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Die nenzische Erziehung 16.01.2012 13:53:10 --- 4 Monate, 1 Woche her
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Stets war es bei den Nenzen Sitte gewesen, dass die Ältesten ein besonderes Auge auf die Jugend hatten. Denn schließlich wollte man, dass sie zu stolzen Kriegern heran reifen, welche die Traditionen kennen und sich so das Wohlwollen der Geister verdienen. Nur so konnte man das Fortbestehen des Stammes sichern.
Schon während der Spiele zu Ehren des schönen Pimp hatte Oma ihren neuen Schützling kennen gelernt, Hennegard war sein Name. Ein ehrgeiziger junger Bursche, dem noch die Sprunghaftigkeit, und dadurch resultierende Ungeschicktheit, der Jugend anhaftete, doch würde er gewiss, mit der Zeit und unter Omas erfahrener Hand, zu einem großen Krieger heran wachsen. Sie sollte ihn begleiten auf seinem Weg der Mannwerdung und ihm die Welt der Geister näher bringen. Aber auch die alltäglichen Pflichten innerhalb des Zusammenlebens durften nicht vergessen werden, was meist, in der Vergangenheit, so erinnerte sich Oma, die größte und schwierigste Aufgabe gewesen war.
Aus dieser Erfahrung heraus hatte sie ihm zunächst auch einige gewöhnliche Aufträge rund um die Festlichkeiten auferlegt, welche er, nicht nur pflichtbewusst und ohne Murren, sondern auch mit einer gewissen Begeisterung erledigt hatte, welche Oma schon lange nicht mehr unter gekommen war. Daher hatte sie beschlossen, nicht länger zu warten und ihn dem ersten nenzischen Ritual der Mannwerdung zu unterziehen.
Sie schickte ihn nach Olonet zum Hain der Geister, welcher zwischen den Jagdgründen der Fenni und der Nenzen liegt. Ein besonders heiliger Ort, den viele Menschen des Nordens, unabhängig ihrer Stammeszugehörigkeit kennen und ehren und welcher daher, unter dem Schutz beider Stämme steht. Man kann zu Recht von einem der sichersten und gefährlichsten Orte zugleich sprechen. Denn dort herrschten die Geister.
Eine Nacht sollte der junge Hennegard dort verbringen. Und wenn die Zeit reif und die Ahnen auf seiner Seite wären, würde sich ihm sein Krafttier zeigen, sein Totem, welches ihn sein Leben lang begleiten und schützen würde.
Danach sollte er zu Oma zurückkehren und von seinen Erfahrungen berichten. Sie war gespannt was er erzählen würde.
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Re:Die nenzische Erziehung 18.01.2012 01:51:55 --- 4 Monate, 1 Woche her
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Endlich stand er vor dem Zelt seiner mächtigen und allwissenden Meisterin, der ehrwürdigen unbeschreiblichen* Steppenfürstin Oma Schlachtwurst..
Er atmete noch einmal tief aus und betrat zögernd das Zeltinnere.
Dieses war in ein schumriges Licht getaucht und traute man nur seinen Augen, so war niemand hier.
Doch ihre Anwesenheit füllte den Raum, wie Wasser den Ozean.
Dann erschienen 2 Augen wie Sterne in der Dunkelheit.
Hennegard erbebte vor Erfurcht und ein paar getrocknette Morastbrocken fielen von seiner Kleidung ab.
Die Erwartungsvollen Seelenlichter, die auf ihn gerichtet waren und ihn schwitzen ließen, wie es nur die Sonne konnte, zwangen ihn dazu die erbarmungslose Stille mit Worten zu füllen.
Also rief er sich ins Gedächtnis, was letzte Nacht geschehen war.
"Oh weise Meisterin,
die du mich führst auf meinen Wegen,
meine Sterne deutest,
das Tor zu anderen Welten öffnest!
Ich begab mich nach Olonet, um das Ritual der Mannwerdung, nach euren Weisungen zu vollführen.
Von weitem schon war die Heimstatt der Geister gut zu erkennen, war es doch weit und breit das einzige Gebiet in dem sich in der erbarmungslosen Steppe Bäume hielten.
Doch tückisch ist der Wald. Dem Boden kann man nicht trauen. Ihm fehlt die Festigkeit und Überschaubarkeit des mir gut vertrauten Tundrabodens. Erst stolperte ich über eine Wurzel, alsbald versank ich mit dem Fuß in einem sumpfigen Loch. Die Bäume flüsterten hämisch als ich mich im Gestrüpp verhing und als hätte sich der Wald selbt gegen mich verschworen hagelte es hölzerne Steine von ungewöhnlicher Form um mich zu peinigen. Zerschunden und verwirrt suchte ich nach einem Ausweg, denn längst irrte ich orientierungslos umher. Der Horizont war verschwunden, das Himmelzelt meinen Augen verborgen. Finster ist der Wald, selbst bei Tageslicht.
Die Nacht war noch nicht hereingebrochen und derweil war mir noch kein guter Ort für das Ritual vor Augen getreten.
Still ruhte ich auf einem umgefallenen Baum, als das Plätschern von Wasser an meine Ohren drang.
Der Durst, der mir nun erst jetzt bewusst wurde, zwang mich in jene Richtung zu streben. Der Boden wurde feuchter und sumpfiger, dafür verschwand das dornige Gestrüpp. Als ich endlich den Bachlauf fand löschte ich meinen Durst. Das Wasser war zwar klar, doch von einem eigenartigem Geschmack durchzogen. Erdig und bitter.
Ich folgte dem steinigen Bachlauf aufwärts. Die Steine waren zwar glitschig, doch um einiges leichter zu begehen als der sumpfige Morast.
Endlich erblickte ich eine von Felsen gesäumte Lichtung die trocken genug erschien um sich für die Nacht niederzulegen.
Als ich mich auf den Boden fallen ließ stieb eine große Staubwolke auf, die mich kramfhaft husten ließ. Ich wollte mich aufrichten, und griff ins Gras, dass sich eigentümlich matschig anfühlte und eine weitere Staubwolke quoll zwischen meinen Fingern empor.
Mit tränenden Augen kämpfte ich mich voran auf einen großen einladend harten Steinblock und fiel in einen traumlosen Schlaf.
Plötzlich hörte ich ein Gackern.
Es wurde immer lauter und Lauter und schließlich gipfelte es in einem ohrenbtäubenden Krähen, dass mich aufschrecken ließ.
In der Ferne waren Lichter zu sehen. Zuerst hielt ich sie für Sterne bis mir bewusst wurde, dass der Himmel über mir und die Finsternis vor mir der Wald war. Dann bewegten sie sich. Hier und da huschte ein Licht hinter einen Baum um nur kurz danch wieder zum Vorschein zu treten.
Alsbald glühten sie Blau, Grün und in einem satten Gelb, wie dem Dotter eines Eis.
Ich folgte dem letzteren ungeachtet den Schrecken des Waldes, die mich zuvor heimgesucht hatten.
Abermals wurde der Boden feucht vom sumpfigen Morast.
Doch federnd schmeichelte der Boden nun jeden meiner Schritte, statt sie schmatzend zu verschlingen.
Ich kam an das Ufer eines Sees, in dem die Leichen alter Bäume staken. Weiter dem Licht folgend versank ich in dem trüben Wasser, dass mich seltsam Warm umfing.
Nun war ich dem Licht so nah, dass ich klare Umrisse erkennen konnte.
Es war eine gleißende Flamme, die über dem Wasser jenes Sees tanzte. begleitet von einem Pfeifen und Gluckern. Und dann....gackerte es.
Ein fauliger Geruch, wie von alten Eiern stieg in meine Nase.
Mir wurde kurz schummrig vor Augen, bis sich mein Blick so sehr klarte, dass ich in den Flammen im Wasser ein Huhn erkennen konnte.
Das Gackern war nun klar und deutlich. So deutlich gar, dass ich Worte heraushören konnte.
"Gockgok! Hennegard! Der den Schutz der Hühner im Namen trägt! Auch unser Schutz soll dir angedeihen!
errichte einen Hühnerstall und du wirst gesegnet werden mit der Sprache der Hühner und der Fähigkeit aus Rühreiern Orakel zu deuten! Gockga-ack! Lasse dich nun treiben, der Segen der Hühner begeleitet dich trage ihre Zeichen, sei das Suppenhuhn des Schicksals- Kikerikiiiee!!!"
Und mit diesem Krähen (ein Huhn das kräht?) verabschiederte sich der gefierderte Geist und die Flamme erlosch.
Ein Sog erfasste mich plötzlich und riss mich in die Tiefe. Ich wehrte mich nicht, die Worte des Huhns beachtend und kaum das mir die Luft zu neige ging, wurde ich in einem Pfuhl nahe des Waldrandes ausgespuckt.
Nun stehe ich vor euch, noch den Morast des Hains auf meiner Haut, und berichtete euch von den Geschehnissen."
*dank eines Schleiers
Mögen eure Hühner wohlbehalten, die Eier reichlich, der Stall sauber und der Fuchs draußen bleiben!
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Re:Die nenzische Erziehung 19.01.2012 12:05:51 --- 4 Monate her
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Oma hatte schon den ganzen Tag fürchterliche Kopfschmerzen. Daher hatte sie sich in ihr spärlich beleuchtetes Zelt zurückgezogen. Auch ihr Hals machte ihr zu schaffen. Beim Schlucken tat es weh und wenn sie sprach, klang es eher wie ein Krächzen. Dennoch empfing sie den jungen Hennegard und lauschte aufmerksam seinem Bericht. Die unheimliche Stimmung, welche mit ihrem Schweigen und dem schummrigen Licht einherging, war ihr nicht bewusst.
„Junger Nenze,“
krächzte sie, mit einer rollenden, dunklen Stimme, welche sich immer wieder brach, wie Wellen die aufeinander treffen, und welche die finstere Atmosphäre noch vertiefte,
„Ich bin sehr zufrieden mit euch. So wie es aussieht habt ihr tatsächlich euer Totem gefunden, herzlichen Glückwunsch.“
Sie unterbrach ihre Worte kurz, um rasselnd zu husten und fuhr mit heiserer Stimme fort,
„Ihr müsst wissen, auch die Geister bevorzugen manch einen Menschen und oft dauert es Jahre für die Erkenntnis, welche ihr in einer Nacht gewonnen habt. Die Geister scheinen ein besonderes Interesse an euch zu haben. Darauf könnt ihr stolz sein“
Oma räusperte sich erneut, was aber wenig half,
„Auch wenn es euch wirr erscheint, solltet ihr den Wünschen eures Totems nach kommen. Die Geister haben ihre eigene Sprache und wenn ihr die Aufgaben, die sie euch stellen, erfüllt, werden auch ihre Worte einen Sinn ergeben.“
Sie erhob sich von ihrem Lager,
„Nun ruht euch erst einmal aus, reinigt euch und esst etwas, sodass ihr wieder zu Kräften kommt. Ist dies geschehen, sucht den ehrwürdigen Ältesten der Ältesten, das Auge der Welt, den Meister der schwimmenden Leiber, dessen Antworten stets undurchsichtig und trübe wie die See erscheinen und stellt euch ihm zum Übungskampf. Sicher werdet ihr nicht siegen, jedoch sehr viel lernen können. Die Erfahrung wird euch reifen lassen, euren Mut stählen und eure Geschicklichkeit verbessern, sodass ihr ein großer Krieger der Nenzen werdet, der sein Volk zu beschützen im Stande ist.“
Kurz wurde Oma schwindelig und sie musste sich wieder setzen. Nach einem kurzen Schweigen fügte sie hinzu,
„Kehrt dann zu mir zurück und berichtet mir von euren Erfahrungen.“
Sie streckte die Hand aus und zeichnete das Zeichen des Schutzes in die Luft,
„Möge die große Mutter über euch wachen und euch leiten auf eurem Wege.“
Mit diesen Worten entließ sie den jungen Nenzen.
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Re:Die nenzische Erziehung 23.01.2012 13:29:00 --- 4 Monate her
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Still und voller Ehrfurcht hatte er das Zelt jener verlassen die über die Dunkelheit gebietet, und mit der Zunge der Toten* zu sprechen vermag, auszuziehen um mit dem herrlichsten aller Herrlichen, dem Überblender der Sonne, dem Gebieter der Fische und Nenzen, welcher ihnen den Weg Flussauf- und Flussabwärts, zu Ruhm und Niedergang weist, dem allmächtigen ohne Adjektive unausprechlichen Fischmann, zu einem Duell zu fordern.
Dies war alles woran Hennegard sich vor dem Kampf erinnern konnte.
Wahrscheinlich war es die blendende Erhabenheit, des unglaublichen, aller weisesten Fischmann, jenem dem selbst das Unwissen zur Verfügung steht und dem Rätsel antwort bieten, welche ihn niedergeschlagen hat
oder aber das Stumpfe Ende seiner Harpune.
Als Hennegard Blut und Sand spuckend sein Bewusstsein wieder erlangte. War da...das Huhn.
„Gack-Gak!! Hennegard! Der der du den Schutz der Hühner im Namen trägst! Dir sei dein Leben geschenkt. Doch großes Unheil wird über euch kommen! Das Auge des Himmels wird zwinkern, der Rückwärtsfließende im Strom treiben, was wahr ist und nicht sein sollte wird wahr bleiben!“Ein stechender Kopfschmerz durchzuckte Hennegard. Dann war das Huhn verschwunden.
„Gack-Gak!!“ Schreite es so laut, direkt in Hennegards Ohr, dass es ihn zur Seite schleuderte.
Irritiert schaute er auf das Geisterhuhn welches nun auf seiner Schulter saß.
„Hennegard, du der du den Schutz der Hühner im Namen trägst! Du hast einen dauerhaften Hirnschaden erlitten.“
„Ist das Schlimm?“ fragte Hennegard besorgt, der den Kampf mit dem Fürst der Fische langsam immer mehr bereute.
„Das heißt,“ das Huhn zwinkerte verschwörerisch „du wirst mich nicht mehr los. Gok-Gag!“
Ziemlich lediert, und mithilfe seines geisterhaften Begleiters, schleppte er sich zurück zum Zelt seiner Meisterin. Zumindest glaubte er, es wäre das Zelt seiner Meisterin. Nur der Zufall, oder der Wille des Huhns wollte es, dass sie sich am selben Ort wie Hennegard befand.
*vielleicht mit der einer Mumie, sie klang ziemlich ausgetrocknet
Mögen eure Hühner wohlbehalten, die Eier reichlich, der Stall sauber und der Fuchs draußen bleiben!
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Letzte Änderung: 2012/01/23 13:31 von Hennegard von Hühnerwacht.
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Re:Die nenzische Erziehung 25.01.2012 23:11:17 --- 3 Monate, 4 Wochen her
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Den ganzen Morgen war Oma mit Packen beschäftigt gewesen, alle Vorbereitungen mussten für die große Reise getroffen werden.
Dabei ging ihr die seltsame Weissagung des Huhnes, von welcher Hennegard erzählt hatte, nicht mehr aus dem Kopf und beunruhigte sie zutiefst. Der junge Nenze schien wirklich eine ganz besondere Beziehung zu seinem Totem zu haben und die Worte des Geistes durften um keinen Preis ignoriert werden. Doch wusste sie bisher niemand zu deuten. Auch die Schamanen hatten während des letzten Rats von großen Veränderungen gesprochen, Unheil bahne sich an und die Nenzen müssten, um dem zu entgehen, so rieten es die Geister, ihr Land verlassen und nach Süden ziehen. Welch schlimme Zeiten standen dem Stamm bevor, fragte sich Oma, oder hatte es bereits begonnen?
Wenn sie genauer darüber nachdachte, hatten sich in der letzten Zeit tatsächlich einige Dinge im geregelten Leben der Nenzen verändert.
Nicht nur, dass sich der Häuptling bei seinem Duell mit dem jungen Hennegard äußerst schmerzhaft den Nagel des linken, dicken Zehs eingerissen hatte, worauf sich Letzterer derart entzündet hatte, dass er nun kaum mehr zu Laufen im Stande war, auch der schöne Pimp war nicht mehr der Alte. Seit einigen Wochen schon schien er zutiefst unzufrieden, ständig beklagte er sich über das Wetter, das Land und besonders die Menschen. Die Männer würden nur faul herumlungern und sich von den Weibern fett füttern lassen und diese wiederum seien, wenn nicht verheiraten, dumm oder hässlich und das schlimmste daran wäre, dass es sie nicht schere, schimpfte er bei jedem Treffen der Ältesten lautstark. Daraufhin hatten schon einige darüber beraten, dass die Zahl der Frauen innerhalb des Stammes in letzter Zeit tatsächlich gesunken war. Viele Töchter hatten in befreundete Stämme eingeheiratet, doch waren kaum welche im Gegenzug zu den Nenzen gekommen. Der Stamm war aber auf diesen Wechsel angewiesen, schließlich war es so seit Menschengedenken und innerhalb der Familie durfte nicht geheiratet werden, dies galt als striktes Tabu und würde die Ahnen fürchterlich erzürnen. So einigte man sich schließlich darauf, dass die Geister womöglich deshalb von den Nenzen erwarteten, dass sie nach Süden zögen, vermutlich würde man so das Überleben des Stammes sichern können.
Völlig in Gedanken bemerkte Oma zunächst das Eintreten Hennegards nicht. Ihre Jurte war schon halb abgebaut und für jeden zugänglich. Als er sich durch ein Räuspern bemerkbar machte, erschrak sie, sodass ihr kurzer spitzer Schrei auch den jungen Nenzen zusammen zucken ließ. Über den ganzen Trubel hatte sie beinahe vergessen, dass sie um die Mittagszeit verabredet gewesen waren.
Nach einer angemessenen, aber sehr freundlichen Begrüßung, gab sie ihm schließlich den Sud, den sie am Abend zuvor eingekocht hatte.
„Schon morgen werden wir aufbrechen, aber diese Nacht, hier auf dem Boden unserer Ahnen, soll uns noch von Nutzen sein. Wie ihr wisst hat jeder bestimmte Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft, die ihm besonders liegen. Lasset uns herausfinden, welche die euren sind. Bevor ihr euch zur Ruhe legt, nehmt diesen Sud zu euch, den ich vorbereitet habe. Keine Angst, es kann euch nicht schaden. Ich nenne es das Elixier des Träumers. Ihr werdet gut schlafen können und einen besonders intensiven Traum haben, den es zu deuten gilt. Die Geister wissen um unsere Stärken und auch um unsere Schwächen, lasset uns hoffen, dass sie uns die euren offenbaren werden. Kommt gleich morgen in der Früh zu mir, und erzählt mir von eurem Traum.“
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Re:Die nenzische Erziehung 26.01.2012 09:40:30 --- 3 Monate, 4 Wochen her
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Später am Abend, und nach Einnahme des Trunkes:
Hennegard fühlte sich unsagbar entspannt. Während er sich taumelnd auf die Lagen aus Fell neben der Jurte seiner Meisterin niederlegte, krabelte das Geisterhuhn auf seine Brust.
Selbst das Geisterhuhn schien gegen den Zaubertrunk nicht gefeit zu sein, denn es setzte sich hin und schloss langsam die Augen.
Dann tat es Hennegard dem Huhn nach.
Stille.
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„Kikerikiiieee!!!“
Hennegard war wieder hellwach. Zumindest glaubte er es. Doch das konnte nicht sein, denn er lag nicht mehr in der finsteren Hütte seiner Meisterin sondern auf einer grünen Wiese.
Das Huhn starrte ihn wach und mit massiv glänzenden Augen an.
Nicht nur die Augen waren massiv...nein der ganze Körper des Huhns hatte etwas greifbares bekommen.
Hennegard streckte die Hand aus um das Huhn zu streicheln, musste aber sofort die Hand zurückziehen als es spürbar schmerzhaft in seine Hand pickte.
„Gack-Gak! Nicht grabschen!“
Dann setzte es sich auf, scharte ein paar mal auf Hennegards rust herum und hüpfte dann ins Gras um nach Würmern zu picken.
„Wo sind wir?“
Das Huhn hatte einen Wurm erwischt und würgte das zappelnde Tierchen mit einer schnappenden Bewegung hinab.
„Gok, Gok, Gok....das ist mein Zuhause.“
„Die Geisterwelt?“
„Gak- so in Etwa.“
Das Huhn hatte einen zweiten Wurm geschnappt, doch blieb der Versuch erfolglos diesen Herunter zu schlingen. Es sah so aus, als würde der Wurm mit einem Schwanzende aus dem Schlund des Huhn zu Hennegard herüber winken.
Es fühlte sich an wie ein: „Bis später!“ was Hennegard überhaupt nicht behagte.
Kurzerhand spieh das Huhn den Wurm wieder aus, zerhackte ihn und verschlang dann die sich windenden Überreste.
Hennegard schluckte.
„Was mach ich hier?“
Das Huhn sah ihn schräg an.
„Na was wohl? Du suchst deine Bestimmung!“
Hennegard blickte über die endlose Weite der Steppe vor ihm. Ein Meer aus Gras, indem vom Wind entfachte Wogen über sanfte Hänge glitten.
„Ist das meine Bestimmung?“
Das Huhn scharrte Lustlos auf einem Haufen Wurmkacke herum.
„Gack. Was weiß ich? Allerdings glaube ich kaum, dass du so eine sinnvolle Position in den Reihen deines Volkes einnehmen kannst.“
„Ich kann mit dir sprechen.“
Das Huhn rollte mit seinen Augen.
„Hast du ein Glück, dass du bei so’nem Naturvolk gelandet bist. Nein echt Junge...was kannst du?“
„Kannst du mir das nicht sagen?“
„Junge, das hier nötige Verfahren nennt man Selbstfindung...und wenn ich dir das Vorsagen würde, verdirbt das allen Anwesenden den Spaß.“
„Wer ist denn noch hier?“
„Frag lieber nicht. Also raus damit, was kannst du?“
Hennegard strich sich durch die Haare und blickte zum hellen aber sonnenlosen Himmel empor.
„Ich kann Essen...reisen...reden...aber nicht wirklich Kämpfen. Ich wurde bisher immer nur verprügelt.“
„Na! das ist doch schonmal was und jetzt überleg mal stark, wie heißen die Typen, die den ganzen Tag sich die Bäuche vollschlagen, von einem zum anderen Ort reisen und ellenlange reden halten aber keine Keule heben können, sofern es sich nicht um einen Braten handelt?“
Hennegard kratzt sich an einer Stelle, von der er hoffte, dass sein schlafendes Pandon ihm dies nicht gleich tat.
„Politiker?“
„Kikerikie!!!!“ jubelte das Huhn und schlug mehrmals mit den Flügeln, wobei es Piruetten drehend einen kleinen Freudentanz aufführte.
„Politiker?“
„Ei, Gack, Politiker.“
„Wie das wars? Ein Gespräch mit einem Huhn auf einer grünen Wiese...das ist mein aufgregender Selbstfindungstraum?“
Das Huhn pickte in sein Knie.
„Jetzt sein nicht so undankbar! Was kann ich für deine einfältige Fantasie? Aber die Würmer waren gut-Gack!“
„Du Huhn, was ist eigentlich deine Bestimmung?“
„Auf dich aufzupassen natürlich, was sonst, Gack?“
„Hast du eigentlich einen Namen.“
„Klar doch, Gack...Henna das hermaphrodite Huhn.“
„Was bedeutet hermaphrodit?“
„Das ich Krähen kann.“
„Ah....dann hat sich meine letzte Frage von selbst geklärt.“
„Gut dann kehren wir jetzt zurück.“
„Kikerikie!!!“
Hennegard wachte auf. Henna das hermaphrodite Huhn, stand schon aufrecht auf seiner Brust und ließ gerade etwas Geisterunrat auf sein Hemd kleckern.
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Re:Die nenzische Erziehung 27.01.2012 11:26:39 --- 3 Monate, 4 Wochen her
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Als Oma und ihr Mann am frühen Morgen ihr provisorisches Zelt verließen, stand Hennegard bereits davor, um ihr zu berichten. Immer wieder strich er sich nervös über die Brust, als sei dort ein Fleck, den er beseitigen wollte, doch war nichts dergleichen zu sehen.
Gemeinsam gingen sie daraufhin zur nächsten Feuerstelle und ließen sich nieder. Die Frauen hatten bereits das Frühstück vorbereitet und verteilten dieses in eben diesem Moment. Während sie sich satt aßen, erzählte Hennegard von seinem Traum.
Oma war erstaunt, als er geendet hatte,
„Wie klar die Botschaft ist, die euch zu Teil wurde.“
sprach sie, während sie mit dem Finger die Reste ihres Breis aus der Schüssel strich.
„Anscheinend ist eure Bestimmung ein Sprecher für euer Volk zu werden, dies ist eine große Aufgabe, ihr könnt stolz sein“
ergänzte sie mit einem Lächeln, welches um ihre Augen spielte und deutlich verriet, dass auch sie selbst stolz auf ihren Schützling war.
„Was schaut ihr so seltsam drein? Ist alles in Ordnung?“
fragte sie daraufhin besorgt, da Hennegards Gesichtsausdruck nicht wirklich zu der freudigen Botschaft zu passen schien.
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Re:Die nenzische Erziehung 27.01.2012 12:21:12 --- 3 Monate, 4 Wochen her
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Hennegard hörte auf auf seinem Hemd herumzurubbeln. Er hatte kaum zugehört was seine Meisterin gesagt hatte, dieser verdammte Fleck ging einfach nicht raus, und langsam fing es dort an zu jucken. "Ähm... Meisterin, habt ihr zufälligerweise ein Mittel gegen Geisterkacke?"
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Letzte Änderung: 2012/01/27 12:23 von Hennegard von Hühnerwacht.
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Re:Die nenzische Erziehung 30.01.2012 20:11:40 --- 3 Monate, 3 Wochen her
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Oma grinste hinter ihrem Schleier. Nun waren sie schon etliche Wochen unterwegs und immer wieder musste sie an diese Situation mit dem geisterhaften Fleck denken.
Sichtlich verwundert hatte sie Hennegard damals angesehen und die Stirn gerunzelt.
„Ähm, wie bitte?“ hatte sie gefragt und nachdem sie dem verwirrten jungen Mann mehrmals versucht hatte klar zu machen, dass sich auf seinem Hemd kein Fleck befindet, er allerdings nicht von seiner Überzeugung abzubringen war, hatte sie schließlich aufgegeben und für ihn einige getrocknete Blühten aus ihrer Sammlung heraus gesucht. Mit gleichsam blumigen Worten hatte sie ihm daraufhin versichert, dass wenn er mit diesen sein Hemd abrubble, das garstige Übel gewiss verschwinden würde. Die Taktik hatte sich als erfolgreicher erwiesen. Zumindest war Hennegard an jenem Tag nicht wieder gekommen und auch die nächsten Male, in welchen das Problem seltsamer Weise wieder auftrat, hatte es geholfen. Mittlerweile war es zur Regelmäßigkeit geworden, dass er Oma besuchte und nach den Kräutern fragte. So auch an diesem Abend.
Doch diesmal plagte ihn nicht nur der immer wieder auftauchende Fleck, sondern auch ein fürchterlich schlechtes Gewissen. Der Häuptling hatte sich bis heute nicht von seiner Verletzung erholt, welcher er sich bei dem Duell mit Hennegard zugezogen hatte. Im Gegenteil, seit Wochen konnte er nicht mehr selbst reiten und musste auf einem der Wagen mitfahren. Sein Zeh war mittlerweile sogar auf die fünffache Größe angeschwollen und schmerzte derart, dass der große Stammesführer der Nenzen während der Fahrt heulte wie ein Wolf, was sich bei schlechten Straßen noch steigerte. Der Stamm war in großer Sorge um ihn. Die Heiler wussten nicht ein noch aus und sprachen schon davon, dass sie den Zeh abtrennen müssten, das kam aber wiederum für den stolzen Häuptling nicht in Frage, der sehr an jedem einzelnen seiner Körperglieder hing. Es waren wahrlich schlimme Zeiten und bisher schien ihre Wanderung in den Süden wenig Erfolg zu verheißen. Das Unglück schien sie stetig zu verfolgen, doch waren die Schamanen sicher, dass die Nenzen nur weiter ziehen müssten, bald würden sich die Wege weisen.
Oma wusste gar nicht wie sie den jungen Hennegard trösten sollte. Es war nun wirklich nicht seine Schuld gewesen, das Schicksal ging manchmal seltsame Wege. Die Menschen waren nur hilflose Fliegen im klebrigen Netz der Zeit, nur die Geister schwebten über alledem und konnten die Fäden neu ordnen. Sie gab ihm den Rat zu beten und zu bitten, und eventuell etwas zu opfern was ihm lieb war, dann würden ihn die Geister vielleicht eher erhören.
Was sollte nur aus dem Stamm werden, dachte sie betrübt, soweit waren sie nun von Zuhause weg, hoffentlich hatten die Schamanen Recht und die Dinge würden sich bald zum Guten wenden.
Doch es kam noch viel schlimmer.
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Re:Die nenzische Erziehung 31.01.2012 14:29:45 --- 3 Monate, 3 Wochen her
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Der schlimme Zeh seiner Herrlichkeit,
des unüberwindbaren Fischmann, der wie der Bär über die Lachse, richtend über den Nenzen steht, der den Zeitenlauf und die Ankunft der Geschuppten bestimmt, dem Sonne und Mond Gefolgschaft schulden, dessen gnadenlos erhabener aber ledierte Zeh,
hatte Form, Größe und Farbe einer übreifen Fruch, und den Geruch eines verwesenden Tieres angenomen.
Und so wie der Eiter den Zeh zum Platzen bringen drohte so voll und schwer war Hennegard das Herz. Denn es war sein verdammenswerter Schädel gewesen, der gegen den Zeh des Weltenfischers, dessen Maschen so dicht waren, das kein Feind enkommen konnte,
gestoßen war, als dieser lustwandelnd nach dem erfolgreichen Duelle, einen Stein unter Hennegards Kopf beiseite treten wollte.
Aufgrund seiner Seherkraft, spürte er den nahen tot und hatte Visionen, die er fierbrig sowohl im wachen als auch während des Schlafes, nur unterbrochen von gramerfüllten Gejaule von sich gab.
„Dieser unsägliche Schmerz! Mit welch Peinigung haben die Geister meiner gedacht! Ich spür der tot kommt über mich! O...weh ich sterbe gewiss! Meiner ist dieses langwierige Leiden nicht würdig! Ich spür wir nähern uns dem Paradise! Oh Volk...Oh Nenzen, euer Los wird sein mir eine Stätte der Ewigkeit zu weihen, errichtet aus den Trümmern und Flusen des Weltennabels. Oh...Weh!“
So wallte das Wesen des sterbenden Gottes über den ziehenden Nenzen und erfüllte die Häupter seiner Gläubigen, mit Schwermut, doch auch mit dem Ansporn ihr Ziel zu erreichen. Und wenn nicht in diesem, dann im nächsten Leben. Auf das der Fürst der Fische uns auf ewig den Weg bachaufwärts weisen möge!
Ein trost verschaffte Hennegard nur der Aufenthalt in der Geisterwelt. Rieb er die Kräuter seiner Meisterin und atmete er deren Essenzen ein, so war es ihm Möglich wieder zurück zur weiten grünen Wiese zu gelangen. Den Kräften seiner Meisterin vertrauend, hatte es ihn nicht gewundert hier wieder herzugelangen, denn nur hier konnte er seinen Fleck auswaschen.
Dies nahm er nun auch immerwährend zum Vorwand, weitere Kräuter zu hohlen. Dass Henna wirklich sein Hemd mit diesem fragwürdigen Segen weihte kam nur noch selten vor.
„...warum ist der Mond dann Rund?“
„Weil es ein Ei von unten gesehen ist, nie wendet es uns eine andere Seite zu, du kennst die Poren und Flecken, die sowohl beim Mond als auch beim Ei zu finden sind, und nie ihre Ausrichtung ändern? Das liegt daran, dass der Himmel das Nest ist, auf dem es liegt und die Sonne ist das Große Huhn das es bebrütet. Doch anders das normale Huhn muss es das Ei nicht drehen, sondern kann in seiner unendlichen Macht das Ei von allen Seiten bebrüten, und dort wo der Mond Hell erleuchtet ist, hat sich das Sonnenhuhn herabgesetzt.
Deshalb ist die Sonne Nachts auch nicht zu sehen, denn nur das Hinterteil des Huhn ist fähig so zu strahlen wie es das Gestirn es eben vermag um das Ei auszubrüten.“
„Und warum strahlt dann Tagsüber die Sonne über uns? Ist die Erde auch ein Ei?“
Das Huhn pickte Weise auf den Untergrund.
„Törrichter Hennegard, viel zu Schmutzig und elend ist die Welt, als dass das Sonnenhuhn seinen geheiligten Hintern auf uns herbbequemen würde!
Nein wir beobachten das Hinterteil von unten, während das Huhn über die Welt wandelt und Lindwürmer aus dem Abbys der Erde reißt. Sein Scharren sind der Nebel und die Wolken, du musst wissen die Welt ist voller Wasser als Erde, für das Sonnenhuhn ist dies kein Unterschied, doch wandelt es über Wasser so gibt es Regen, Wandelt es über die Eisigen Höhen fällt der Schnee, wandelt es in der Wüste, so wird ein Sandsturm auf die Erde herabkommen, je nachdem ob es zu Scharren beginnt.“
Das Huhn wandte den Kopf plötzlich zu einer Seite der weiten Wiese. Hennegard sah nichts, doch die Augen des Huhns sahen durch diese Welt.“
„Kommt wer?“
„Deine Meisterin.“
Hennegard konnte gerade noch rechtzeitig in seine Welt zurückkehren als jene die die Schatten trägt, die Nachtumhüllte, seine weise Meisterin Oma Schlachtwurst, das Zelt betrat.
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