einen Krug schweren Weines eingeflößt hatte, konnte nur von dem Betrachter vermutet werden.
Matthias lag schweißüberströmt in seinem Bett, hatte jedoch die Augen leicht geöffnet und tat so, als ob er schliefe.
Etwas hatte ihn geweckt. In der Ecke saß etwas unförmiges... ja, etwas, was man für eine hässliche, zu groß geratene Ratte hätte halten können. Ihr voluminöser Körper wurde durch das spärliche Feuer erleuchtet und schlug einen großen Schatten an der Wand, der durch das Flackern der Flamen zu tanzen schien.
War es das Fieberdelirium, welches in dem Krieger ein furchtbares Entsetzen auslöste? Er hätte schwören können, dass dieses "Ding" leichte menschliche Züge hatte.
Das seltsame Wesen schien zu glauben, dass Matthias schlief, denn es nahm keine weitere Notiz von ihm.
Langsam tastete sich der ehemalige Hohepriester nach seinem Dolch vor, welchen er immer unter seinem Kissen aufbewahrte. Er ergriff ihn ruckartig und warf ihn mit der Spitze voran auf das Tier?! (War es denn überhaupt eines). Ein lauter Schrei ertönte. Matthias sprang ruckartig auf und lief zu der Stelle, wo er das Wesen vermeinte, getroffen zu haben. Der Dolch steckte tief in den Holzdielen, um ihn herum war eine große, dampfende, dunkle Lache zu erkennen. "Das Blut dieses Wesens???", erschauderte es in Matthias Gedanken.
Von diesem war aber weit und breit nichts zu sehen, als ob es getroffen worden wäre und der Dolch einfach durch es durchgegangen... ODER ES EINFACH VERSCHWUNDEN WÄRE.
Den Krieger packte das bloße entsetzen.
Plötzlich hämmerte es laut gegen die spärlich verschlossene Tür.
Das Donnern wurde immer lauter, Holz splitterte und zwei sich seltsam asynchron und widernatürlich bewegende Gestalten traten ein und und wankten geradelinig, aber taumelnd auf Matthias zu.
Sie hatten ekelhaft verzerrte Grimassen. Der Krieger saß in der Falle, war das doch der einzige Ausgang gewesen. Er drehte sich ruckartig um und rannte zurück zu seinem Bett. Plötzlich rammte der ehemalige Hohepriester seinen Kopf an einem Dachbalken, welcher zu tief in den Raum ragte. Es wurde schwarz um ihn.
Ein lautes Vogelgezwitscher drang von draußen in das Haus. Matthias erwachte schweißgebadet, es war mittlerweile heller Tag, bestimmt schon Mittag, so wie er den Stand der Sonne einschätzte. Er blickte zur Eingangstür, welche ohne Schaden, so alt und so morsch wie eh und je in ihrer Verankerung hing.
Er wollte nur noch weg aus diesem seltsamen Haus. Schnell packte er seine Sachen.
Auf dem Tisch fand er eine Pergamentrolle mit der Aufschrift: "Eigentum des H. P . L.", schnell verstaute Matthias sie in seinem Reisegepäck und tastete unter dem Kissen nach seinem Dolch. Er war verschwunden.
Mit einem furchtbaren entsetzen bemerkte Matthias den neuen Ort seiner Waffe.
Er steckte genau dort in den Dielen, wo er ihn in seinem Traum hingeworfen hatte. Um ihn herum war eine seltsame, eingetrocknete Pfütze aus schwarzer Flüssigkeit. Der ehemalige Hohepriester packte seine Waffe, sein Gepäck und rannte voller Entsetzen und Panik in den Pferdestall.
Keine fünf Minuten später befand er sich nach schneller Besattelung seines Pferdes wieder auf der Reise, jedoch die ganze Zeit erfüllt, mit ängstlichen Gedanken an die letzte Nacht und dieses seltsame Hexenhaus im Wald.
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