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THEMA: Die nenzische Erziehung
 
Oma Schlachtwurst

Nenzen
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graphgraph
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Re:Die nenzische Erziehung      31.01.2012 22:49:50 --- 3 Monate, 3 Wochen her  
Oma rief Hennegards Namen bevor sie sein Zelt betrat. Doch er antwortete nicht. Als sie ins Innere trat, saß er auf dem Boden und schaute sie mit weit aufgerissenen Augen an und da war ihr sofort klar, dass er wieder einmal einen Ausflug in die Welt der Geister unternommen hatte. Sie wartete kurz bis er sich gesammelt hatte und begrüßte ihn daraufhin freundlich, was er ihr gleichsam nachtat. Doch trotz der offensichtlichen Freude über ihr Erscheinen, sah sie auch in seinem Gesicht das Leid, das ihn plagte, seit der Häuptling derart schlimm erkrankt war und so beschloss sie, ihn auf andere Gedanken zu bringen.
Kommt begleitet mich zum großen Markt, ich möchte einiges einkaufen und ich brauche jemanden der mir beim Tragen hilft, habt ihr Lust?
Die Nenzen waren mittlerweile weit in den Süden vorgedrungen, bald würden sie das Mittelmeer ereichen. Monate der Reise trennten sie nun schon von ihrer Heimat und für viele waren die Sitten der Menschen des Südens derart fremd, dass sie sich nicht in die großen Städte trauten. Für Oma war das Treiben eine wunderbare Abwechslung. Schon als Kind hatte sie es genossen, mit ihrem Vater nach Mekka auf den großen Markt zu fahren und auch Alexandria hatte sie besucht, dessen Größe und Pracht wohl die meisten Menschen der bekannten Welt in Staunen versetzt hätten.
Auch Hennegard schien beglückt über das Angebot, wobei Oma nicht genau wusste, ob er aus eigenem Antrieb zustimmte, oder es nur ihr zu Liebe tat. Aber wahrscheinlich war das nicht wirklich wichtig, die Ablenkung würde ihm gewiss gut tun, dachte sie, während sie sich dem Menschenstrom anschlossen, welcher gemächlich durch die mächtigen Tore der Stadt floss, durch die schmalen Gassen, immerzu in Richtung des Zentrums, wo der große Markt stattfand.
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Hennegard von Hühnerwacht

Nenzen
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graphgraph
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Re:Die nenzische Erziehung      01.02.2012 00:09:22 --- 3 Monate, 3 Wochen her  
Sie betraten ein seltsames Gebilde, von Riesiger Gestalt. Es glich eher einer Landschaft als einem Ort wo Menschen wohnten. Unzweifelhaft ging dies auf die Eigenart der hier lebenden zurück, ihre Behausungen aus Dreck und Geröll aufzutürmen um darin wie in Höhlen zu hausen. Wahrscheinlich weil es hier keine Rentiere gab, deren Häute sie nutzen konnten. Doch trotz dieser Erklärung erschien es Hennegard seltsam sich Wohnorte zu schaffen, die mann nicht einpacken und mitnehmen, geschweige denn versetzen konnte. Das hieße ja man müsste überall wo man hin will wieder eine neue Höhle errichten. Und in der Zeit wo die anderen Höhlen leer standen sammelte sich dort bestimmt Unrat und Getier an. Der Eindruck schien Hennegard nicht zu täuschen, denn überall stank es, und das Quitschen der Ratten übertönte hin und wieder das Getöse der Straße.
Doch alsbald erkannte Hennegard das Ziel ihrer Reise, ein Ort mit Leuten die vernünftig wohnten, innerhalb der von Höhlen geprägten Landschaft. Dies waren bestimmt die angesehensten Bewohner dieser Gemeinschaft und die einzigen die Felle und Stoff hatten um sich Zelte zu leisten.
"Kauft Suppenlöffel! Jetzt erhältlich die Diät-Ausgabe mit Loch!"
Henegard erkannte sofort glücklich das herrliche Treiben, die Bewohner hatten zum Marktag gerufen.
Seine Meisterin schlenderte mit ihm an den Ständen vorbei, sich in fremden Zungen unterhaltend, die Henna ihm geflissentlich mit einigem Gackern übersetzte.
Alsbald kamen sie an einen Stand mit Waren aus Geschirr. Hennegard wollte daran vorbeilaufen, da zerbrechliche Keramik für die Nenzen ohne ersichtlichen Wert waren, als der Händler ihm zurief:
„Salve junger Maan! Viel guts Essen, ich hab! Mit Kräuter! Gesuund!“ Dann lüftette er eine der Kermaikdeckel und ein würziger Geruch stieg Hennegard in die Nase.
„Salve mercator!“ Hörte Hennegard sich sagen. (Oma schaut ihn verwundert an).
„Dice mihi, ecquid inter mercia tui, ut Rex mei, Fischmannus Maximus, Princeps Piscium, Dominus Nenzi convalescet et a cruciatus solvetur?“
En! Peregrinus cum lingua civis! Fischmannus dices? A rex tui audivi. Vir Maximus est. Mane breviter! Res aptus habeo !“
Der Händler verschwand kurz in sein Zelt und kam mit einem einhenkligen Krug mit langem schmalen Hals und einem korkenen Stöpsel auf dem selben zurück.
Cum Voluntatibus optimas deorum mei! Garum!” Er senkte geheimnisvoll die Stimme „Essentia piscium est! Ea corpusque spiritus Fischmanni componit“ Dann wieder lauter: „Decem denarii, ut Rex tui convalescat et a cruciatus solvatur.“
Hennegard bezahlte ohne nachzudenken. Henna sträubte sich, sagte aber nichts.

„Gratias tibi ago!” sagte der Händler und überreichte Hennegard das Gefäß.
„Forsan nos revisimus. Vale amicus mei!”

Langsam entfernten sie sich vom Stand.


Mögen eure Hühner wohlbehalten, die Eier reichlich, der Stall sauber und der Fuchs draußen bleiben!
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Letzte Änderung: 2012/02/01 00:21 von Hennegard von Hühnerwacht.
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Oma Schlachtwurst

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Re:Die nenzische Erziehung      01.02.2012 15:28:06 --- 3 Monate, 3 Wochen her  
Oma hatte die ganze Szene mit offenem Mund verfolgt, was aber Dank ihres Schleiers niemandem auffiel. Nur ihre Augen verrieten ihre Erstaunung. Kein einziges Wort hatte sie verstanden, aber die Südsprache hatte sie erkannt. Woher hatte Hennegard diese Sprache gelernt? Dass er besonders sprachbegabt war, war ihr schon früher aufgefallen, aber das hier war nun wirklich außergewöhnlich. Zunächst war sie derart perplex, dass sie kein Wort heraus brachte. Doch schon wenige Augenblicke später, dämmerte ihr, dass dies wohl die besondere Gabe war, welche ihm von den Geistern geschenkt wurde. Oma beschloss ihn später genau darüber zu befragen, zunächst jedoch, interessierte sie, was Hennegard für soviel Silber gekauft hatte.
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Hennegard von Hühnerwacht

Nenzen
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Re:Die nenzische Erziehung      01.02.2012 17:19:39 --- 3 Monate, 3 Wochen her  
„Das ist ein Zaubertrank!
Es heißt Garum und ist die Essenz der Fische,
damit der Herr der Geschuppten gesunden und von seinen leiden erlöst werde!“
Sagte Hennegard triumphierend.


Mögen eure Hühner wohlbehalten, die Eier reichlich, der Stall sauber und der Fuchs draußen bleiben!
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Oma Schlachtwurst

Nenzen
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Re:Die nenzische Erziehung      01.02.2012 22:29:54 --- 3 Monate, 3 Wochen her  
Oh wie lieb von dir“ entgegnete Oma auf Hennegards Antwort hin, „Hoffen wir, dass es hilft“ murmelte sie immer wieder, während sie die letzten Einkäufe tätigten, um in das Lager zurück zu kehren. Die Sorge um den Häutpling ließ ihr keine Ruhe, doch würde er sich sicher über das Geschenk, dass Hennegard auf dem Markt erstanden hatte, freuen. Es würde ihn für einige Momente von seinen schlimmen Schmerzen ablenken, selbst wenn es nicht die versprochene Heilung erbringen würde.
Trotz des angenehmen Tages auf dem Markt, der sie oft diese schwermütigen Gedanken vergessen ließ, hatte sie auf dem Rückweg ein flaues Gefühl in der Magengegend.
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Hennegard von Hühnerwacht

Nenzen
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Der ruhmreiche unvergessliche Tod des Fischmann      04.02.2012 12:16:20 --- 3 Monate, 2 Wochen her  
Ehrfürchtig näherte sich Hennegard mit gesenktem Haupt, seiner Erhabenheit, dem schuppigen Fischfürsten, dem Bestimmer der Fließrichtung, Bewahrer von Zeit und Raum, in dessen Glanze der Sonnenschein zum Schatten ward.


So sprich, wenn du mein Zelt betritst, niederster der Nenzen, Pfeilfang des Königs, Schuhspalters Kopfträger, wenn mein Leid dich drückt, dann Leide mit mir oder schere dich hinfort!"

"Oh eure angeschlagene Herrlichkeit! Ich bringe ein gar wunderliches Zaubermittel, Es ist Garum, die Essenz der Fische! Gebraut aus aller Welt Fischleiber, euch zum Ruhme und zur Genesung gereicht! Sie wird eure Fischigkeit wieder in Einklang mit der Geisterwelt bringen!"

Fischman hatte von Hennegards Beziehung zur Geisterwelt gehört und zögerte daher kaum um nach der hingehaltenen Karaffe zu greifen. Nicht zuletzt der Schmerz drängte ihn dazu.

Mich dünkt Reue deiner schändlich Tat, wie du mir den Zeh zerschrammt mit deinem Blutgesicht, wohl ahnend nehm ich an die Gab, soll's Grames Bannwerk werden!

Zuerst entstöpselte er das Gefäß. Sofort enstieg der Karaffe ein fast körperlich anmutender Geruch. Würzig, doch roch man auch seine chtonische Beziehung zur Geisterwelt.
Mutig tat er einen kräftigen Schluck, wie es einem Regenten solcher Herrlichkeit und Manneskraft gebührte.
Er spührte die Kraft die diesem Tranke innewohnte und wie eine wohlige Wärme sich in seinen Gliedern ausbreitete, auch wenn der Geschmack aufgrund seiner Heftigkeit seine Sinne peinigte. Doch dies war Medizin und solcherlei Unanehmlichkeiten waren nichts gegenüber dem Schmerz in seinem Zeh. Verwundert stellte er fest wie sein Zeh pochte und sein Blut die Gifte aus seinen kranken Körper spühlte. Es wirkte! So ermutigt setzte er die Karaffe zu einem weiteren göttergleichen Schluck an.
Und dann blieb es ihm wortwörtlich im Halse stecken.

Die Karaffe fiel auf den lehmigen Boden, und die für Nenzen stets unbrauchbare Keramik zerbarst in tausend Sücke während sein Inhalt in den Boden sickerte.
Bestürtzt musste Hennegard mit ansehen, wie sich Fischmann an den Hals griff und zu Röcheln und zu würgen anfing.
Schnell sprangen der Schöne Pimp, der tugendhafteste unter den Nenzen und Oma Schlachtwurst herbei um den Fischmann zu stützen, ihn auf den Rücken zu schlagen.


Verzweifelt versuchte Fischmann sich zum erbrechen zu bringen. Denn ihm war bewusst, dass eine Fischgräte in seinem Halse steckte, so wie ihm alles fischige der Welt bewusst war.
Es gelang ihm seinen Arm so weit in seinen Rachen zu stecken, dass er die Gräte zu erreichen glaubte, da kam endlich der erlösende Brechreiz!
Während er sich gerettet sah und alle anwesenden, einschließlich sich selbst mit der Essenz der Fische segnete, ward seinem schuppigem Bewustsein gewahr, dass er nur noch mehr Gräten heraufgewürgt hatte, die nun seinen Rachen versperrten. Unfähig zu Schlucken, begann er sich keuchend und Röchelnd in seinem Auswurf zu wälzen.
Die Nenzen rannten panisch umher auf der Suche nach einer Rettung für den Fürst der Fische, allein Hennegard konnte sich vor Grauen nicht rühren. Sein göttergleicher Regent starb eines unwürdigen Todes, sich in seinem eigenen erbrochenen windend, geifernd und sabbernd dem Versiegen des eigenen Odems erliegend.
Während alle herumwuselten war Henegard der einzige der sah wie Fischmann,

der herrliche, der unbesiegbare, Herrscher der Fische und Nenzen, Überstrahler der Sonne, Gebieter der Jahreszeiten, Erwürger der Dämonen, Bezwinger der Heerscharen, der der den Fischen und Flüssen die Richtung vorweist, der der wie der Bär über die Lachse über die Nenzen richtet, der dessen Atem die Welt erzittern ließ und dessen Schrei Oma Schlachtwurst empfing wie ein Neugeborenes die Welt begrüßte, der der Hennegard zum Fleischschild des Königs ernannte, der der an der Seite des Schönen Pimps focht, der dessen Name auf ewig unvergessen bleiben wird, und gleichbedeutet mit dem Höchsten Sein der Nenzen, ja jedes Menschen ist,

seinen letzten Atemzug tat. „Röchel...“


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Oma Schlachtwurst

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Re:Der ruhmreiche unvergessliche Tod des Fischmann      07.02.2012 10:25:10 --- 3 Monate, 2 Wochen her  
Der Häuptling war tot. Eine Lawine des Entsetzens überrollte den Stamm der Nenzen und drang selbst in jene Gemüter der Jüngsten der Jungen ein, welche noch kaum die Welt zu begreifen im Stande waren, jedoch dieses schreckliche Gefühl der unsäglichen Trauer, welches durch jede Zeltnaht sickerte, dies begriffen sie und weinten daraufhin die gesamte Nacht ohne dass sie sich beruhigen ließen. Ähnlich war es Oma ergangen. Solange hatte sie den tollpatschigen Fischer gekannt, der letztendlich sogar zum Stammesoberhaupt geworden war, was wohl damals, als sie ihn kennen gelernt hatte, niemand für möglich gehalten hatte. Wohl aufgrund seines ungewöhnlichen Talents jedes Unglück nicht sicher zu umgehen, sondern bei dem Versuch dessen, stets das Gegenteil zu erreichen. Und obwohl er sie oft geärgert hatte und dies zum Teil mit Absicht, war er doch im Großen und Ganzen stets gut zu ihr gewesen und schließlich hatte er ihr den Weg in ihre wahre Heimat gewiesen, dafür war sie ihm noch heute unsäglich dankbar.
Die Totenwache dauerte drei Tage. In diesem Zeitraum fand eine Vielzahl von Ritualen statt, um dem Geist des Häuptlings seine Reise in das Reich der Toten zu begünstigen. Viele Irrwege konnten ihn von seinem Weg abbringen, die Gefahr war groß, dass er sich verlieren konnte in den zwielichtigen Zwischenwelten, deren genaue Zahl niemand kannte, sodass er für den Rest der Zeit herum irren müsste. So würde er niemals den Weg zu den Ahnen finden, dies galt es um jeden Preis zu verhindern.
In den ersten beiden Tagen hungerten die Nenzen, was den wenigsten schwer fiel, zu tief war ihre Trauer um den verloren gegangenen Stammesführer. Während die Frauen die Klagegesänge anstimmten, welche ununterbrochen zwischen den Zelten widerhallten und jeden stets an das große Unglück erinnerten, welches geschehen war, tanzten die Männer den Trauertanz in ihren festlichen Gewändern, welche die Tiere des Nordens repräsentierten und auf diese Weise, deren Geister anlocken und ehren sollten, sodass sie den Geist des Häuptlings auf den richtigen Weg lenkten.
Am Abend des dritten Tages, waren die Schamanen sicher, dass das Ziel erreicht worden war. Ein lauter Freudengesang erhob sich im Lager der Nenzen und die folgende Nacht verbrachten sie damit fürstlich zu speisen und zu feiern bis der nächste Morgen dämmerte. Allerdings war es damit nicht getan, wie sich am nächsten Morgen herausstellte. Die Schamanen hatten sich schon früh beraten und verkündeten dem Rat, dass man den Gebeinen des großen, unermesslich weisen Fischmann besondere Kräfte zu messe und diese beabsichtige innerhalb des Stammes zu verwahren.
Das kam nicht alle Tage vor, dass die Gebeine der Toten aufgehoben wurden, Oma hatte es, solange sie nun bei den Nenzen lebte, erst einmal miterlebt. Damals war es gewesen, als Jener starb, welcher als der mächtigste unter den Schamanen gegolten hatte und welcher weit über die Grenzen der Jagdgründe der Nenzen bekannt gewesen war. Noch heute hatte jede Familie einen seiner Knochen in Verwahrung, er sollte sie schützen und könne unter besonderen Umständen Wunder bewirken, ebenso wie der alte Schamane es damals vermochte.
Und so kam es, dass der Körper des unvergesslichen, unvergleichlichen und so oft unverständlichen Fischmanns entfleischt wurde. Natürlich geschah auch dies unter besonderer Beachtung der Rituale und Gebete und nur der oberste und mächtigste Schamane selbst durfte die Befreiung der Gebeine, so wie es auch genannt wurde, vollziehen. Was er auch, mit lautem Geschrei und wilden Gebärden, tat.
Nachdem das Ritual beendet war, wurden die Knochen gesäubert und von dem Schamanen persönlich an die Familie und die engsten Vertrauten verteilt, welche sie in Ehren halten und an ihre Nachkommen weiter geben würden. Cearis, die treue Gemahlin des Verstorbenen bekam den Schädel übereicht, in welchem sich die meiste Macht konzentrieren sollte. Oma erhielt eine Rippe, ebenso wie ihr Mann. Der schöne Pimp bekam ein Schulterblatt. Der junge Hennegard jedoch, erhielt den linken Zehknochen, wobei niemand den Schamanen zu fragen wagte, ob dies ein schlechter Scherz war, denn es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass der alte Zausel sich ähnliches erlaubt hätte, oder ob dem ein tieferer Sinne inne wohnte.
Jedenfalls gab er dem jungen Nenzen folgende Worte mit auf den Weg:
Am Zeh beginnt´s, am Ferse endet´s, des Rückenschorfes Finger sind der Lenden Stirn
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Oma Schlachtwurst

Nenzen
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Re:Der ruhmreiche unvergessliche Tod des Fischmann      18.02.2012 11:31:46 --- 3 Monate her  
Totaler Stuss! Nimm das nicht ernst. Der alte Zausel hat wieder zu viel geraucht. Du weißt, dass er fast alles raucht was er findet, da ist nicht immer alles harmlos.
schimpfte Oma über den Schamanen, um Hennegard zu trösten, der immer noch Schuldgefühle wegen des Todes des Häuptlings hatte und ständig über diesen seltsamen Spruch nachdachte,
Vor einigen Wintern hat er eine Knolle aus dem Schnee gewühlt, welche er nicht kannte und sie sich mit dem Argument in die Pfeife gestopft, dass man alles mal probieren müsse, um die Welt zu begreifen. Danach lief er drei Wochen nackt im Lager umher und predigte jedermann, dass die Kinder kleine Dämonen seien, die ihn ins Reich der Schatten entführen wollten. Jedes Mal wenn er eins sah lief er schreiend im Kreis und gab unmenschliche Laute von sich, um sie zu verscheuchen. Du kannst dir vorstellen, was die Kinder taten, sie lauerten ihm ständig auf und freuten sich über sein Geschrei. Am Schluss kam es soweit, dass er regelmäßig wie ein Hund an die Zeltwände pinkelte, um das Lager vor den Dämonen abzuschirmen.
Oma schüttelte energisch den Kopf,
Nimm das wirklich nicht ernst, es ist Stuss. Außerdem weißt du was die Schamanen herausgefunden haben.
fügte sie hinzu.
Nach dem Tod des Häuptlings waren die Nenzen weiter gezogen und hatten mittlerweile das große Meer erreicht, denn nun hatten sie ein Ziel. Einige der Schamanen hatten bei ihrer letzten Beratung die Vermutung geäußert, der Trank, der den großen Fischmann, das Auge der Welt den Meister der schwimmenden Leiber, dessen Antworten stets undurchsichtig und trübe wie die See erschienen, getötet hatte, möglicherweise das Gebräu eines Hexenmeisters gewesen war. Daraufhin hatte man sogleich die Geister befragt, welche die Vermutung nicht nur bestätigten, sondern auch verhießen, dass man finden würde, was man suchte.
Die Nachricht, dass ein Hexenmeister der Südländer dafür verantwortlich war, dass nun ein Loch im Herzen der Nenzen klaffte, welches wohl nie gänzlich verheilen würde, erweckte einen unsäglichen Zorn. Das ganze Lager schien zu brodeln, überall sprach man über das Gleiche, dass man nicht eher ruhen würde, bis der böse Zauberer tot und verstümmelt im Staube liegen würde und die Maden sich seiner annehmen. Gleich darauf, stachen die Nenzen in See, denn dort im Westen würde das Land liegen, welches den Mörder beherbergte.
Der schöne Pimp war währenddessen zum neuen Häuptling gewählt worden und obwohl er sich lange gegen diese Entscheidung gesträubt hatte, musste er schließlich einsehen, dass sein Volk in diesen schweren Zeiten eines erfahrenen Ältesten bedurfte und niemand unter den Nenzen war so alt und so erfahren wie der Schönste der Schönen selbst.
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